. Digitale Medizin

Hauptstadt-Urologie-Netzwerk will Präzisionsmedizin in die Fläche bringen

Krebspatienten mit einem urologischen Tumor wie Prostatakrebs, Blasenkrebs oder Nierenkrebs aus Berlin und Brandenburg können neuerdings dem Hauptstadt-Urologie-Netzwerk beitreten. Das von der Charité initiierte Vorhaben will ambulant und stationär besser vernetzen und somit die Versorgung der Patienten verbessern.
Präzisere Therapien bei urologischen Tumoren dank digitaler Vernetzung: Das Hauptstadt-Urologie-Netzwerk ist an den Start gegangen

Präzisere Therapien bei urologischen Tumoren dank digitaler Vernetzung: Das Hauptstadt-Urologie-Netzwerk ist an den Start gegangen

Fragt man Krebspatienten nach ihren Erfahrungen mit dem Gesundheitssystem, fühlen sich viele nach der Entlassung aus der Klinik allein gelassen. Um ambulant und stationär besser zu vernetzen, hat die Charité nun das Hauptstadt-Urologie-Netzwerk gegründet.

Das Projekt verbindet die niedergelassenen Urologen aus der Region mit dem urologischen Tumorzentrum der Charité. Unabhängig davon, wo die Patienten in Behandlung sind, erhalten sie von ihrem Arzt im Netzwerk Empfehlungen für neueste Therapiemöglichkeiten.

„Die Medizin soll zu den Menschen kommen und nicht umgekehrt. Mit dem Projekt verfolgen wir das Ziel, Präzisionsmedizin auch in der Fläche verfügbar zu machen“, sagt Prof. Thorsten Schlomm, Direktor der Klinik für Urologie der Charité. Das heißt: Alle eingeschlossenen Patienten profitieren von hochspezialisierten Therapien, die sonst nur an der Charité verfügbar sind.

Das Pilotprojekt ist augenblicklich für Patienten mit urologischen Tumoren wie Prostatakrebs, Blasenkrebs oder Nierenkrebs gedacht. Es könnte aber Schule machen, denn eine Ausweitung des Modells auch auf andere Tumorerkrankungen, wie beispielsweise gynäkologische, geplant.

So funktioniert die Plattform

Die beteiligten Ärzte laden ihre Patienten ein, am Netzwerk teilzunehmen und händigen ihnen einen Teilnahme-Code aus. Damit kennt nur der behandelnde Arzt die Identität. Mit diesem Code können die Patienten ihre eigenen Daten in das System eintragen und jederzeit aktualisieren. Die Daten werden kontinuierlich von einem Team des urologischen Tumorzentrums der Charité sowie durch Einsatz künstlicher Intelligenz analysiert und mit neuesten Therapiemöglichkeiten abgeglichen. Nur mit dem Einverständnis des Patienten werden die Daten zu Symptomen und Lebensqualität systematisch erhoben. Außerdem bekommt jeder Patient alle für ihn relevanten Informationen zu seiner Erkrankung. Rüdiger Bolze, Leiter des Regionalverbands Neue Bundesländer Prostatakrebs-Selbsthilfe begrüßt das Vorhaben. „Die regelmäßige Kontrolle durch Expertinnen und Experten ermöglicht das frühzeitige Erkennen und rechtzeitige Behandeln von lebensbedrohlichen Komplikationen." Hier stehe die Patientenperspektive im Mittelpunkt.

 

Gelebtes Beispiel für Digitale Medizin

„Das Hauptstadt-Urologie-Projekt ist ein erfolgreiches Beispiel für digitale Medizin“, sagt Prof. Dr. Ulrich Frei, Vorstand Krankenversorgung der Charité. „Das Netzwerk ermöglicht es uns als Universitätsmedizin, in einen engen Austausch mit den ambulanten Versorgern zu treten und neueste Forschungsansätze schnellstmöglich zum Patienten zu bringen. Damit können wir zu einer dauerhaften Verbesserung der Qualität der Patientenversorgung beitragen.“

Auf große Resonanz stößt das Netzwerk auch bei der Deutschen Gesellschaft für Urologie. „Wir begrüßen diese Initiative, die im Zeitalter der Digitalisierung in der Medizin fast schon als ein obligater Schritt in der Optimierung unserer Behandlungsoptionen darstellt“, sagte deren Präsident Prof. Jens Rassweiler. Darüber hinaus trage es auch ein Stück zur Überwindung der Sektorengrenzen bei.

Das Projekt wird von den Berufsverbänden der Ärzte, der AOK Nordost, der BARMER, der Deutschen Gesellschaft für Urologie und der IKK Brandenburg und Berlin unterstützt. Und das Bundesministerium für Gesundheit sieht in dem Netzwerk „einen spannender Ansatz, den wir aufmerksam verfolgen.“

Foto: © Adobe Stock/Halfpoint

Autor: ham
Hauptkategorien: Berlin , Medizin , Gesundheitspolitik
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