. Behandlung von Blutschwämmchen

Hämangiome: Risikofaktoren für erneutes Wachstum nach Propranololtherapie

Seit einigen Jahren kann das Medikamente Propranolol zur Behandlung von Hämangiomen eingesetzt werden, wenn diese die Gesundheit des Kindes gefährden. Doch häufig treten die Wucherungen nach der Therapie erneut auf. Forscher haben nun Risikofaktoren für ein erneutes Wachstum gefunden.
Hämangiome: Rezidive häufig

Rund zehn Prozent der Säuglinge haben Hämangiome

Hämangiome (Blutschwämmchen) sind Wucherungen von Blutgefäßen, die meist im Neugeborenen- und Säuglingsalter auftreten. Rund zehn Prozent der Säuglinge entwickeln Hämangiome; bei Frühgeborenen sind es sogar etwa 30 Prozent. Seit April 2014 ist das Medikament Propranolol, das eigentlich zur Therapie von Bluthochdruck eingesetzt wird, zur Behandlung von wachsenden Hämangiomen bei Säuglingen ab der fünften Woche zugelassen. Man vermutet, dass Propranolol die Durchblutung eines Hämangioms verringert und dadurch das Wachstum hemmt. Meist zeigt die Therapie schnelle Erfolge, doch häufig treten die Blutschwämmchen danach erneut auf. Forscher um Sonal Shah von der University of California in San Francisco haben nun Risikofaktoren für die Rezidivbildung nach erfolgreicher Therapie identifiziert.

Kürzere Behandlung erhöht Redizivgefahr

Für ihre Studie haben die Wissenschaftler die Daten von 980 Kindern, die wegen eines Hämangioms behandelt worden waren, untersucht. Es zeigte sich, dass bei über 25 Prozent der Patienten die Blutschwämmchen erneut gewachsen waren. Bei 62 Prozent dieser Fälle entstanden größere Neubildungen, bei denen die Behandlung wiederaufgenommen beziehungsweise die Dosis angepasst werden musste; bei 38 Prozent traten nur kleinere Wucherungen auf, die in der Regel lokal therapiert werden konnten.  

Wie sich herausstellte, traten bei Kindern, die nur bis zum neunten Lebensmonat Propranolol erhalten hatten, doppelt so häufig wieder neue Hämangiome auf wie bei denjenigen, die bis zum Alter von 12 bis 15 Monaten therapiert worden waren. Auch ein abruptes Absetzen erhöhte die Gefahr für ein Rezidiv. Weitere Risikofaktoren für ein Wiederauftreten der Blutschwämmchen waren die Lokalisation im Kopf- oder Halsbereich, segmentale Hämangiome sowie tiefe und gemischte Hämangiome.

Gefährdete Kinder länger gegen Hämangiome behandeln

Insgesamt waren Mädchen häufiger von Hämangiomen und auch von Rezidiven betroffen. Die Forscher hoffen, dass über die Identifizierung der Risikofaktoren diejenigen Kinder im Vorfeld herausgefiltert werden können, bei denen zur Vermeidung von Rezidiven eine längere Behandlungsdauer nötig ist.

In den meisten Fällen hört das Wachstum der Hämangiome nach einigen Wochen von alleine auf, und viele Wucherungen bilden sich dann vollständig zurück. Nur selten verursachen Hämangiome Komplikationen wie Geschwüre, Narben oder Blutungen. Dennoch kann es notwendig sein, die gutartigen Tumore zu behandeln, wenn dadurch wichtige Körperfunktionen des Kindes bedroht werden, schmerzende Geschwüre entstehen, bleibende Narben drohen oder das Aussehen des Kindes stark beeinträchtigt werden könnte.

Foto: © Franziska Krause - Fotolia.com

Autor: red
Hauptkategorie: Medizin

Weitere Nachrichten zum Thema Säuglinge

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

. Weitere Nachrichten
Regelmäßiges Blutspenden ist gesund: Es senkte den Blutdruck und beugt Erkrankungen vor. Darauf weisen Experten im Vorfeld der 50. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Transfusionsmedizin 2017 in Köln hin.
Der schwarze Hautkrebs ist die am meisten verbreitete Krebsart bei jungen Erwachsenen. Eine häufige Ursache ist eine übermäßige UV-Bestrahlung in Solarien. Nun soll die „Sunface-App“ vor allem Jugendliche vor der Nutzung von Solarien warnen.
Um die psychologische Versorgung von Krebspatienten in Deutschland zu verbessern, wurde kürzlich das Projekt isPo (Integrierte, sektorenübergreifende Psychoonkologie) gestartet. Damit soll ein Konzept für eine flächendeckende psychoonkologische Versorgung entwickelt werden.
. Veranstaltungen
loading...
Terminkalender
. Kliniken
. Personen Hauptstadtregion
. Interviews
Die Blutvergiftung, fachsprachlich „Sepsis“, ist nach Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs die dritthäufigste Todesursache in Deutschland. Und sie gilt als die am häufigsten vermeidbare. Gesundheitsstadt Berlin hat anlässlich des Welt-Sepsis-Tags am 13. September mit Prof. Konrad Reinhart von der Universität Jena über das Thema gesprochen. Der Vorsitzende der deutschen Sepsis-Stiftung vertritt die These: Die tatsächliche Zahl der Sepsis-Fälle ist doppelt so hoch wie die der registrierten.
Kinder suchtkranker Eltern sind besonderen Belastungen ausgesetzt und haben ein hohes Risiko, später selbst eine Sucht oder andere psychische Erkrankungen zu entwickeln. Gesundheitsstadt Berlin hat mit der Drogenbeauftragten der Bundesregierung Marlene Mortler über die Situation betroffener Kinder und die Notwendigkeit von Unterstützungsangeboten gesprochen.
Die Berichterstattung über Methadon als Krebsmittel weckt große Hoffnungen. Doch wie sieht eigentlich die rechtliche Seite aus, wenn Ärzte ein Medikament außerhalb des Zulassungsbereichs (Off-Label) verschreiben? Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Medizinrechtler Prof. Dr. Christian Dierks gesprochen, welche Risiken Ärzte eingehen und ob Patienten einen Anspruch auf einen individuellen Heilversuch mit Methadon haben.