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20.07.2017

Hausärzte können ihr Wissen zu Antibiotika online auffrischen

Hausärzte stellen die meisten Antibiotikarezepte aus. In einem online-Kurs der Charité können sie nun ihr Wissen auffrischen und alles über einen rationalen Antibiotikaeinsatz lernen. CME-Punkte von der Ärztekammer gibt es auch.
Hausärzte stellen noch zu häufig Antibiotikarezepte aus. Ein Online-Kurs der Charité bringt sie auf den neuesten Stand des Wissens

Hausärzte stellen noch zu häufig Antibiotikarezepte aus. Ein Online-Kurs der Charité bringt sie auf den neuesten Stand des Wissens

Die alarmierende Zunahme multiresistenter Erreger erfordert ein Umdenken von Ärzten und Patienten. Um die Resistenzentwicklung zu bremsen, ist eine bedachte Anwendung wichtiger denn je. Hausärzten kommt dabei eine Schlüsselrolle zu, da sie die meisten Antibiotikarezepte ausstellen. Die Charité hat deshalb gemeinsam mit dem Hasso-Plattner-Institut jetzt erstmals einen Online-Kurs zum Thema „Rationale Antibiotikatherapie in der hausärztlichen Versorgung“ gestartet. Am Bildschirm können Ärzte Vorträge und Videos verfolgen, unter anderem zu Themen wie rationale Antibiotikatherapie, Epidemiologie ausgewählter multiresistenter Erreger, akute Atemwegsinfektionen und Gastroenteritis. „Ziel ist es, vorhandenes Wissen aufzufrischen und durch neues Wissen zu ergänzen, sodass die Patienten langfristig davon profitieren“, sagt Prof. Petra Gastmeier, Direktorin des Instituts für Hygiene und Umweltmedizin der Charité.

Weiterbildungskurse von der Ärztekammer

Wer zwei Stunden pro Woche investiert hat den Kurs nach vier Wochen absolviert und erhält von der Ärztekammer Berlin 16 CME-Punkte. Der online-Kurs ist auf der Online-Lernplattform Mooc.house abrufbar, die vom Hasso-Plattner-Institut (HPI) in Potsdam entwickelt und betrieben wird. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) nutzt beispielsweise die Technik des HPI zur Aufklärung und Schulung ihrer Mitarbeiter beim Ausbruch von Seuchen weltweit.

 

Immer noch zu viele Antibiotika auf Verdacht verordnet

Trotz der vielen Aufklärungskampagnen verordnen Ärzte in Deutschland immer noch zu unkritisch Antibiotika. Eine Studie des BKK Landesverbandes Nordwest hatte im vergangenen Jahr gezeigt, dass rund 95 Prozent der ärztlichen Antibiotikaverordnungen ohne diagnostische Absicherung erfolgen. Das heißt, es werden keine Abstriche genommen, die Klarheit bringen, um welche Erreger es sich handelt. Auch die sogenannten Reserveantibiotika, die eigentlich nur gegen multiresistente Keime eingesetzt werden sollen, werden demnach zu 75 Prozent ohne gezielte Diagnostik verordnet. Deutschland ist zwar im internationalen Vergleich noch vorbildlich bei den Antibiotikaverordnungen, aber auch hier ist noch Luft nach oben.

Erst kürzlich hat der Ersatzkassenverband vdek das Projekt „Resist“ gestartet. Hier sollen rund 3.000 Hausärzte, Kinderärzte und Internisten eine spezielle Schulung erhalten, um Antbiotika sinnvoller bei Atemwegsinfekten einzusetzen. 

Foto: pixabay Freie kommerzielle Nutzung

Autor: ham
Hauptkategorien: Berlin , Medizin , Gesundheitspolitik
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