Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 
02.12.2016

Grippe: Klinikpersonal oft nicht geimpft

Medizinisches Personal hat ein erhöhtes Risiko, sich an erkrankten Patienten anzustecken oder ungewollt Grippe-Viren zu übertragen. Klinik-Mitarbeitern wird daher zur jährlichen Impfung geraten. Doch gerade sie sind oft nicht geimpft.
Kinikpersonal

Viele Klinikmitarbeiter sind nicht gegen Grippe geimpft

Durch die Influenza-Impfung von Ärzten und Pflegern können das Risiko einer Infektion und die Sterblichkeit bei betreuten Patienten gesenkt werden. Aus diesem Grund wird Gesundheitspersonal die jährliche Impfung von der Ständigen Impfkommission empfohlen. Die Empfehlung wird oft unzureichend umgesetzt, teilt das Robert Koch-Institut (RKI) mit.

Die Gründe erforschte das RKI in einer Studie, für die im August und September 2016 Mitarbeiter zweier Universitätskliniken im Osten Deutschlands befragt wurden. In beiden Kliniken bietet der betriebsärztliche Dienst die Influenza-Impfung vor Beginn der Grippe-Saison an.

Mehr als zwei Stunden am Tag Patienten-Kontakt

Von den 1.827 Teilnehmern waren mehr als 70 Prozent weiblich, 31 Prozent waren als Pflegepersonal, 19 Prozent im ärztlichen Dienst tätig. 74 Prozent der Teilnehmer gaben an, sehr häufig - üblicherweise täglich mehr als 2 Stunden pro Tag - Patienten-Kontakt zu haben.

39,8 Prozent der befragten Klinikmitarbeiter waren in der Wintersaison 2015/2016 gegen Influenza geimpft. Die Impfquote war mit 56 Prozent beim ärztlichen Dienst am höchsten und lag beim Pflegepersonal und bei therapeutischen Berufen bei 34,5 beziehungsweise 27,2 Prozent.

 

Ein Grund für fehlende Impfung: Angst vor Nebenwirkungen

40 Prozent der Befragten gaben an, in den letzten fünf Wintersaisons nicht gegen Influenza geimpft worden zu sein. Die Angst vor Nebenwirkungen war der meistgenannte Grund, gefolgt von organisatorischen Gründen (21,5 Prozent), "Ich habe es vergessen/zu spät daran gedacht“ (19,8 Prozent), „Es ist unwahrscheinlich, dass ich Grippe bekomme, weil ich ein gutes Immunsystem habe“ (19,5 Prozent) und „Die Grippeschutz-Impfung kann eine Grippeerkrankung auslösen“ (19 Prozent).

Während bei Ärzten vor allem zeitliche und organisatorische Gründe eine maßgebliche Rolle spielten, waren die Angst vor Nebenwirkungen, die Unterschätzung der eigenen Anfälligkeit für Influenza und die Angst, die Impfung könne Influenza auslösen, die Hauptbeweggründe für Pflegepersonal und Angehörige der therapeutischen Berufe, sich nicht impfen zu lassen.

Grippe: Impfquote bei Klinikpersonal bedenklich niedrig

Geradezu „bedenklich niedrig“ fanden die Forscher die Impfquoten bei Klinikpersonal, das in sensiblen Bereichen wie OPs, Intensivstationen oder Ambulanz arbeitet, wo schwerkranke oder immunsupprimierte Patienten versorgt werden.

Fehlendes Wissen stellt ein Haupt-Hindernis für die Impfung dar, bilanzierte das RKI zum Auftakt der Grippe-Saison 2016/2017. Zum einen müsse das Personal besser über die Influenza-Erkrankung und -Impfung informiert werden. Dadurch könnte verbreiteten Irrtümern entgegengetreten werden, wie der Annahme, die Impfung könne die Erkrankung hervorrufen.

Insbesondere beim ärztlichen Dienst könnte die Reduzierung von zeitlichen und organisatorischen Barrieren - ein breiteres Angebot an Impfterminen am Arbeitsplatz durch den betriebsärztlichen Dienst - zielführend sein.

Foto:  s_l/Fotolia.com

Autor: bab
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Grippeschutzimpfung
 

Weitere Nachrichten zum Thema Influenza

11.02.2018

Bestimmte Darmbakterien können vor einer schweren Grippe-Infektion schützen, indem sie Flavonoide verstoffwechseln. Das haben amerikanische Forscher in einer Studie gezeigt. Die Stoffe kommen besonders viel in Blaubeeren, schwarzem Tee und Rotwein vor.

Aktuelle Nachrichten

 
Weitere Nachrichten

Vor der Covid-19-Impfung Schmerzmittel einzunehmen, um mögliche Nebenwirkungen zu vermeiden, ist nicht ratsam. Denn Ibuprofen, Aspirin oder Paracetamol könnten die Wirkung des Impfstoffs beeinflussen. Auch die Einnahme von Schmerzmitteln direkt nach der Impfung könnte die Immunantwort abschwächen.

Was viele sich lange wünschten, wurde unter dem Druck der Pandemie Wirklichkeit: Arbeiten im Homeoffice. Doch jetzt zeigt sich: Die neue Freiheit ist nicht immer auch gesund. Mehr als ein Drittel der Heimarbeiter klagt über Rückenschmerzen und andere Beschwerden. Auch der negative Stress wird mehr.
 
Kliniken
Interviews
Wegen Corona suchen Patienten mit psychischen Erkrankungen oft erst spät Hilfe. Auch der Wiedereinstieg in den Alltag ist häufig erschwert. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Chefarzt der Psychiatrisch-Psychosomatischen Tagesklinik Waldfriede Dr. med. Herald Hopf darüber gesprochen, wie sich die COVID-19-Pandemie auf die Psyche auswirkt und welche Veränderungen im klinischen Alltag zu bemerken sind.

Unter dem Stichwort der „harm reduction“ werden E-Zigaretten vielfach als weniger gefährlich bezeichnet als herkömmliche Zigaretten und sogar zur Raucherentwöhnung empfohlen. Die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) widerspricht dieser Darstellung deutlich. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Pneumologen Professor Wulf Pankow über die Gefahren durch E-Zigaretten und geeignete Methoden für den Rauchentzug gesprochen.

Der klassische Medikationsprozess im Krankenhaus ist fehleranfällig. Untersuchungen untermauern das. Dabei könnte die Digitalisierung die Arzneimitteltherapie wesentlich sicherer machen. Das Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf (UKE) hat schon vor Jahren auf ein Closed Loop Medication Management umgestellt. Gesundheitsstadt Berlin hat mit UKE-Krankenhausapothekerin PD Dr. Claudia Langebrake über die Vorteile des digitalen Medikationsprozesses gesprochen.
Logo Gesundheitsstadt Berlin