. Impfen

Grippe- und Pneumokokken-Impfung - für wen sinnvoll?

Obwohl die Bedeutung des Impfens in Deutschland weitgehend bekannt ist, werden einige Impfungen immer noch zu wenig genutzt, wie Experten kritisieren. Dies gilt für die jährliche Grippeschutzimpfung, insbesondere aber auch für die Impfung gegen Pneumokokken.
Im Herbst stehen wieder die Impfungen an

Herbstzeit ist Impfzeit

Der Herbst beginnt, und in vielen Arztpraxen wird jetzt wieder für die Impfung gegen Grippe (Influenza) geworben. Dass sich bestimmte Personengruppen aber auch gegen Pneumokokken impfen lassen sollten, ist nur wenigen bewusst. Und auch die Grippeschutzimpfung wird immer noch zu wenig genutzt, wie Ärzte kritisieren.

Die Ständige Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut (RKI) empfiehlt chronisch Kranken und Älteren seit Jahren die jährliche Impfung gegen Grippe. Doch lässt sich Befragungen zufolge nur etwa die Hälfte dieser Personen impfen. Die STIKO empfiehlt die Impfung auch Personen mit erhöhter Ansteckungsgefahr für eine Infektion. Vor allem medizinisches Personal in Krankenhäusern und in der Altenpflege sollte geimpft sein, auch damit die Patienten nicht mit dem Influenza-Virus angesteckt werden.

Insbesondere für Menschen, die bereits bestimmte Vorerkrankungen wie beispielsweise Herz-Kreislauf-Krankheiten oder chronische Lungenerkrankungen haben, sowie für ältere Menschen bedeutet eine Infektion mit Grippeviren eine Gefahr. Bei ihnen kann es im Krankheitsverlauf häufiger zu Komplikationen, zum Beispiel zu bakteriellen Lungenentzündungen, kommen, die sogar tödlich enden können.

Pneumokokkenimpfung vielen unbekannt

Auch wenn sich nach Expertenmeinung noch zu wenige Menschen gegen den Grippevirus impfen lassen, ist das Wissen um die Bedeutung der Immunisierung gegen Influenza relativ weit verbreitet. Anders sieht es bei der Impfung gegen Pneumokokken aus. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BzgA) und andere Behörden kritisieren immer wieder, dass die Pneumokokkenimpfung zu wenig in Anspruch genommen wird. Viele Menschen wissen nicht, dass Pneumokokken Lungenentzündung, Hirnhautentzündung und andere schwere Erkrankungen hervorrufen können, oder sie glauben, selbst nicht gefährdet zu sein.

Die Pneumokokkenimpfung wird von der STIKO für ältere Menschen empfohlen, da die Anfälligkeit für Infektionen bei Erwachsenen mit zunehmendem Alter steigt und Infektionen schwerer und komplikationsreicher verlaufen. Doch nicht nur ältere Menschen, sondern auch Patienten mit bestimmten Grunderkrankungen, insbesondere mit Erkrankungen, bei denen das Immunsystem geschwächt ist, brauchen zusätzlichen Impfschutz. Die STIKO empfiehlt daher eine Pneumokokkenimpfung auch für Menschen mit angeborenen oder erworbenen Immundefekten sowie bei chronischen Krankheiten.

Neuer Pneumokokkenimpfstoff

Neben einem älteren Impfstoff gegen Pneumokokken steht mittlerweile ein sogenannter Pneumokokken-Konjugatimpfstoff zur Verfügung, der auch für Kinder zugelassen ist. Bei einem konjugierten Impfstoff sind Bestandteile der Erreger-Hülle an ein Trägerprotein gekoppelt, wodurch das Abwehrsystem vermutlich ein „immunologisches Gedächtnis“ ausbilden kann. So kann sich das Immunsystem auch nach längerer Zeit noch an den Erreger erinnern und ihn im Falle einer Infektion abwehrend. Daher ist eine einmalige Gabe des neuen Impfstoffs ausreichen. Der Konjugat-Impfstoff wehrt unter anderem auch solche Erreger ab, gegen die es keine Behandlung mit Antibiotika gibt.

Zugelassen ist der Pneumokokken-Konjugat-Impfstoff bereits seit Jahren, doch im Sommer 2013 wurde die Zulassung auch auf Erwachsene ab 18 Jahren erweitert. Der neue Impfstoff ist damit der erste und einzige Impfstoff zur Immunisierung gegen Pneumokokken, der ohne Altersbeschränkung zugelassen ist. Seit Januar 2013 übernehmen die Gesetzlichen Krankenkassen die Kosten für den neuen Impfstoff nicht nur bei Kindern bis zum zweiten Lebensjahr, sondern auch bei Erwachsenen über 60 Jahren sowie bei Risiko-Patienten ab 50 Jahren.

Grippe- und Pneumokokkenimpfung können parallel gegeben werden. Anlässlich der Grippeimpfung, mit der die Ärzte meistens im September oder Oktober beginnen, sollte auch an die Pneumokokken-Impfung gedacht werden. Meistens werden Impfungen von den Hausärzten durchgeführt, doch prinzipiell kann jeder Arzt Impfungen verabreichen.

Foto: © Gina Sanders - Fotolia.com

Lesen Sie auch:
  • Grippevirus – Wie gefährlich ist er?
  • Pneumokokken und die Folgen
  • Wie funktioniert eine Impfung?
  • Erfolge und Vorurteile
Autor:

Weitere Nachrichten zum Thema Impfen

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

. Mehr zum Thema
. Weitere Nachrichten
60-Stunden-Woche für Krankenschwestern, doppelt so lange Wartezeiten beim Hausarzt: Dieses Szenario könnte schon in einem Jahrzehnt Realität werden, wenn das Gesundheitssystem nicht entschlossen reagiert. Schon jetzt ist das Angebot an freien Stellen hier zweieinhalbmal so groß wie der Zahl der Bewerber.
. Veranstaltungen
loading...
Terminkalender
. Personen Hauptstadtregion
. Interviews
Die Blutvergiftung, fachsprachlich „Sepsis“, ist nach Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs die dritthäufigste Todesursache in Deutschland. Und sie gilt als die am häufigsten vermeidbare. Gesundheitsstadt Berlin hat anlässlich des Welt-Sepsis-Tags am 13. September mit Prof. Konrad Reinhart von der Universität Jena über das Thema gesprochen. Der Vorsitzende der deutschen Sepsis-Stiftung vertritt die These: Die tatsächliche Zahl der Sepsis-Fälle ist doppelt so hoch wie die der registrierten.
Kinder suchtkranker Eltern sind besonderen Belastungen ausgesetzt und haben ein hohes Risiko, später selbst eine Sucht oder andere psychische Erkrankungen zu entwickeln. Gesundheitsstadt Berlin hat mit der Drogenbeauftragten der Bundesregierung Marlene Mortler über die Situation betroffener Kinder und die Notwendigkeit von Unterstützungsangeboten gesprochen.
Die Berichterstattung über Methadon als Krebsmittel weckt große Hoffnungen. Doch wie sieht eigentlich die rechtliche Seite aus, wenn Ärzte ein Medikament außerhalb des Zulassungsbereichs (Off-Label) verschreiben? Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Medizinrechtler Prof. Dr. Christian Dierks gesprochen, welche Risiken Ärzte eingehen und ob Patienten einen Anspruch auf einen individuellen Heilversuch mit Methadon haben.