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Grippe-Impfung: Ja oder Nein?

Montag, 28. September 2015 – Autor:
In jedem Herbst stellen sich viele Menschen erneut die Frage: Grippe-Impfung, ja oder nein? Einige Ärzte bieten dies ihren Patienten beim Praxisbesuch an. Ausdrücklich empfohlen wird die Impfung aber nur für bestimmte Bevölkerungsgruppen. Auch diesen bietet sie keinen 100-prozentigen Schutz.
Die Grippe-Impfung bietet keinen 100-prozentigen Schutz

Empfohlen wird die Grippe-Impfung für Menschen ab 60 Jahren – Foto: goodluz - Fotolia

Die Grippe-Impfung soll gegen die echte Influenza schützen, eine Virus-Erkrankung. Sie ist nicht zu verwechseln mit einer einfachen Erkältung oder einem grippalen Infekt. Die Grippe-Welle beginnt meist mit der Jahreswende und erreicht ihren Höhepunkt im Februar. Der beste Impfzeitpunkt ist daher Oktober oder November.

Im Gegensatz zur Erkältung kommt die Grippe plötzlich: Sie äußert sich mit hohem Fieber, Schnupfen, Halsentzündung, Schüttelfrost, Kopf-, Muskel- und Gelenkschmerzen, Übelkeit, Appetitverlust. Es kann dauern, bis die Patienten wiederhergestellt sind. Die Ausbreitung ist kaum zu verhindern, weil die Infizierten am ansteckendsten sind, wenn sie noch keine Symptome bemerken.

Grippe-Impfung für Menschen ab 60 Jahren

Geimpft werden sollten Menschen ab 60 Jahren und  Personen, die in Alten- und Pflegeheimen leben. Ihr Immunsystem ist nicht mehr so leistungsfähig und das Risiko, dass die Krankheit schwer verläuft, daher größer.

Das gilt auch für alle Personen, die an einer chronischen Erkrankung leiden wie Asthma, Bluthochdruck, Erkrankungen von Leber und Niere, Diabetes, Multiple Sklerose und HIV. Bei ihnen kann die Grippe zu schwerwiegenden Komplikation führen wie Lungen- oder Herzmuskel-Entzündung. Diese Folge-Erkrankungen können tödlich verlaufen.

 

Grippe-Impfung für Schwangere und Ärzte

Schwangere sollten sich impfen lassen, da ihr Immunsystem während der Schwangerschaft herabgesetzt ist und sie dadurch anfälliger für Infekte sind. Die Impfung erfolgt am besten ab dem 2. Drittel der Schwangerschaft. Da die Antikörper die Plazenta passieren, hat auch das Kind in den ersten Monaten einen gewissen Schutz vor der Infektion. Ein Impfstoff für Kinder ist erst ab dem 6. Monat zugelassen.

Eine Impfung wird auch für Ärzte und medizinisches Personal empfohlen, damit sie nicht ungewollt ihre Patienten anstecken. Das gilt ebenso für Menschen, die andere Personen pflegen. Außerdem sollten sich laut Robert-Koch-Institut (RKI) alle Personen impfen lassen, die direkten Kontakt zu Geflügel oder Wildvögeln haben. Die Impfung schützt nicht vor der Vogelgrippe, vermeidet aber problematische Doppel-Infektionen.

Grippe-Impfung weniger effektiv

Wie das RKI einräumt, ist die Grippe-Impfung weniger effektiv als andere Impfungen. Das liegt daran, dass die Grippe-Viren sich durch Mutation ständig verändern. Die Impfung hält daher nur ein Jahr -  und wirkt selbst dann zuweilen nur begrenzt.

Der Impfstoff  für die bevorstehende Grippe-Saison wird bereits Monate zuvor von der WHO auf der Grundlage weltweit erhobener Daten festgelegt. Er enthält die Varianten der beiden wichtigsten Virus-Typen A und B, die zu dem Zeitpunkt für die Mehrzahl der Grippe-Erkrankungen verantwortlich sind. Die Impfstoffe, die aufgrund dieser Prognose hergestellt werden, passen dann mal besser, mal schlechter zu den später heranflutenden Erreger-Varianten.

Es gibt einer Dreifach-Impfstoff, der zwei Subtypen des A-Virus und einen Subtyp des B-Virus enthält, und einen Vierfach-Impfstoff, der zusätzlich eine weitere B-Variante enthält. Er ist teurer als der Dreifach-Impfstoff und kommt daher seltener zum Einsatz.

Impfung greift bei Senioren generell schlechter

Besonders bei älteren Menschen ist die Immunantwort auf eine Impfung generell schwächer ausgeprägt, sie greift höchstens zu 60 Prozent. Für Senioren wurden daher Grippe-Impfstoffe mit einem Wirkverstärker entwickelt. Ob diese besser gegen den Ausbruch der Krankheit schützen, ist noch ungeklärt. Für Menschen mit Hühnereiweiß-Allergie gibt es einen speziellen Grippe-Impfstoff.

Kinder von 2 bis 6 Jahren werden mit einem Lebendimpfstoff geimpft, der als Nasenspray verabreicht wird. Erwachsene erhalten eine Spritz-Impfung mit einem Totimpfstoff. Die Einstichstelle kann sich röten, anschwellen oder schmerzen, Patienten berichten auch über Frösteln, Müdigkeit und Muskelschmerzen. Stärkere Nebenwirkungen sind unwahrscheinlich.

Grippe-Impfschutz braucht 10 bis 14 Tage

Es dauert 10 bis 14 Tage, bis sich der Impfschutz aufbaut. Ein leichter Infekt spricht laut der Experten der Ständigen Impfkommission des RKI (Stiko) nicht gegen eine Impfung. Liegt das Fieber bei über 38,5 Grad, darf nicht geimpft werden. Hat sich der Geimpfte bereits infiziert, nützt die Grippe-Impfung nichts.

Die  Grippe-Impfrate in Deutschland ist nicht so hoch, wie es die WHO gern hätte: Die Weltgesundheitsorganisation sieht für über 60-jährige eine Impfrate von 75 Prozent vor, in Deutschland betrug sie zuletzt 49 Prozent, bei Schwangeren lag sie bei 23 Prozent.

Foto: goodluz

 

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