Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 
11.08.2017

Grünes Licht für DPP-4-Hemmer

Der GKV-Spitzenverband und die Arzneimittelersteller haben sich auf einen Preis für DPP-4-Hemmer geeinigt. Damit erhalten Patienten mit Typ-2-Diabetes die blutzuckersenkenden Medikamente weiterhin auf Kassenrezept.
Kassen einigen sich mit Pharma: DPP-4-Hemmer bleiben auf dem deutschen Markt

Kassen einigen sich mit Pharma: DPP-4-Hemmer bleiben auf dem deutschen Markt

Rund 1,5 Millionen Menschen mit Diabetes Typ 2 nehmen derzeit DPP4-Hemmer, sogenannte Gliptine ein. Experten hatten eine Marktrücknahme befürchtet, weil der G-BA den Wirkstoffen Sitagliptin und Saxagliptin keinen Zusatznutzen bescheinigt hatte. Folglich drohten die Medikamente in die Festbetragsgruppe der günstigeren Sulfonylharnstoffe zu fallen. Diese Befürchtung ist nun vom Tisch. Denn zuletzt konnten sich der GKV-Spitzenverband und die Hersteller in dem AMNOG-Verfahren doch noch auf einen Preis für Gliptine einigen.

Diabetologen sind erleichtert

Die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) zeigt sich erleichtert: „DPP-4-Hemmer spielen eine große Rolle bei Patienten mit Typ-2-Diabetes und haben sich bereits seit zehn Jahren in der Praxis bewährt “, sagte DDG-Präsident Professor Dirk Müller-Wieland. 

Wäre es zu einer Marktrücknahme gekommen, hätten bis zu 1,5 Millionen Patienten auf andere Medikamente ausweichen müssen, zum Beispiel Sulfonylharnstoffe. Das hätte nach Ansicht der DDG erhebliche Umstellungsprobleme und Zusatzkosten zur Folge gehabt. „Gegenüber Sulfonylharnstoffen haben sie beispielsweise den Vorteil, kein Risiko für einen zu niedrigen Blutzuckerspiegel – ein sogenanntes Hypoglykämierisiko – hervorzurufen," betonte Müller-Wieland. 

 

IQWiG konnte keinen Zusatznutzen finden

Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) war im Auftrag des G-BA jedoch zu der Ansicht gelangt, dass DPP-4-Hemmer keine Vorteile gegenüber einer Vergleichssubstanz bieten. Die DDG kritisiert, dass dadurch der Eindruck entstanden sein könnte, die Medikamente hätten gar keinen Nutzen. „Wird – wie im aktuellen Fall – ein nicht vorhandener Zusatznutzen postuliert, bedeutet das nicht, dass ein Medikament schlecht ist oder schlecht wirkt“, erklärte DDG-Pressesprecher Professor Baptist Gallwitz. Es müsse deutlicher werden, dass im Rahmen des AMNOG-Verfahrens lediglich der mögliche Zusatznutzen gegenüber einer Vergleichssubstanz beurteilt werde. „Es wird nicht der Effekt und die Sicherheit eines Medikaments geprüft, sondern lediglich ein Rahmen für die anschließenden Preisverhandlungen zwischen GKV-Spitzenverband und pharmazeutischen Herstellern festgelegt“, stellte er klar.

Zudem kritisierte die Fachgesellschaft die Wahl der Vergleichssubstanz, die im Rahmen des Bewertungsverfahrens herangezogen wurde. Diese würde nicht dem aktuellen Therapiestandard entsprechen und sei ihrerseits noch nie einem Nutzenbewertungsverfahren unterworfen worden.

Die Wirkstoffe Sitagliptin und Saxagliptin hemmen das Enzym Dipeptidyl-Peptidase-4 (DPP-4), das die Wirkung des körpereigenen Hormons GLP-1 (Glucagon-like peptide-1) verlängert. Dadurch kann der Blutzucker wirkungsvoll gesenkt werden, ohne dass eine Unterzuckerung oder eine Gewichtszunahme eintritt.

Foto: © FotolEdhar - Fotolia.com

Autor: ham
Hauptkategorien: Gesundheitspolitik , Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Arzneimittel , Diabetes
 

Weitere Nachrichten zum Thema Diabetesmedikamente

Aktuelle Nachrichten

 
Weitere Nachrichten
Alkohol ist ein Zellgift, das offenbar auch Herzrhythmusstörungen auslösen kann. Eine aktuelle Studie des Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf zeigt, dass sich selbst bei ansonsten gesunden Menschen das Risiko für Vorhofflimmern signifikant erhöht. Demnach haben schon kleine Mengen einen negativen Effekt.

Schwere Unfälle oder Tumor-Erkrankungen können das Gesicht massiv entstellen. Dank computerassistierter Techniken kann der langwierige und sehr belastende Zeitraum für die Wiederherstellung des Gesichts abgekürzt werden. Meist muss nur noch einmal operiert werden – auch weil Implantate mittels 3-D-Drucker schnell und patientenindividuell hergestellt werden können.

Weil Corona so oft asymptomatisch verläuft, kann über die Dunkelziffer nur spekuliert werden. Licht ins Dunkel bringt nun eine Studie Helmholtz Zentrums München. Danach waren in zweiten Corona-Welle waren drei- bis viermal mehr Kinder in Bayern mit SARS-CoV-2 infiziert, als über PCR-Tests gemeldet.
 
Interviews
Wegen Corona suchen Patienten mit psychischen Erkrankungen oft erst spät Hilfe. Auch der Wiedereinstieg in den Alltag ist häufig erschwert. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Chefarzt der Psychiatrisch-Psychosomatischen Tagesklinik Waldfriede Dr. med. Herald Hopf darüber gesprochen, wie sich die COVID-19-Pandemie auf die Psyche auswirkt und welche Veränderungen im klinischen Alltag zu bemerken sind.

Unter dem Stichwort der „harm reduction“ werden E-Zigaretten vielfach als weniger gefährlich bezeichnet als herkömmliche Zigaretten und sogar zur Raucherentwöhnung empfohlen. Die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) widerspricht dieser Darstellung deutlich. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Pneumologen Professor Wulf Pankow über die Gefahren durch E-Zigaretten und geeignete Methoden für den Rauchentzug gesprochen.

Der klassische Medikationsprozess im Krankenhaus ist fehleranfällig. Untersuchungen untermauern das. Dabei könnte die Digitalisierung die Arzneimitteltherapie wesentlich sicherer machen. Das Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf (UKE) hat schon vor Jahren auf ein Closed Loop Medication Management umgestellt. Gesundheitsstadt Berlin hat mit UKE-Krankenhausapothekerin PD Dr. Claudia Langebrake über die Vorteile des digitalen Medikationsprozesses gesprochen.
Logo Gesundheitsstadt Berlin