Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 

Gut informierte Patienten haben weniger Wundschmerzen

Samstag, 17. April 2021 – Autor:
Ein gutes Patientengespräch kann offenbar postoperative Schmerzen lindern. Das konnten Wissenschaftler jetzt in einer Studie zeigen. Je besser die Patienten in die Schmerztherapie einbezogen wurden, desto seltener wünschten sie zusätzliche Schmerzmittel.
Studie: Schmerzen nach einer Operation werden erträglicher, wenn Patienten aktiv in die Schmerztherapie eingebunden werden

Studie: Schmerzen nach einer Operation werden erträglicher, wenn Patienten aktiv in die Schmerztherapie eingebunden werden – Foto: © Adobe Stock/Monkey Business

Schmerzen nach einer Operation sind ganz normal und erklärbar. Schließlich werden mit jedem Schnitt auch feinste Nerven geschädigt. Doch auch beim Wundschmerz spielen psychologische Komponenten eine Rolle. Werden die Patienten vor der Operation gut aufgeklärt und anschließend in die Schmerztherapie einbezogen, ist das subjektive Schmerzempfinden geringer. Das berichtet ein Forschungsteam aus Jena, Münster und Bern. Die Wissenschaftler hatten Daten von fast 80.000 Patienten ausgewertet, die im QUIPS-Schmerzregister für postoperative Schmerztherapie am Universitätsklinikum Jena erfasst sind. Die Studie ist soeben im Journal "Pain" erschienen.

Patientengespräch hat eine Art Placeboeffekt

„Bei guten Prozessen im Krankenhaus wie regelmäßiger Schmerzmessung oder vordefinierte Therapiekonzepte wird der Wunsch nach mehr Therapie seltener geäußert“, beschreibt Studienautor Dr. Marcus Komann vom Universitätsklinikum Jena ein zentrales Ergebnis der Studie. Den größten schmerzlindernden Effekt hatte aber offenbar die Aufklärung des Patienten über die Schmerztherapie. Konnten die Patienten Einfluss nehmen, verlangten sie seltener nach zusätzlichen Schmerzmitteln als vom Arzt empfohlen. Dieser Effekt ist den Autoren zufolge sogar stärker als der Einfluss der Schmerzmedikation, selbst bei starken Schmerzmitteln. Man könnte also von einem Placeboeffekt sprechen.

 

Patientenbeteiligung ist das beste Schmerzmittel.

„Wir haben einen klaren Trend in der Medizin: Patienten möchten besser informiert und mehr in Entscheidungen eingebunden sein als früher. Wir können nur alle Kollegen dazu ermuntern, die Patienten so weit wie möglich in die Schmerztherapie einzubinden“, sagt Komann

Laut Studie verlangte nur jeder zehnte Patient mehr Schmerzmittel. Komann sieht darin einen Beleg, dass Patienten heute besser informiert und in die Behandlung eingebunden werden. Sein Fazit: Patientenbeteiligung ist das beste Schmerzmittel.

Das QUIPS-Projekt hat die Qualitätsverbesserung in der postoperativen Schmerztherapie zum Ziel. Über 100 Kliniken aus Deutschland und Österreich beteiligen sich an dem Projekt, das am Universitätsklinikum Jena koordiniert wird.

Hauptkategorie: Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Schmerzen
 

Weitere Nachrichten zum Thema schmerzen

15.08.2014

Auch zwei Jahre nach einer Operation leiden viele Menschen unter Schmerzen, die auf den Eingriff zurückzuführen sind. Das fanden Forscher der Universität Witten-Herdecke heraus. Am häufigsten treten dabei Schmerzen an Rücken und Knie auf.

 

Aktuelle Nachrichten

 
Weitere Nachrichten
Die Zahl der HIV-Neuinfektionen ist auf dem niedrigsten Stand seit 20 Jahren. Die der Patienten mit Aids im fortgeschrittenen Stadium nimmt aber offenbar zu, weil viele nicht zum HIV-Test gehen. Experten warnen deshalb: „Aids ist noch nicht vorbei.“


Normalerweise beginnt die Grippesaison nach dem Jahreswechsel. Weil das Immunsystem bei vielen dank der Hygienemaßnahmen aus der Corona-Pandemie auch bei Grippe aus der Übung ist, erwarten Experten die Winter-Welle diesmal früher, schneller und heftiger.
 
Interviews
Affenpocken verlaufen in der Regel harmlos. Doch nicht immer. Dr. Hartmut Stocker, Chefarzt der Klinik für Infektiologie am St. Joseph Krankenhaus in Berlin Tempelhof, über die häufigsten Komplikationen, die Schutzwirkung der Impfung und den Nutzen von Kondomen.

Zöliakie kann in jedem Lebensalter auftreten und ein buntes Bild an Beschwerden machen. Bislang ist das wirksamste Gegenmittel eine glutenfreie Ernährung. Gesundheitsstadt Berlin hat mit PD Dr. Michael Schumann über die Auslöser und Folgen der Autoimmunerkrankung gesprochen. Der Gastroenterologe von der Charité hat an der aktuellen S2K-Leitinie „Zöliakie“ mitgewirkt und weiß, wodurch sich die Zöliakie von anderen Glutenunverträglichkeiten unterscheidet.

Aducanumab ist das erste in den USA zugelassene Medikament, das die Alzheimer typischen Amyloid-Plaques zum Verschwinden bringt. Aber kann der neue monoklonale Antikörper mit dem Handelsnamen Aduhelm auch den Gedächtnisverlust stoppen? Und warum ist die Notfallzulassung in den USA durch die US-Food and Drug Administration (FDA) so umstritten? Darüber hat Gesundheitsstadt Berlin mit dem Neurologen und Alzheimer-Experten Prof. Johannes Levin vom LMU Klinikum München gesprochen.
Logo Gesundheitsstadt Berlin