. Meta-Studie

Gute Prognose? Was Immunzellen über die Heilungschancen bei triple-negativem Brustkrebs verraten

Die Heilungschancen bei Brustkrebs hängen in vielen Fällen von Lymphozyten ab, die den Tumor infiltrieren. Das hat eine Studie des Deutschen Konsortiums für Krebsforschung an der Charité gezeigt. Der Marker ist vor allem für das aggressive triple-negative Mammakarzinom relevant.
Viel hilft viel: Patientinnen mit triple-Negativem Mammakarzinom leben länger, wenn bestimmte Immunzellen in ihren Tumor eingewandert sind

Viel hilft viel: Patientinnen mit triple-Negativem Mammakarzinom leben länger, wenn bestimmte Immunzellen in ihren Tumor eingewandert sind

Krebs ist unter anderem deswegen so tückisch, weil das Immunsystem die Tumorzellen nicht als fremd erkennt und folglich nicht bekämpft. Wenn jedoch Immunzellen in das Tumorgewebe eidringen, ist das erst einmal ein gutes Zeichen, da der Tumor für das Immunsystem sichtbar ist. Aber verbessert es auch die Prognose von Brustkrebspatientinnen?

Dieser Frage sind Wissenschaftler des Deutschen Konsortiums für Translationale Krebsforschung (DKTK) an der Charité in Zusammenarbeit mit der German Breast Group nachgegangen. In der Meta-Studie wurden 3.771 Gewebeproben von Patientinnen aus sechs klinischen Brustkrebsstudien auf sogenannte tumorinfiltrierende Lymphozyten (TIL) hin untersucht. Alle Patientinnen hatten vor der Operation eine Chemotherapie bekommen.

Bedeutung für triple-negative Brusttumore

Tatsächlich fanden die Forscher einen Zusammenhang zwischen dem Immunzellen-Gehalt im Tumorgewebe und dem Therapieansprechen und der Überlebenswahrscheinlichkeit. Ein hoher TIL-Spiegel verbesserte demnach die Prognose bei bestimmten Brustkrebstypen. Eindeutig konnte dies für triple-negative sowie für HER2-positive Mammakarzinome nachgewiesen werden. „In dieser Situation unterstützen sich die Chemotherapie und das Immunsystem gegenseitig, um den Tumor zu bekämpfen“, erklärt Prof. Carsten Denkert vom Institut für Pathologie der Charité und Wissenschaftler am DKTK.

Für hormonrezeptor-positiv/HER2-negative Tumore ergab sich dagegen ein ganz anderes Bild: Tumorinfiltrierende Lymphozyten waren hier nicht mit einem verbesserten Überleben assoziiert, wobei der Lymphozyten-Gehalt ohnehin niedriger war. Die Forscher gehen deshalb bei diesem Brustkrebstyp von einer anderen Immunreaktion aus. „Wir wissen inzwischen auch, dass die Zusammensetzung der eindringenden Immunzellen anders ist“, sagt Tumorpathologe Denkert. So fanden die Forscher in diesen sogenannten luminalen Mammakarzinomen zwei weitere Biomarker: Makrophagen, eine Untergruppe der weißen Blutkörperchen, korrelierten mit schlechteren Überlebenschancen, während ein hoher Anteil antikörperbildender B-Zellen das Überleben verbesserte.

 

TIL soll als Prognosemarker eigenführt werden

Das Fazit der Forscher: Da der TIL-Gehalt bei einigen aggressiven Formen von Brustkrebs einen hohen prognostischen Wert hat, soll er künftig zur Vorhersage genutzt werden, welche Patientinnen von einer Chemotherapie profitieren. Bislang basieren Prognosemarker hauptsächlich auf genetischen Informationen

Parallel wird erforscht, ob sich TIL auch als Prognosemarker für eine Immuntherapie bei Brustkrebs eignet. In der klinischen Studie GeparNuevo bekommen Brustkrebspatientinnen einen der neuen Checkpoint-Inhibitoren, die die Bremsen des Immunsystems lösen sollen. Inwieweit tumorinfiltrierende Lymphozyten dabei eine Rolle spielen, ist noch unklar.

Foto: © jarun011 - Fotolia.com

Autor: ham
Hauptkategorien: Berlin , Medizin
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