. AMNOG-Verfahren

Grünes Licht für DPP-4-Hemmer

Der GKV-Spitzenverband und die Arzneimittelersteller haben sich auf einen Preis für DPP-4-Hemmer geeinigt. Damit erhalten Patienten mit Typ-2-Diabetes die blutzuckersenkenden Medikamente weiterhin auf Kassenrezept.
Kassen einigen sich mit Pharma: DPP-4-Hemmer bleiben auf dem deutschen Markt

Kassen einigen sich mit Pharma: DPP-4-Hemmer bleiben auf dem deutschen Markt

Rund 1,5 Millionen Menschen mit Diabetes Typ 2 nehmen derzeit DPP4-Hemmer, sogenannte Gliptine ein. Experten hatten eine Marktrücknahme befürchtet, weil der G-BA den Wirkstoffen Sitagliptin und Saxagliptin keinen Zusatznutzen bescheinigt hatte. Folglich drohten die Medikamente in die Festbetragsgruppe der günstigeren Sulfonylharnstoffe zu fallen. Diese Befürchtung ist nun vom Tisch. Denn zuletzt konnten sich der GKV-Spitzenverband und die Hersteller in dem AMNOG-Verfahren doch noch auf einen Preis für Gliptine einigen.

Diabetologen sind erleichtert

Die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) zeigt sich erleichtert: „DPP-4-Hemmer spielen eine große Rolle bei Patienten mit Typ-2-Diabetes und haben sich bereits seit zehn Jahren in der Praxis bewährt “, sagte DDG-Präsident Professor Dirk Müller-Wieland. 

Wäre es zu einer Marktrücknahme gekommen, hätten bis zu 1,5 Millionen Patienten auf andere Medikamente ausweichen müssen, zum Beispiel Sulfonylharnstoffe. Das hätte nach Ansicht der DDG erhebliche Umstellungsprobleme und Zusatzkosten zur Folge gehabt. „Gegenüber Sulfonylharnstoffen haben sie beispielsweise den Vorteil, kein Risiko für einen zu niedrigen Blutzuckerspiegel – ein sogenanntes Hypoglykämierisiko – hervorzurufen," betonte Müller-Wieland. 

IQWiG konnte keinen Zusatznutzen finden

Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) war im Auftrag des G-BA jedoch zu der Ansicht gelangt, dass DPP-4-Hemmer keine Vorteile gegenüber einer Vergleichssubstanz bieten. Die DDG kritisiert, dass dadurch der Eindruck entstanden sein könnte, die Medikamente hätten gar keinen Nutzen. „Wird – wie im aktuellen Fall – ein nicht vorhandener Zusatznutzen postuliert, bedeutet das nicht, dass ein Medikament schlecht ist oder schlecht wirkt“, erklärte DDG-Pressesprecher Professor Baptist Gallwitz. Es müsse deutlicher werden, dass im Rahmen des AMNOG-Verfahrens lediglich der mögliche Zusatznutzen gegenüber einer Vergleichssubstanz beurteilt werde. „Es wird nicht der Effekt und die Sicherheit eines Medikaments geprüft, sondern lediglich ein Rahmen für die anschließenden Preisverhandlungen zwischen GKV-Spitzenverband und pharmazeutischen Herstellern festgelegt“, stellte er klar.

Zudem kritisierte die Fachgesellschaft die Wahl der Vergleichssubstanz, die im Rahmen des Bewertungsverfahrens herangezogen wurde. Diese würde nicht dem aktuellen Therapiestandard entsprechen und sei ihrerseits noch nie einem Nutzenbewertungsverfahren unterworfen worden.

Die Wirkstoffe Sitagliptin und Saxagliptin hemmen das Enzym Dipeptidyl-Peptidase-4 (DPP-4), das die Wirkung des körpereigenen Hormons GLP-1 (Glucagon-like peptide-1) verlängert. Dadurch kann der Blutzucker wirkungsvoll gesenkt werden, ohne dass eine Unterzuckerung oder eine Gewichtszunahme eintritt.

Foto: © FotolEdhar - Fotolia.com

Autor: ham
Hauptkategorien: Gesundheitspolitik , Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Arzneimittel , Diabetes

Weitere Nachrichten zum Thema Diabetesmedikamente

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

. Weitere Nachrichten
Bei Frauen mit genetisch bedingtem Lungenhochdruck kann Östrogen eine Rolle bei der Erkrankung spielen. Experimente zeigen nun, dass Medikamente, die das Östrogen hemmen, der Erkrankung vorbeugen und auch zu ihrer Behandlung dienen können.
Knapp drei Millionen Tiere sterben in Deutschland jedes Jahr für die Forschung – viele davon umsonst, weil sich die Ergebnisse aus Tierversuchen oft nicht auf Menschen übertragen lassen. Nun wurde ein Modellsystem ausgezeichnet, das Tierversuche in der Schlaganfallforschung ersetzen soll.
. Veranstaltungen
loading...
Terminkalender
. Personen Hauptstadtregion
. Interviews
Die Blutvergiftung, fachsprachlich „Sepsis“, ist nach Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs die dritthäufigste Todesursache in Deutschland. Und sie gilt als die am häufigsten vermeidbare. Gesundheitsstadt Berlin hat anlässlich des Welt-Sepsis-Tags am 13. September mit Prof. Konrad Reinhart von der Universität Jena über das Thema gesprochen. Der Vorsitzende der deutschen Sepsis-Stiftung vertritt die These: Die tatsächliche Zahl der Sepsis-Fälle ist doppelt so hoch wie die der registrierten.
Kinder suchtkranker Eltern sind besonderen Belastungen ausgesetzt und haben ein hohes Risiko, später selbst eine Sucht oder andere psychische Erkrankungen zu entwickeln. Gesundheitsstadt Berlin hat mit der Drogenbeauftragten der Bundesregierung Marlene Mortler über die Situation betroffener Kinder und die Notwendigkeit von Unterstützungsangeboten gesprochen.
Die Berichterstattung über Methadon als Krebsmittel weckt große Hoffnungen. Doch wie sieht eigentlich die rechtliche Seite aus, wenn Ärzte ein Medikament außerhalb des Zulassungsbereichs (Off-Label) verschreiben? Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Medizinrechtler Prof. Dr. Christian Dierks gesprochen, welche Risiken Ärzte eingehen und ob Patienten einen Anspruch auf einen individuellen Heilversuch mit Methadon haben.