. Ausbildungsrichtlinie für Pflegekräfte

Gute Pflege hängt nicht vom Abitur ab

Zehn Jahre Schulausbildung– das ist europaweit der künftige Mindeststandard für Krankenschwestern und Pfleger. Eine entsprechende EU-Richtlinie trat letzte Woche in Kraft.
Zeh Jahre Schule: In Deutschland bleibt für angehende Pflegekräfte alles beim alten

Zeh Jahre Schule: In Deutschland bleibt für angehende Pflegekräfte alles beim alten

Braucht man tatsächlich eine zwölfjährige Schulausbildung, um Krankenschwester oder Pfleger zu werden? Derartige Pläne der EU-Kommission sind nun vom Tisch. Am 9. Oktober hat das Europaparlament in Straßburg die Neufassung der EU-Richtlinie über die Anerkennung von Berufsqualifikationen beschlossen. Die geänderte Richtlinie (RL 2005/36/EG) sieht vor, dass zehn Jahre Schulausbildung ausreichen, um eine Ausbildung zur Krankenschwester oder Pfleger zu beginnen. In der Richtlinie werden zudem Kompetenzen beschrieben, die angehende Pflegkräfte im Rahmen ihrer Ausbildung erwerben müssen. Innerhalb von zwei Jahren müssen sämtliche 28 EU-Mitgliedsländer diese Richtlinie in nationales Recht umsetzen.

Deutschland hatte vehement gegen das „Pflege-Abitur“ protestiert

Ursprünglich hatte die EU-Kommission angestrebt, die Ausbildungsvoraussetzung in der Gesundheits- und Krankenpflege auf zwölf Jahre Schulbildung anzuheben, ein Abitur war allerdings nicht zwingend vorgesehen. Die Kommission begründete das damit, dass die beruflichen Anforderungen gewachsen seien.

Doch insbesondere Deutschland protestierte gegen eine Anhebung der Zulassungsvoraussetzungen. Der scheidende Gesundheitsminister Daniel Bahr hatte in Anbetracht des Pflegefachkräftemangels immer wieder betont, dass gute Pflege kein Abitur brauche. In Deutschland können Schüler seit jeher nach zehn Jahren Schulausbildung einen Pflegeberuf ergreifen, auch Realschüler.

Nach EU-Angaben verlangen heute 25 der 28 EU-Länder zwölf Jahre Schulausbildung für Pflegeberufe. Diese Praxis werden sie nun aufgeben und sich dem europäischen Recht anpassen müssen.

Kritik vom deutschen Pflegerat

Der Deutschen Pflegerat übte indes scharfe Kritik an der neuen EU-Richtlinie und sieht die Rolle der Pflegeausbildung in Deutschland nicht ausreichend gewürdigt. „Der scheidende Gesundheitsminister Daniel Bahr hat mit diesem Ergebnis, erzielt durch politisch ausgeübten Druck auf die EU, der Profession Pflege in Deutschland einen erheblichen Schaden zugefügt“, sagte der Präsident des Deutschen Pflegerates Andreas Westerfellhaus. Die Politik verkenne, welche Herausforderungen an die Bildung und Leistung von Pflegefachpersonen gestellt würden. Der Pflegerat würde wachsam verfolgen, welche Chancen sich aus der Neufassung für die Gesundheits- und Krankenpflege in Deutschland ergeben.

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