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24.06.2020

Hände waschen oder desinifizieren?

Häufiges Händewaschen strapaziert die Haut. Deshalb sollten die Hände möglichst oft eingecremt werden. Eine Händedesinfektion soll insgesamt schonender sein und außerdem Keime noch besser abtöten, sagen Experten.
Hände desinfizieren statt waschen: schonender für die Haut, besserer Schutz vor Krankheitserregern

Hände desinfizieren statt waschen: schonender für die Haut, besserer Schutz vor Krankheitserregern

Mindestens 20 Sekunden lang die Hände gründlich mit Seife waschen – und das möglichst oft. Diese Empfehlung kennt inzwischen jeder, um sich vor einer Schmierinfektion mit dem Coronavirus zu schützen. Wer das beherzigt, hat sicher auch die Erfahrung mit rissigen, ausgetrockneten Händen gemacht. Dieser unangenehmen Begleiterscheinung des Händewaschens lässt sich durch Eincremen der Hände entgegenwirken. Prinzipiell sind fettbasierte Produkte wie Salben, Repair- oder Fettcremes besser rückfettend wirksam als wasserbasierte. Cremes, Lotionen oder Hautmilch sind dagegen deutlich einfacher in den Alltag zu integrieren, weil sie – anders als fettere Substanzen – schneller einziehen und keinen Ölfilm hinterlassen.

Handcremes mit Urea verwenden

„Bevor die Hautpflege aufgrund der Praktikabilität komplett unterbleibt, sollten Sie als Kompromiss lieber ein weniger fettes Produkt verwenden als gar keins“, rät Hautarzt Dr. Andreas Maronna vom Universitätsklinikum Erlangen. „Achten Sie bei der Wahl der Creme auf den Inhaltsstoff Urea, er gibt der Haut zusätzlich Feuchtigkeit zurück.“

Bei bestimmten pflanzlichen Substanzen wie der Ringelblume – Calendula sei jedoch wegen kontaktallergischer Reaktionen Vorsicht geboten. Sollten Rötung, Schuppung oder Hauteinrisse an den Händen trotz guter Pflege nicht innerhalb von ein bis zwei Wochen vergehen, sollte ein Hautarzt zu Rate gezogen werden.

 

Händedesinfektion ist schonender

Noch sinnvoller als häufiges Händewaschen ist dem Experten zufolge die Händedesinfektion – sowohl im Hinblick auf den Hautschutz als auch auf das Abtöten von Keimen. Zum Vergleich: Eine 30-sekündige, korrekt durchgeführte Händedesinfektion mit einer ausreichenden Menge der Lösung verringert die Anzahl der potenziell infektiösen Keime, abhängig von ihrer Art, etwa 100- bis 1.000-fach so gut wie ein 30-sekündiger Waschvorgang mit Seife.

„Durch Händewaschen mit Seife werden die hauteigenen Fette ab- und ausgewaschen. Dadurch nimmt die Hautbarriere auf Dauer Schaden und die Haut reagiert teilweise mit Entzündungen, um potenzielle Eindringlinge wie Bakterien, Pilze oder Viren abzuwehren“, erklärt der Dermatologe. „Der in Desinfektionsmitteln enthaltene Alkohol löst zwar ebenfalls die Fette aus der Haut, diese werden jedoch nicht wie beim Händewaschen mit Seife weggespült, sondern beim Einmassieren des Desinfektionsmittels in die Haut ebenfalls wieder ‚zurückmassiert‘. Außerdem enthalten Händedesinfektionsmittel mitunter pflegende und rückfettende Substanzen.“ Diese Bestandteile unterstützen die Haut dabei, ihre natürliche Barriere zu bewahren und wiederaufzubauen, damit das Organ seine Schutzfunktion weiterhin erfüllen kann.

Handschuhe sind keine Lösung

Der Hautarzt rät jedoch dringend davon ab, Flächendesinfektionsmittel anstatt spezieller Händedesinfektionsprodukte zu verwenden. Ebenso wenig sinnvoll ist das ständige Tragen von Gummi- oder Latexhandschuhen. Denn unter den Handschuhen staut sich der Schweiß der Hände staut und somit entsteht eine Art feuchte Kammer entsteht. Diese wirkt ebenfalls irritierend auf die Haut und begünstigt Handekzeme.

Foto: © Adobe Stock/ok-foto

Autor: ham
Hauptkategorien: Medizin , Prävention und Reha
 

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