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Harnstein-Erkrankungen nehmen zu

Freitag, 9. März 2018 – Autor:
Harnstein-Erkrankungen nehmen zu. Eine Ursache seien veränderte Ernährungsgewohnheiten, meinen Mediziner des Universitätsklinikums Leipzig.
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Durch Nierensteine in Harngang hervorgerufene Koliken können sehr schmerzhaft sein – Foto: ©Syda Productions - stock.adobe.com

Harnstein-Erkrankungen nehmen zu. Sie könnten bereits als Volkskrankheit mit steigender Häufigkeit bezeichnet werden, sagt  Phuc Ho Thi, Facharzt für Urologie am Universitätsklinikum Leipzig. Eine Ursache seien veränderte Ernährungsgewohnheiten.

Harnsteine sind kristalline Ablagerungen, die in den Nieren gebildet werden. Den höchsten Anteil mit 70 Prozent  machen dabei die Kalziumoxalatsteine auf, daneben gibt es auch häufig Harnsäuresteine. Je nachdem, wo sie lokalisiert werden, spricht man von Nieren-, Harnleiter- oder Blasensteinen. Sie entstehen wenn besonders im Sommer oder bei körperlicher Anstrengung über längere Zeit zu wenig getrunken wird. Auch falsche Ernährung, Übergewicht oder Stoffwechselstörungen können die Steinbildung begünstigen, ebenso anatomische Besonderheiten der Harnwege, die ein Abfließen verhindern. Das sind zum Beispiel Verengungen des Nierenbeckenabgangs oder der Harnleiter.

Harnstein-Erkrankungen nehmen zu

In Deutschland und den westlichen Industrieländern erkrankt fast jeder Zehnte einmal im Lauf seines Lebens daran, sowohl ältere als auch jüngere Menschen. Männer sind zwei bis vier Mal häufiger betroffen als Frauen. Die Neuerkrankungsrate in Deutschland beträgt fast 1,5 Prozent. Das heißt, 15 von 1000 Menschen bekommen jährlich erstmals einen Nierenstein. Insgesamt nehmen  die Harnsteinerkrankungen zu.

Bei Nierensteinen spüren Betroffene meist gar nichts oder maximal ein leichtes Ziehen in der Flankengegend. Anders sieht es aus, wenn der Stein in den Harnleiter gerät. „Hier sprechen wir dann von den so genannten Koliken, das sind intervallartige plötzliche Schmerzen in der Nierengegend, an der Leiste oder im Unterbauch“, erläutert UKL-Urologe Ho. Zusätzlich entsteht starker Harndrang, dabei kann der Urin durch Blut rot verfärbt sein. 

 

Steine im Körper zerkleinern und beseitgen

Eine Methode zur Lokalisation von möglichen Steinen ist die Ultraschalluntersuchung, alternativ kommt auch eine Computertomographie ohne Kontrastmittel in Frage. "80 Prozent aller Nieren- und Harnleitersteine verlassen den Körper auf natürlichem Weg", sagt Ho, "das kann durch Medikamente noch beschleunigt werden."

Die Steine können aber auch ohne große Eingriffe beseitigt werden. Bei der Extrakorporalen Stoßwellenlithotripsie (ESWL) zerkleinern außerhalb des Körpers erzeugte Stoßwellen den Stein in kleine Fragmente, die den Körper selbst verlassen können.

Endoskop folgt allen Biegungen des Harnleiters

Bei der Ureterorenoskopie wird mittels eines Endoskops, welches eine Präzisionsoptik besitzt und allen Biegungen des Harnleiters folgen kann, der komplette Harntrakt von innen begutachtet. Steine in Harnleiter und Niere werden damit aufgesucht und entfernt, je nach Größe entweder mit einer Zange oder nach vorheriger Zerkleinerung durch einen Laser. "Es ist ein risikoarmes Verfahren", hebt Ho hervor. "Es entstehen keine sichtbaren Narben oder Verletzungen. Meist reicht eine einstündige Behandlung aus." Nach zwei Tagen auf Station können Patienten in der Regel wieder entlassen werden.

Bei großen Steinen Nierenpunktion möglich

Für größere Nierensteine kommt ein weiterer minimal-invasiver Eingriff in Frage: die perkutane Nephrolithotripsie (PCNL, Mini-PCNL). "Darunter verstehen wir die endoskopische Entfernung des Steins durch eine Ultraschall-/ Röntgengesteuerte Punktion der betroffenen Niere von außen über die Haut im Bereich des Rückens", beschreibt es der UKL-Experte.

Nach der Punktion mit einer Nadel wird der Punktionskanal so erweitert, dass Instrumente mit dem Durchmesser eines Bleistifts in die Niere eingeführt werden können. Mittels Ultraschall oder Laser werden die Nierensteine zerkleinert und gleichzeitig entfernt, sagt Facharzt Ho. Zwei bis drei Tage blieben die Patienten anschließend auf Station, da sie kurzzeitig einen Katheter zur Harnableitung erhalten.

Foto: Syda Productions/fotolia.com

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