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Händewaschen verringert Infektionsrisisko

Montag, 16. Oktober 2017 – Autor:
Händehygiene ist die einfachste und effektivste Maßnahme um die Übertragung von Keimen und Krankenhaus-Infektionen zu verhindern. Das meldet die Medizinische Universität Wien. Am 15. Oktober war Tag des Händewaschens.
Händesdesinfektion

Händewaschen ist eine einfache wie effektive Maßnahme gegen Krankenhauskeime – Foto: ©Robert Przybysz - stock.adobe.com

Das Händewaschen mit einer Hände-Desinfektion vor und nach einem Patienten-Kontakt, egal ob von behandelnden Ärzte oder vom Besuch, verringert das Infektion-Risiko in Gesundheitseinrichtungen um 30 Prozent. Das erklärt Elisabeth Presterl, Leiterin der Universitätsklinik für Krankenhaushygiene und Infektionskontrolle von MedUni Wien und AKH Wien.

So veranstaltete die Klinik Aktionstage für stationär aufgenommene Kinder und deren Eltern. Dabei lernen Kids wie Erwachsene, wie man sich richtig die Hände wäscht und desinfiziert, und wie man das Ganze unter UV-Licht überprüfen kann. Außerdem planen MedUni und AKH Wien regelmäßige Händehygiene-Aktionen für Schulklassen.

Händehygiene senkt Infektionsrisiko um 30 Prozent

„Händehygiene ist in einem Krankenhaus von besonderer Bedeutung. Auch für die Besucher“, so Presterl. „Ebenso wichtig ist, dass niemand zu Besuch kommt, der selbst krank ist. Die Infektionsgefahr ist zu hoch“, so die Expertin in einer Pressemitteilung. „Händehygiene ist simpel, effektiv und dauert weniger als 30 Sekunden, kann aber Leben retten“, betont Presterl.

„Durch die steigende Zahl von multiresistenten Krankheitserregern muss immer wieder an die Wichtigkeit der Prävention einer Übertragung von Infektionen und deren Erregern erinnert werden.“ Studien zeigten, dass schon bei einem Anstieg der Händedesinfektionsrate von 48 Prozent auf 66 Prozent eine Reduktion der Infektionen von 17 auf 10 Prozent folgt.

 

Die fünf Regeln zur Händehygiene

Im AKH Wien beziehungsweise an der MedUni Wien wird die Umsetzung der Händehygiene seit einigen Jahren mit der „Reine-Hände-retten-Leben“-Kampagne begleitet. Die Händehygiene-Compliance konnte damit um mehr als zehn Prozent gesteigert werden. Dabei werden die fünf Regeln der Händehygiene in Erinnerung gerufen. Die Händesdesinfektion ist nötig 1) vor Patientenkontakt 2) vor einer aseptischen Tätigkeit 3) nach Kontakt mit potenziell  infektiösem Material 4) nach Patientenkontakt und 5) nach Kontakt mit der unmittelbaren Umgebung der Patienten.

Österreich ist eines der wenigen europäischen Länder, das die Krankenhaushygiene im Bundesgesetz über Krankenanstalten und Kuranstalten festgeschrieben hat. Bei der Compliance zur Händehygiene liegen die österreichischen Krankenhäuser europaweit im Mittelfeld. „Mit unseren Aktionen wollen wir  noch mehr Bewusstsein dafür schaffen“, sagt Presterl.  „Wir haben generell verlernt, in unseren und Abläufen hygienisch zu denken.“

Im Alltag übertriebene Hygiene unsinnig

Im Alltag hingegen hält Presterl nichts von übertriebener Hygiene. „Kinder sollen ruhig Kind sein und auch mal dreckig sein. Aber beim nach Hause kommen und nach dem WC ist Händewaschen sehr wichtig.“ Eine Studie hat gezeigt, dass kaltes Wasser und Seife mögliche Keime dabei ebenso gut entfernt wie warmes Wasser und Seife. Auch der Gebrauch von speziellen Desinfektionslösungen ist im Privat-Haushalt überflüssig.

Die Ansteckungsgefahr auf öffentlichen Toiletten lässt sich vor allem durch gründliches Händewaschen nach dem Toilettengang vermindern. Denn die meisten Keime finden sich nicht auf der vergleichsweise sauberen Toilettenbrille, sondern an den Türklinken und auf dem Boden vor dem WC-Becken. Daher sollten dort auch möglichst keine Handtaschen abgestellt werden.

Foto: Robert Przybysz/fotolia.com

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