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Gut informierte Patienten haben weniger Wundschmerzen

Ein gutes Patientengespräch kann offenbar postoperative Schmerzen lindern. Das konnten Wissenschaftler jetzt in einer Studie zeigen. Je besser die Patienten in die Schmerztherapie einbezogen wurden, desto seltener wünschten sie zusätzliche Schmerzmittel.
Studie: Schmerzen nach einer Operation werden erträglicher, wenn Patienten aktiv in die Schmerztherapie eingebunden werden

Studie: Schmerzen nach einer Operation werden erträglicher, wenn Patienten aktiv in die Schmerztherapie eingebunden werden

Schmerzen nach einer Operation sind ganz normal und erklärbar. Schließlich werden mit jedem Schnitt auch feinste Nerven geschädigt. Doch auch beim Wundschmerz spielen psychologische Komponenten eine Rolle. Werden die Patienten vor der Operation gut aufgeklärt und anschließend in die Schmerztherapie einbezogen, ist das subjektive Schmerzempfinden geringer. Das berichtet ein Forschungsteam aus Jena, Münster und Bern. Die Wissenschaftler hatten Daten von fast 80.000 Patienten ausgewertet, die im QUIPS-Schmerzregister für postoperative Schmerztherapie am Universitätsklinikum Jena erfasst sind. Die Studie ist soeben im Journal "Pain" erschienen.

Patientengespräch hat eine Art Placeboeffekt

„Bei guten Prozessen im Krankenhaus wie regelmäßiger Schmerzmessung oder vordefinierte Therapiekonzepte wird der Wunsch nach mehr Therapie seltener geäußert“, beschreibt Studienautor Dr. Marcus Komann vom Universitätsklinikum Jena ein zentrales Ergebnis der Studie. Den größten schmerzlindernden Effekt hatte aber offenbar die Aufklärung des Patienten über die Schmerztherapie. Konnten die Patienten Einfluss nehmen, verlangten sie seltener nach zusätzlichen Schmerzmitteln als vom Arzt empfohlen. Dieser Effekt ist den Autoren zufolge sogar stärker als der Einfluss der Schmerzmedikation, selbst bei starken Schmerzmitteln. Man könnte also von einem Placeboeffekt sprechen.

 

Patientenbeteiligung ist das beste Schmerzmittel.

„Wir haben einen klaren Trend in der Medizin: Patienten möchten besser informiert und mehr in Entscheidungen eingebunden sein als früher. Wir können nur alle Kollegen dazu ermuntern, die Patienten so weit wie möglich in die Schmerztherapie einzubinden“, sagt Komann

Laut Studie verlangte nur jeder zehnte Patient mehr Schmerzmittel. Komann sieht darin einen Beleg, dass Patienten heute besser informiert und in die Behandlung eingebunden werden. Sein Fazit: Patientenbeteiligung ist das beste Schmerzmittel.

Das QUIPS-Projekt hat die Qualitätsverbesserung in der postoperativen Schmerztherapie zum Ziel. Über 100 Kliniken aus Deutschland und Österreich beteiligen sich an dem Projekt, das am Universitätsklinikum Jena koordiniert wird.

Foto: © Adobe Stock/Monkey Business

Autor: ham
Hauptkategorie: Medizin
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