Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 

Grüner Star: Augenärzte raten zur Glaukom-Früherkennung ab 40

Die Früherkennung des Grünen Stars (Glaukom) gehört zu den umstrittenen IGEL-Leistungen. Augenärzte halten die Untersuchung jedoch schon ab dem 40. Lebensjahr für sinnvoll. Die Empfehlung wurde soeben in der Leitlinie zum Glaukom verankert.
Neue Leitlinie: Augenärzte halten die Glaukom Früherkennung für sehr sinnvoll und wichtig

Neue Leitlinie: Augenärzte halten die Glaukom Früherkennung für sehr sinnvoll und wichtig

Der Grüne Star ist eine gefährliche Augenkrankheit, bei der der Sehnerv nach und nach abstirbt. Betroffene merken lange nichts davon, bis sie erste Lücken im Sehfeld wahrnehmen, die nach und nach immer größer werden. Am Ende ist sogar eine Erblindung möglich.

Eine Früherkennungsuntersuchung wird von den Krankenkassen dennoch nicht bezahlt. Im IGEL-Monitor wird das mit fehlenden Studiendaten begründet. Demnach gibt es nicht einmal Studien, die belegen, dass eine frühe Behandlung besser als eine späte Behandlung ist. Ergo müssen Menschen die Untersuchung aus eigener Tasche bezahlen, es sei denn es besteht ein begründeter Verdacht auf ein Glaukom.

Der Grüne Star lässt sich verzögern

Augenärzte beurteilen den Nutzen der Glaukom-Früherkennung jedoch ganz anders. „Zeigen sich verschwommenes Sehen oder andere Beschwerden, ist es bereits sehr spät, und eingetretene Schäden lassen sich nicht wieder rückgängig machen“, erläutert Professor Dr. med. Alexander Schuster vom Zentrum für ophthalmologische Epidemiologie und Versorgungsforschung an der Augenklinik und Poliklinik der Universitätsmedizin Mainz. „Wird ein Glaukom dagegen rechtzeitig erkannt, lässt sich die Erkrankung durch Augentropfen, Lasereingriffe oder chirurgische Maßnahmen aufhalten oder verzögern“, so der Experte. Unbehandelt drohe eine Erblindung.

 

Leitlinie empfiehlt Glaukom-Früherkennung

Nun wurde die Glaukom-Früherkennung in die neue Leitlinie aufgenommen. Hier geben die Augenärzte folgende Empfehlung ab: Allen Personen ab dem 40. Lebensjahr sollte die Glaukom-Früherkennungsuntersuchung angeboten. In der Altersgruppe zwischen 40 und 59 Jahren sollte die Untersuchung alle fünf Jahre wiederholt werden, ab dem Alter von 60 Jahren alle zwei bis drei Jahre. Liegen weitere Risikofaktoren vor sollte die Untersuchung noch öfter wiederholt werden.  

Kurzsichtigkeit ist ein Risikofaktor

Zu diesen Risikofaktoren zählen Verwandte ersten Grades, die an einem Glaukom leiden, aber auch ein erhöhter Augeninnendruck. Bei einer Kurzsichtigkeit von mindestens minus vier Dioptrien ist das Risiko für einen Grünen Star zwei bis dreifach so hoch wie bei normalsichtigen Augen, und auch Ablagerungen auf der Linse und im Kammerwinkel verstärken die Erkrankungsgefahr.

„Liegt neben dem Alter ein weiterer Risikofaktor vor, sollten bei Menschen ab 40 Jahren die Abstände zur nächsten Untersuchung auf zwei bis drei Jahre, bei Menschen ab 60 Jahren auf ein Jahr verkürzt werden“, erläutert Schuster. Bei drei oder mehr Risikofaktoren gilt: In diesem Fall sind Betroffene gut beraten, sich schon ab 40 Jahren jährlich untersuchen zu lassen.

Für die Empfehlung haben die Leitlinien-Autoren nach eigenen Angaben alle verfügbaren wissenschaftlichen Belege zu den Risikofaktoren für das Glaukom untersucht. Dass die vom IGEL-Monitor bemängelte Studienlage dünn ist, räumen die Ärzte ein. „Eine Studie, die den direkten Nutzen nachweist, kann es und wird es nicht geben, eine Kontrollgruppe ohne Früherkennung wäre aus augenärztlicher Sicht ethisch nicht vertretbar“, sagt der Präsident der Deutsche Ophthalmologischen Gesellschaft (DOG) Professor Hans Hoerauf aus Götttingen. Die Sinnhaftigkeit dieser Untersuchung immer wieder in Frage zu stellen, sei aus seiner Sicht unverständlich. „Die Glaukom Früherkennung ist sehr sinnvoll und wichtig, da gibt es keine Frage.“

Untersuchung kostet 40 Euro

Die Glaukom-Früherkennung besteht aus der Untersuchung der Sehnervenköpfe beider Augen mit einem Spezialmikroskop sowie einer Augeninnendruckmessung. Die Patienten müssen für die Früherkennung zwischen 20 und 40 Euro bezahlen.

Foto: © Adobe Stock/lightpoet

Autor: ham
Hauptkategorien: Gesundheitspolitik , Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Augenkrankheiten , Glaukom
 

Weitere Nachrichten zum Thema Grüner Star

06.07.2016

Der Verlust der Sehkraft durch ein Glaukom gilt eigentlich als irreversibel. Doch es gibt neue Hoffnung. Einer Studie zufolge können Wechselstromimpulse das Sehvermögen auch bei fortgeschrittenem Glaukom signifikant verbessern.

Aktuelle Nachrichten

Mehr zum Thema
Im vor kurzem eingeführten "IGeL-Monitor" wird der Sinn der Glaukomvorsorge angezweifelt. Augenärzte widersprechen dieser Einschätzung vehement. Die Patienten müssen nun selbst entscheiden, wem sie glauben sollen.
 
Weitere Nachrichten

Klimaanlagen, Zigarettenqualm, langes Sitzen vorm PC-Bildschirm: So können situativ trockene Augen entstehen, die reiben und schmerzen. Trockene Augen können aber auch eine chronische Krankheit sein. Hier ein paar Tipps dazu von Experten.

 
Kliniken
Interviews
Chronische Fatigue gehört zu den häufigen Langzeitfolgen einer Covid-Infektion. Oft bessert sich der zermürbende Erschöpfungszustand nach einigen Wochen oder Monaten von allein. Doch einige Patienten entwickeln das Vollbild einer myalgischen Enzephalopathie/ Chronisches Fatigue Syndrom (ME/CFS). Gesundheitsstadt Berlin hat mit Professor Carmen Scheibenbogen von der Charité über die Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten des schweren Krankheitsbilds gesprochen.


Wegen Corona suchen Patienten mit psychischen Erkrankungen oft erst spät Hilfe. Auch der Wiedereinstieg in den Alltag ist häufig erschwert. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Chefarzt der Psychiatrisch-Psychosomatischen Tagesklinik Waldfriede Dr. med. Herald Hopf darüber gesprochen, wie sich die COVID-19-Pandemie auf die Psyche auswirkt und welche Veränderungen im klinischen Alltag zu bemerken sind.
Logo Gesundheitsstadt Berlin