Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 

Grauer Star: Medikament könnte OP ersetzen

Montag, 9. November 2015 – Autor:
Bisher konnte nur eine Operation die Erblindung durch Grauen Star verhindern. Nun haben Forscher eine mögliche Alternative entdeckt. Eine Substanz könnte die Linsentrübung verhindern und sogar nachträglich verbessern.
Grauen Star medikamentös behandeln

Eine neue Substanz könnte in Zukunft die OP beim Grauen Star ersetzen – Foto: Kadmy - Fotolia

Der Graue Star ist die häufigste Ursache für Erblindung. Die Hälfte aller Menschen über 70 Jahren ist weltweit von der Linsentrübung betroffen. Bisher konnte nur eine Operation, bei der ein künstliches Linsenimplantat eingesetzt wird, eine Erblindung durch den Katarakt verhindern. Doch möglicherweise lässt sich die Erkrankung in Zukunft auch mit Medikamenten behandeln. Ein Forscherteam um PhD Jason Gestwicki von der University of Michigan in Ann Arbor hat kürzlich einen Wirkstoff entdeckt, der die Trübung der Augenlinse im Labor und bei Mäusen verhindert und sogar nachträglich bessert. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Forscher im Fachmagazin „Science“.

Medikament verhindert Verklumpung von Proteinen

Die Brechkraft der Augenlinse wird durch hoch konzentrierte Proteine erzeugt. Diese Proteine müssen in gelöstem Zustand bleiben, damit die Linse transparent bleibt. Dafür sorgen die beiden Schutzeiweiße A-Crystallin (cryAA) und B-Crystallin (cryAB). Versagen diese Kristalline, so verklumpen die Proteine, und die Linse trübt sich. Das Team um Gestwicki suchte nun nach Stoffen, welche die Schutzeiweiße stabilisieren und damit eine Fehlfaltung verhindern.

Sie fanden eine Substanz, die im Labor die Bildung von Eiweißklumpen verhinderte und sogar bereits bestehende Klumpen auflöste. Diese Substanz testeten die Forscher zunächst an genveränderten Mäusen, die wegen eines cryAB-Defekts schon früh an Grauem Star erkrankten. Wie sich zeigte, konnte der Zustand der Linsen durch die Behandlung innerhalb von zwei Wochen deutlich verbessert werden. Zudem bestätigten die Forscher den Effekt auch an Mäusen mit einem cryAA-Defekt sowie auch an gewöhnlichen Mäusen, die den Katarakt altersbedingt entwickeln.

Schließlich testeten die Wissenschaftler den Stoff am Inhalt von Augenlinsen, die älteren Menschen entfernt worden waren. Auch hier zeigte sich, dass die Menge aller löslichen Proteine gesteigert werden konnte, immerhin um 18 Prozent. Damit kann das Präparat nach Ansicht der Studienautoren eine vielversprechende Spur zu einer nicht-operativen Therapie sein, und zwar sowohl bei erblichem als auch bei altersbedingtem Grauen Star.

 

Grauer Star: Hoffnung auf neue Therapiemöglichkeiten

Auch Professor Roy Quinlan von der britischen Durham University erklärte in einem Kommentar zur Studie, die Resultate könnten die medikamentöse Therapie von Grauem Star anschieben. „Das sind erste wichtige Experimente“, sagt auch Johannes Buchner vom Lehrstuhl für Biotechnologie der Technischen Universität München, der nicht an der Studie beteiligt war. „Sie zeigen überraschend positive und starke Effekte.“ Die Hinweise seien sehr ermutigend, müssten aber in weiteren Studien bestätigt werden. Insgesamt sei das Interesse von Patienten an einer Alternative zur Augenoperation sehr groß.

Foto: © Kadmy - Fotolia.com

Hauptkategorie: Medizin
 

Weitere Nachrichten zum Thema Grauer Star

18.05.2016

Gegen Grauen Star gibt es nach wie vor keine medikamentöse Therapie, doch eine ausgewogene Ernährung und Bewegung könnn die Augenerkrankung hinauszögern. Offenbar ist vor allem ausreichend Vitamin C wichtig, um einem Grauen Star vorzubeugen.

18.04.2016

Grauer Star ist eine natürliche Alterserscheinung. Doch Alkohol und ungesunde Ernährung können die Augenkrankheit offenbar beschleunigen. Die Initiative Grauer Star rät deshalb zu einer gesunden Ernährung – vorsichtshalber.

 

Aktuelle Nachrichten

 
Weitere Nachrichten
Diabetiker haben normalerweise ihre Krankheit von Geburt an, aufgrund eines Organ-Defekts der Bauchspeicheldrüse (Typ 1). Oder sie erwerben sie durch einen jahrelangen ungesunden Lebenswandel (Typ 2). Wissenschaftler sagen jetzt: Es geht auch beides.

Etwa 5 Prozent der Bevölkerung verträgt kein Gluten. Das ist ein Klebereiweiß, das in Getreide wie Weizen, Dinkel, Roggen, Gerste, Hafer, Emmer vorkommt. Doch Lebensmittel haben, wenn Getreide verarbeitet wurde, einen sehr unterschiedlichen Glutengehalt.

 
Kliniken
Interviews
Affenpocken verlaufen in der Regel harmlos. Doch nicht immer. Dr. Hartmut Stocker, Chefarzt der Klinik für Infektiologie am St. Joseph Krankenhaus in Berlin Tempelhof, über die häufigsten Komplikationen, die Schutzwirkung der Impfung und den Nutzen von Kondomen.

Zöliakie kann in jedem Lebensalter auftreten und ein buntes Bild an Beschwerden machen. Bislang ist das wirksamste Gegenmittel eine glutenfreie Ernährung. Gesundheitsstadt Berlin hat mit PD Dr. Michael Schumann über die Auslöser und Folgen der Autoimmunerkrankung gesprochen. Der Gastroenterologe von der Charité hat an der aktuellen S2K-Leitinie „Zöliakie“ mitgewirkt und weiß, wodurch sich die Zöliakie von anderen Glutenunverträglichkeiten unterscheidet.

Aducanumab ist das erste in den USA zugelassene Medikament, das die Alzheimer typischen Amyloid-Plaques zum Verschwinden bringt. Aber kann der neue monoklonale Antikörper mit dem Handelsnamen Aduhelm auch den Gedächtnisverlust stoppen? Und warum ist die Notfallzulassung in den USA durch die US-Food and Drug Administration (FDA) so umstritten? Darüber hat Gesundheitsstadt Berlin mit dem Neurologen und Alzheimer-Experten Prof. Johannes Levin vom LMU Klinikum München gesprochen.
Logo Gesundheitsstadt Berlin