. Inkontinenz

Harninkontinenz: Auch ältere Patientinnen profitieren von OP

Ursache einer Harninkontinenz bei Frauen ist oft eine Beckenbodensenkung und/oder ein geschwächter Schließmuskel. Beides lässt sich mit einer OP gut beheben. Gerade auch ältere Patientinnen profitieren von dem Eingriff.
inkontinenz, harninkontinenz, inkontinenzwindelnsenen

Auch bei älteren Frauen kann eine OP, die die Harninkontinenz beseitigt, erfolgreich sein

Ursache einer Harninkontinenz bei Frauen ist oft eine Beckenbodensenkung und/oder ein geschwächter Schließmuskel. Obwohl sich beides operativ gut beheben lässt, wird älteren Patientinnen oft von dem Eingriff abgeraten. Zu Unrecht, zeigt eine in der Fachzeitschrift Geburtshilfe und Frauenheilkunde veröffentlichte Studie. Denn gerade auch über 70-Jährige profitieren von der OP.

Eine von acht Frauen erleidet im Verlauf ihres Lebens eine behandlungsbedürftige Senkung am Beckenboden (Deszensus genitalis), auch Gebärmutter- oder Scheidenvorfall genannt. Jede siebte Frau entwickelt eine therapiebedürftige Blasenschwäche in Form einer Belastungsinkontinenz. Letzteres bezeichnet den Urinverlust bei Druckerhöhung im Bauchraum, etwa beim Husten oder Heben schwerer Lasten. Der Schließmuskelapparat der Betroffenen ist geschwächt.

Inkontinenz ist häufig Ursache für Einweisung ins Altenheim

Beide Krankheitsbilder können unabhängig voneinander auftreten. Eine Senkung kann eine Harninkontinenz jedoch begünstigen oder verstärken. Das Risiko für eine Belastungsinkontinenz und/oder eine Beckenbodensenkung nimmt mit dem Alter zu, weil die Stabilität der Beckenbodenmuskulatur nachlässt.

"In Deutschland stellt die Harninkontinenz nach der Immobilität die zweitwichtigste Ursache für eine häusliche Krankenpflege dar. Bis zu 50 Prozent der Einweisungen in Altenheime sind direkt oder indirekt durch Inkontinenz verursacht", berichtet der Gynäkologe Dr. Ralf Joukhadar vom Universitätsklinikum Würzburg. Das mindert die Lebensqualität der Betroffenen erheblich und kann weitreichende Folgen haben.

 

Frauen über 70 wurden bislang seltener operiert

Mittlerweile gibt es verschiedene operative Verfahren, die bei einem Deszensus oder einer Belastungsinkontinenz durchgeführt werden können. Ältere Frauen wurden aber bisher weniger oft operiert als jüngere, so Joukhadar. Um eine mögliche Korrelation von Patientenalter und OP-Erfolg aufzuzeigen, wertete der Gynäkologe Krankenakten der Universität Homburg/Saar aus, wo er bis 2015 als Leiter der Urogynäkologie tätig war.

An der Klinik unterzogen sich zwischen Juli 2012 und Ende Dezember 2014 insgesamt 407 Frauen einer Operation. 129 von ihnen waren über 70 Jahre alt. Während sich die unter 70-jährigen Patientinnen häufiger mit einer Belastungsinkontinenz vorstellten, lag bei den älteren mehrheitlich eine Senkung der Genitalorgane oder des Beckenbodens vor.

Vaginalband stabilisiert Harnröhe

Bei einer Blasenschwäche legten die behandelnden Ärzte unabhängig vom Patientenalter meistens ein Vaginalband zur Stabilisierung der Harnröhre ein. Die Erfolgsquote lag bei älteren Frauen bei rund 84 Prozent und bei jüngeren Frauen bei fast 93 Prozent.

