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21.10.2013

Hautkrebsmittel mit begrenzter Wirksamkeit

Das Krebsmittel Vemurafenib wurde als Durchbruch gegen schwarzen Hautkrebs gefeiert. In vielen Fällen werden die Tumorzellen jedoch nach einiger Zeit resistent gegen das Mittel. Warum es zu dieser Resistenzentwicklung kommt, untersuchen jetzt Forscher von der Universitätsklinik Würzburg.
Vemurafenib hemmt das Tumorwachstum, aber nur für eine gewisse Zeit

Vemurafenib hemmt das Tumorwachstum, aber nur für eine gewisse Zeit

Vemurafenib wurde im März 2012 in Deutschland zur Therapie des metastasierenden schwarzen Melanoms zugelassen. Das zielgerichtete Medikament kommt bei Menschen zum Einsatz, die ein mutiertes BRAF-Gen in sich tragen. Das mutierte Protein kann zu einem unkontrollierten Wachstum des Tumors führen. Vemurafenib hemmt das Protein und damit auch das Tumorwachstum – zumindest für einen gewissen Zeitraum. Bei vielen Patienten kommt es unter der Therapie mit Vemurafenib zu einer deutlichen Remission des Tumors, was in den klinischen Studien die Überlebenszeit der Patienten um mehrere Monate verlängerte.

Nicht zuletzt deshab wurde Vemurafenib in den Mdien seinerzeit als „Therapie-Durchbruch gegen schwarzen Hautkrebs“ gefeiert. Hautärzte sehen das allerdings nicht ganz so rosig. „Leider kommt es unter dieser zielgerichteten Therapie bei nahezu allen behandelten Patienten zu einer Resistenzentwicklung der Tumorzellen gegen das Medikament und im Folgenden zum Fortschreiten der Erkrankung“, berichtet der Dermatologe Dr. Sebastian Haferkamp von der Universitäts-Hautklinik Würzburg.

Warum verliert das Medikament gegen schwarzen Hautkrebs seine Wirksamkeit?

Warum das Mittel nach einer gewissen Zeit seine Wirksamkeit verliert, dass will Haferkamp nun in einem neuen Forschungsprojekt untersuchen. „Es ist bekannt, dass Tumorzellen und ‚normale‘ Zellen der Tumorumgebung, wie zum Beispiel Fibroblasten, Keratinozyten oder Endothelzellen, miteinander durch Botenstoffe kommunizieren und sich gegenseitig beeinflussen“, erklärt Haferkamps Mitstreiterin PD Dr. Svenja Meierjohann von der Physiologischen Chemie des Biozentrums Würzburg. Man wisse, dass Melanomzellen unter der Therapie mit Vemurafenib ganz spezielle Botenstoffe vermehrt freisetzten, die die Zellen der Tumorumgebung dazu veranlassten, aktiv eine Resistenzentwicklung zu unterstützen, so die Forscherin. Der Tumor könne in der Folge ungebremst weiterwachsen. Wie es die Melanomzellen allerdings schaffen, die Nachbarzellen für ihre Zwecke zu missbrauchen, sei bisher nur unzureichend verstanden.

Im Rahmen des geförderten Projekts wollen die Würzburger Wissenschaftler in einem ersten Schritt die Botenstoffe charakterisieren, die von Melanomzellen unter der Vemurafenib-Behandlung freigesetzt werden. Anschließend wollen sie untersuchen, welchen Effekt diese Botenstoffe auf die Zellen der Tumorumgebung haben. Mit dem Wissen über die Kommunikation von Melanomzelle und Tumorumgebung wollen die Forscher schließlich herausfinden, ob und auf welche Weise eine Vemurafenib-Behandlung das Tumormilieu stimulieren und damit zu einer Resistenzentstehung beitragen kann.

 

Schwarzer Hautkrebs ist hoch aggressiv

Das Forschungsprojekt wird von der Hiege-Stiftung mit 40.000 Euro unterstützt. Die beiden Stiftungsgründer haben selbst eine Tochter verloren, die mit 32 Jahren an Hautkrebs starb. In Deutschland erkranken jedes Jahr rund 24.000 Menschen neu an schwarzen Hautkrebs (malignes Melanom). Da der Tumor hoch aggressiv ist und sehr und bereits sehr früh Metastasen bildet, sind die Heilungserfolge beim schwarzen Hautkrebs sehr gering.

Foto: © von Lieres - Fotolia.com

Hauptkategorien: Gesundheitspolitik , Medizin
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