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Hände lieber mal desinfizieren als zu oft waschen

Was für Klinikmitarbeiter zwingend zum Beruf gehört, um Todesfälle zu verhindern, hat sich im Zuge der Covid-19-Pandemie auch in der Bevölkerung wieder stärker im Bewusstsein verankert: das Händewaschen. Auch gut gemeintes häufiges Händewaschen kann aber die Schutzbarriere Haut angreifen und damit das Eindringen von Keimen ungewollt fördern. Experten raten deshalb: Lieber öfter mal desinfizieren statt einseifen.
Frau trägt transparentes Desinfektionsgel aus einem Fläschen auf ihre Hand auf.

Desinfektionsmittel satt auftragen, aktiv auf der Handaußen- und -innenseite und zwischen den Fingern einmassieren – und mindestens 30 Sekunden einwirken lassen. Das ist so sicher wie Hände waschen, greift aber die Haut weniger an.

„Händewaschen ist die einfachste Hygienemaßnahme der Welt“, heißt es bei der Deutschen Gesellschaft für Infektiologie (DGI). Und sie ist zugleich eine der wichtigsten. Schwestern, Pfleger, Ärztinnen und Ärzte wissen das, denn vor allem in Kliniken sind die Hände ein gefährlicher Übertragungsweg. Von den 10.000 bis 15.000 Todesfällen durch Krankenhausinfektionen, könnten ein Drittel durch konsequente Hygiene vermieden werden, sagt Petra Gastmeier, Professorin für Hygiene an der Berliner Charité.

Coronavirus: Auf Oberflächen noch eine Weile infektiös

Als Teil der Hygienemaßnahmen im Zuge der Covid-19-Pandemie hat sich auch in der Bevölkerung das Bewusstsein für Händehygiene wieder geschärft. „Eine gute Händehygiene wird zum Schutz vor Coronaviren dringend empfohlen“, heißt es in einer Gesundheitsinformation der Krankenkasse „Barmer“. Auch wenn das Virus Sars-CoV-2 vor allem über Aerosole in der Luft und die Atemwege übertragen wird, warnt das Robert-Koch-Institut: „Eine Übertragung durch kontaminierte Oberflächen ist insbesondere in der unmittelbaren Umgebung der infektiösen Person nicht auszuschließen, da vermehrungsfähige SARS-CoV-2-Viren unter Laborbedingungen auf Flächen einige Zeit infektiös bleiben können.“

 

Keime lauern auf Oberflächen – sind aber leider unsichtbar

Weil Hände unser Handwerkszeug sind und wir täglich tausende verschiedener Oberflächen berühren, die zuvor auch von Corona-Infizierte berührt worden sein können, und weil Keime leider völlig unsichtbar sind, ist Händehygiene eine wichtige Säule des Covid-19-Infektionsschutzes. Durch die Kontaktfreudigkeit der Hände mit Türklinken und Wasserhähnen, Aktivierungsknöpfen in Aufzügen und an Zugtüren, können wir Krankheitskeime einsammeln und verbreiten. Gleichzeitig ist aber Vorsicht geboten, denn: Die Haut an den Händen ist zwar der beste „Gummi-Schutzhandschuh“ gegen Infektionen, den man sich vorstellen kann. Nur: Ständiges Händewaschen mit Seife kann ihn trocken, spröde und durchlässig machen und die Entstehung von Hand-Ekzemen begünstigen.

Seife löst Fette und zerstört die natürliche Schutzschicht

„Häufiges Händewaschen mit Seife löst die Fette aus der Haut und zerstört die natürliche Schutzschicht“, sagt Utta Petzold, Dermatologin bei der Barmer. „Die Haut trocknet aus, wird rot, bekommt Risse und juckt. All das sind typische Symptome eines Handekzems durch zu viel Händewaschen.“ Der Rat der Hautärztin: Nach jedem Händewaschen sollte man sich deshalb die Hände gut eincremen, damit sie nicht zu sehr austrocknen. Dabei sollte man besser Handcremes aus der Tube anstatt einer Dose nehmen. Dies sei hygienischer, da die Kontaktfläche beim Entnehmen der Creme und damit die Gefahr einer Kontamination geringer sei. „Besser als häufiges Händewaschen ist gerade in Coronazeiten die Händedesinfektion mit einem viruswirksamen, alkoholischen Händedesinfektionsmittel“, sagt die Ärztin.

„Desinfektionsmittel 30 Sekunden einwirken lassen“

Ein Händedesinfektionsmittel bietet sich insbesondere auch für unterwegs oder beispielsweise nach dem Einkaufen im Supermarkt an. Hierfür kann man ein Fläschchen in der Handtasche oder im Handschuhfach seines Autos deponieren, um es jederzeit griffbereit zu haben. Barmer-Dermatologin Petzold empfiehlt: „Das Mittel sollte so reichlich aufgetragen werden, dass die Hände und Fingernägel komplett nass sind. Dann mindestens 30 Sekunden einwirken und trocken lassen.“ Die Spaßvögel unter den Hygienikern empfehlen als Zeitgeber für den Alltag: zweimal innerlich oder hörbar das Lied „Happy Birthday“ singen. Gegen Viren inklusive Corona seien sogenannte begrenzt oder einfach viruzide Desinfektionsmittel dem Waschen mit Seife überlegen. Deswegen würden sie auch beispielsweise in Krankenhäusern eingesetzt.

Autor: zdr
Hauptkategorie: Corona
 

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