. STI

Gonorrhoe: Antibiotika immer öfter wirkungslos

Gonorrhoe ist eine verbreitete, sexuell übertragbare Krankheit. Bisher konnte der „Tripper“ relativ gut mit Antibiotika behandelt werden. Doch die Gonokokken, die eine Gonorrhoe auslösen, weisen zunehmen Resistenzen auf.
Neisseria gonorrhoeae

Schätzungen zufolge erkranken in Deutschland jedes Jahr rund 20.000 Menschen an Gonorrhoe

Gonorrhoe („Tripper“) war lange Zeit sehr gefürchtet, bis 1943 Penicillin G eingeführt wurde, das zumindest in den Industriestaaten die Ausbreitung der Geschlechtskrankheit deutlich einschränkte. Doch in neuerer Zeit weisen die Stämme des Bakteriums Neisseria gonorrhoeae zunehmend Resistenzen gegen Antibiotika auf. Experten sind daher besorgt, dass die erfolgreiche Behandlung der Gonorrhoe schwerer wird. Eine neue Studie hat nun bestätigt, dass die Antibiotikaresistenz der Erreger in letzter Zeit weiter zugenommen hat.

Antibiotikaresistenzen nehmen zu

Für die Studie wurden insgesamt 5.093 Gonorrhoe-Isolate untersucht. Es zeigte sich, dass bereits viele Bakterienstämme Resistenzen gegen unterschiedliche Antibiotika aufwiesen: 25,3 Prozent der Stämme waren resistent gegen Tetrazyklin, 19.2 Prozent gegen Ciprofloxacin, und 16,2 Prozent der untersuchten Isolate wiesen eine Resistenz gegen Penicillin auf.  

Da diese Resistenzen zum großen Teil bekannt sind, wird die Gonorrhoe zurzeit leitliniengerecht mit einer Kombination aus zwei Antibiotika behandelt: Azithromycin und Ceftriaxon oder Cefixim. Diese kombinierte Behandlung war eingeführt worden, um eine Entwicklung von Resistenzen der Gonokokken gegen die Medikamente zu verhindern.

Gonorrhoe vielleicht bald nicht mehr effektiv behandelbar

Umso beunruhigender ist es, was die neue Studie nun offenbart: Die Resistenzen gegen Azithromycin sind demnach innerhalb von nur einem Jahr von 0,6 auf 2,5 Prozent angestiegen. Die Zahl der Ceftriaxon-Resistenzen hat sich von 0,4 auf 0,8 Prozent verdoppelt. Das erscheint zwar auf den ersten Blick noch relativ gering, doch die Studienautoren sind besorgt. „Es ist unklar, wie lange die kombinierte Therapie aus Azithromycin und Ceftriaxon noch effektiv sein wird, sollte die Zunahme der Resistenzen weiter andauern“, kommentierte Gail Bolan, Direktor der Abteilung für STI-Prävention des Centers for Disease Control and Prevention in den USA, die Ergebnisse.

Experten empfehlen schon seit längerem, anstelle einer rein symptomorientierten Diagnosestellung und Antibiotikaverordnung bei Gonorrhoe vor jeder Behandlung den spezifischen Erreger festzustellen sowie eine Resistenztestung anhand einer Kultur vorzunehmen. Wichtig ist zudem, immer auch den Partner des Patienten mitzubehandeln und den Therapieerfolg zu kontrollieren.

Foto: © royaltystockphoto - Fotolia.com

Autor: red
Hauptkategorie: Medizin

Weitere Nachrichten zum Thema sexuell übertragbare Krankheiten

| England meldet einen Fall von antibiotikaresistentem Tripper (Gonorrhoe). Doch der Mann dürfte kein Einzelfall bleiben: Wissenschaftler beobachten schon seit längerem eine Zunahme von Tripper-Stämmen, die auf Antibiotika nicht mehr ansprechen.

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

. Weitere Nachrichten
Seit einiger Zeit mehren sich die Hinweise, dass das sogenannte „Kuschelhormon“ Oxytocin Angststörungen reduzieren kann. Dies haben nun Forscher der Universität Regensburg bestätigt. Demnach kann Oxytocin soziale Phobien wirksam lindern.
. Fortbildungen Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender
. Termine Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender
. Kliniken
. Interviews
Das Chronische Fatigue Syndrom (CFS) bedeutet für viele Patienten meist einen weitgehenden Verlust ihres bisherigen Lebens. Dennoch gibt es bisher kaum wirksame Therapien und zu wenig Forschung. Gesundheitsstadt Berlin hat mit Professor Carmen Scheibenbogen über die Erkrankung und ihre Behandlungsmöglichkeiten gesprochen.
Die Hausärzte im Seeheilbad Büsum waren damals alles Männer im oder kurz vorm Rentenalter, ihre Einzelpraxen wollte niemand übernehmen. Um einen Zusammenbruch der medizinischen Versorgung zu verhindern, rang sich die Gemeinde dazu durch, selbst als Trägerin der örtlichen Arztpraxis aufzutreten – als erste bundesweit. In dem kommunalen Eigenbetrieb arbeiten heute fast nur junge Ärztinnen. Wie das ging und welche weiteren Modelle es gibt gegen den Ärztemangel auf dem Land, erzählt Initiator Harald Stender drei Jahre nach Gründung des Pioniermodells.