Im Falle eines Deszensus unterschieden sich die OP-Verfahren in den beiden Altersgruppen. Bei Frauen unter 70 Jahren entschieden sich die Ärzte eher für eine laparoskopische Sakropexie: Unter Vollnarkose verbinden die Chirurgen mittels Bauchspieglung den sich senkenden Anteil (Gebärmutter, Scheide, Blase) unter Anwendung eines Netzstreifens (Gewebsersatz) mit dem Kreuzbein.

Bei älteren Frauen wurde die Korrektur häufiger vaginal durchgeführt. In manchen Fällen legten die Ärzte ein Netz im Bereich der Scheide ein. Dieser Eingriff ist durch örtliche Betäubung der Rückenmarksnerven möglich und kann somit älteren Patientinnen die Vollnarkose ersparen.

Harninkontinenz: Auch ältere Patientinnen profitieren von OP

Das Gelingen der Operation wurde durch einen Funktionstest am Entlassungstag sowie drei bis sechs Monate danach beurteilt: Die Erfolgsquote der Deszensus-Operation bei Frauen über 70 Jahren betrug danach rund 84 Prozent. Unter den jüngeren waren die Eingriffe bei gut 93 Prozent der Frauen erfolgreich.

Angesichts der positiven Ergebnisse plädiert Dr. Joukhadar dafür, weniger zurückhaltend zu sein als bisher, wenn es darum geht, bei Harninkontinenz eine Operation bei älteren Patientinnen durchzuführen. Sofern es der Allgemeinzustand erlaubt, sollten diese nicht allein aufgrund eines höheren Alters ausgeschlossen werden. Sie profitierten ebenso wie jüngere von den beschriebenen Eingriffen.

Foto: rarrarorro/fotolia.com

Autor: bab
 

Weitere Nachrichten zum Thema Inkontinenz

| „Leben statt müssen“ – Das ist das Motto der World Continence Week, die auf das Thema Inkontinenz und seine vielfältigen Behandlungsmöglichkeiten aufmerksam machen will. Das Wichtigste ist, über das Problem zu sprechen, denn nur so kann den Betroffenen geholfen werden.
 
 

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

 
. Weitere Nachrichten
Nach neuesten Schätzungen der UN wird die Bevölkerung bis zum Jahr 2100 von heute 7,7 Milliarden Menschen auf 10,9 Milliarden anwachsen. Das ist zwar etwas weniger als bislang angenommen. Doch für den Erdball ist das Bevölkerungswachstum eine Katastrophe.
Durchfall gilt als häufigste Reisekrankheit überhaupt. Mehr als ein Drittel der Fernreisenden ist davon betroffen. Weil die Erreger meist über Essen und Trinken in den Organismus gelangen, kann man durch ein paar Vorsichtsmaßnahmen das Erkrankungsrisiko senken. Hat es einen erwischt, muss man aber gut für sich sorgen.
Ein neues Erste-Hilfe-System soll Laien die Versorgung Schwerverletzter erleichtern: die sogenannte Trauma-Box. Nun wird die erste Box dieser Art für den öffentlichen Raum in Berlin angebracht.
. Fortbildungen Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender

Friedrich von Bodelschwingh-Klinik Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Landhausstraße 33 – 35, 10717 Berlin Mehrzweckraum, EG
 
. Termine Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender
 
. Interviews
Das massenhafte Auftreten des Eichenprozessionsspinners hat in diesem Jahr bei besonders vielen Menschen zu allergischen Reaktionen der Haut führt. Die giftigen Brennhaare der Raupen können aber auch sprichwörtlich ins Auge gehen. Am Universitätsklinikum Münster mussten diese Woche sechs Menschen am Auge operiert werden. Dr. Lamis Baydoun, Oberärztin der UKM-Augenklinik, berichtet, was vorgefallen ist.
Mit der Digitalisierung des Gesundheitswesens sind viele Chancen verbunden. Bei manchen Bürgern löst das Thema aber auch Ängste und Sorgen aus. Gesundheitsstadt Berlin hat mit Prof. Dr. Erwin Böttinger, einem der weltweit führenden Forscher im Bereich Digital Health, über die elektronische Patientenakte und andere digitale Lösungen gesprochen.