. DNA-Analysen

Hamburger Forscher helfen Vietnamkriegsopfer zu identifizieren

„Project 150“ ist das größte Identifizierungsprojekt aller Zeiten: DNA-Analysen sollen Opfer des Vietnamkrieges aus Massengräbern identifizieren, damit diese ihren Familien übergeben werden können. Hamburg spielt dabei eine Schlüsselrolle.
Hamburger Forscher helfen Vietnamkriegsopfer zu identifizieren

Hilfe für die Familien aus Vietnam: „Project 150“ ist das größte Identifizierungsprojekt aller Zeiten.

Die vietnamesische Regierung hat eine ungewöhnliche Entscheidung getroffen. Im größten Identifizierungsprojekt aller Zeiten will sie die Opfer des Vietnamkrieges aus Massengräbern bergen, genetisch bestimmen lassen und ihren Familien übergeben. Das Vorhaben nennt sich „Project 150“ und wird mit dem genetischen Labor Bioglobe aus Hamburg durchgeführt. Dessen Gründer Wolfgang Höppner hat bereits 2015 einen Vertrag mit der vietnamesischen Regierung unterzeichnet. Gegenstand ist der Wissens- und Technologietransfer für die Umsetzung des Projekts. Die DNA-Proben sollen in der vietnamesischen Hauptstadt Hanoi durchgeführt werden. Dafür liefern die Hamburger deutsche Technologie nach Vietnam. Zuvor werden vietnamesische Wissenschaftler in Hamburg bei Bioglobegeschult. Laut Höppner hat das Training am 29. Februar begonnen. „Das hochsensible Vorhaben stellt für alle Beteiligten eine spannende Herausforderung dar", sagt er. Die wissenschaftlichen, technologischen, aber auch kulturellen und sozialen Implikationen des Vorhabens seien immens.

Hamburger Konsortium schult vietnamesische Wissenschaftler

Die International Commission on Missing Persons (ICMP), eine weltweit tätige Organisation, die das Schicksal Vermisster nach Naturkatastrophen oder Kriegen aufklärt, unterstützt Bioglobe und übernimmt einen Teil des Trainings. Außerdem sind an der Umsetzung von „Project 150“ das Institut für Rechtsmedizin der Universität Hamburg sowie mehreren Industriepartner beteiligt. Das Biotechnologie-Unternehmen QIAGEN sowie die Hamburger Eppendorf AG liefern etwa Technologie zur Analyse von Erbinformationen aus den Knochen der Kriegsopfer. „Für die Identifizierung des genetischen Materials ist komplexes forensisches Wissen sowie umfangreiche Erfahrung notwendig“, verdeutlicht Höppner. Daher sei auch das Konsortium entsprechend breit aufgestellt.

Letzte Ruhe für Vietnamkriegsopfer

Katharina Fegebank, zweite Bürgermeisterin der Freien und Hansestadt Hamburg, freit sich über das spektakuläre Projekt. "Die Vergabe eines Projekts in dieser Größenordnung unterstreicht die Bedeutung Hamburgs als Life Science Standort", meint Fegebank. „Vietnamesische Familien können nun ihre Angehörigen bestatten und Kriegsopfer finden eine würdige letzte Ruhe."

Foto: © DragonImages - Fotolia.com

Hauptkategorien: Gesundheitspolitik , Medizin

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