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Glioblastom: Neue Studie spricht für Radiochemotherapie bei Hochbetagten

Älteren Patienten mit Glioblastom wird in der Regel von einer Radiochemotherapie abgeraten. Jetzt stellt eine Studie aus Kanada das bisherige Vorgehen in Frage.
Nach einer neuen Studie ist die Radiochemotherapie auch für ältere Patienten mit Glioblastom geeignet. Das könnte sich bald in den Leitlinien niederschlagen

Nach einer neuen Studie ist die Radiochemotherapie auch für ältere Patienten mit Glioblastom geeignet. Das könnte sich bald in den Leitlinien niederschlagen

Chemotherapie oder Strahlentherapie? Vor diese Wahl werden Patienten mit Glioblastom gestellt, die das 65. Lebensjahr bereits überschritten haben. Letztendlich beantwortet bisher ein Biomarker die Frage. Die sogenannte MGMT-Promotor-Methylierung im Tumorgewebe gibt Auskunft, ob ein Patient eher von der Strahlentherapie oder von der Chemotherapie mit Temozolomid profitiert.

Eine Kombinationstherapie aus beidem, die Radiochemotherapie, ist bislang jüngeren Patienten mit Glioblastom vorbehalten. Denn die Behandlung ist belastend und die Nebenwirkungen von Strahlen- und Chemotherapie addieren sich. „Wir waren deshalb bisher sehr zurückhaltend, die Strahlentherapie in Kombination mit Chemotherapie älteren Patienten anzubieten, zumal diese häufig Begleiterkrankungen haben, die die Verträglichkeit der Behandlung verschlechtern können“, berichtet die Leiterin der Klinik für RadioOnkologie und Strahlentherapie an der Technischen Universität München Prof. Stephanie Combs.

Mit Radiochemotherapie sieben Wochen länger Überleben

Doch jetzt relativiert eine Studie aus Kanada diese Vorbehalte. Die Studie mit 562 Patienten im Alter zwischen 65 und 90 Jahren zeigte nämlich, dass auch Hochbetagte die Radiochemotherapie gut tolerieren und sogar länger lebten. Das progressionsfreie Überleben stieg von 3,9 auf 5,3 Monate und das Gesamtüberleben von 7,6 auf 9,3 Monate.

Die Radiochemotherapie habe zwar einige Nebenwirkungen wie Übelkeit und Erbrechen verstärkt, jedoch habe die Lebensqualität insgesamt nicht gelitten, meint Combs, die auch Pressesprecherin der Deutschen Gesellschaft für Radioonkologie ist. „Für die meisten Patienten ist es entscheidend, dass der Tumor möglichst lange zurückgedrängt wird und sie länger leben. Beides ist in der Studie gelungen.“

 

Änderung der Leitlinien?

Die Fachwelt diskutiert nun, welche Konsequenzen aus den Erkenntnissen gezogen werden sollen. Der Neuroonkologe Professor Wolfgang Wick vom Universitätsklinikum Heidelberg und Sprecher der Neuroonkologische Arbeitsgemeinschaft (NOA) ist überzeugt, dass die kanadische Studie die Empfehlungen in den Leitlinien zur Behandlung von älteren Patienten mit Glioblastom verändern wird. Vor dem Hintergrund, dass in der Studie auch Patienten mit ungünstigen MGMT-Status von der Radiochemotherapie profitiert haben, sieht Wick auch die bisher durchgeführte Testung kritisch. „Auf den Biomarker MGMT sollte nur getestet werden, wenn die Behandler eine Konsequenz daraus ziehen wollen“, sagte Wick. Derzeit werde aber die Testung weiterhin empfohlen.

Über die Strahlendosis wird derzeit ebenfalls noch diskutiert. In  der kanadischen Studie wurden die Patienten nur 15 Wochen lang bestrahlt, während in Deutschland 30 Wochen üblich sind. Dementsprechend ist auch die Zeit der Chemotherapie länger. Weitere Studien sollen klären, wie diese Diskrepanz aufzulösen ist.

Foto: © Photographee.eu - Fotolia.com

Autor: ham
 

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