Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 
15.04.2017

Glioblastom: Neue Studie spricht für Radiochemotherapie bei Hochbetagten

Älteren Patienten mit Glioblastom wird in der Regel von einer Radiochemotherapie abgeraten. Jetzt stellt eine Studie aus Kanada das bisherige Vorgehen in Frage.
Nach einer neuen Studie ist die Radiochemotherapie auch für ältere Patienten mit Glioblastom geeignet. Das könnte sich bald in den Leitlinien niederschlagen

Nach einer neuen Studie ist die Radiochemotherapie auch für ältere Patienten mit Glioblastom geeignet. Das könnte sich bald in den Leitlinien niederschlagen

Chemotherapie oder Strahlentherapie? Vor diese Wahl werden Patienten mit Glioblastom gestellt, die das 65. Lebensjahr bereits überschritten haben. Letztendlich beantwortet bisher ein Biomarker die Frage. Die sogenannte MGMT-Promotor-Methylierung im Tumorgewebe gibt Auskunft, ob ein Patient eher von der Strahlentherapie oder von der Chemotherapie mit Temozolomid profitiert.

Eine Kombinationstherapie aus beidem, die Radiochemotherapie, ist bislang jüngeren Patienten mit Glioblastom vorbehalten. Denn die Behandlung ist belastend und die Nebenwirkungen von Strahlen- und Chemotherapie addieren sich. „Wir waren deshalb bisher sehr zurückhaltend, die Strahlentherapie in Kombination mit Chemotherapie älteren Patienten anzubieten, zumal diese häufig Begleiterkrankungen haben, die die Verträglichkeit der Behandlung verschlechtern können“, berichtet die Leiterin der Klinik für RadioOnkologie und Strahlentherapie an der Technischen Universität München Prof. Stephanie Combs.

Mit Radiochemotherapie sieben Wochen länger Überleben

Doch jetzt relativiert eine Studie aus Kanada diese Vorbehalte. Die Studie mit 562 Patienten im Alter zwischen 65 und 90 Jahren zeigte nämlich, dass auch Hochbetagte die Radiochemotherapie gut tolerieren und sogar länger lebten. Das progressionsfreie Überleben stieg von 3,9 auf 5,3 Monate und das Gesamtüberleben von 7,6 auf 9,3 Monate.

Die Radiochemotherapie habe zwar einige Nebenwirkungen wie Übelkeit und Erbrechen verstärkt, jedoch habe die Lebensqualität insgesamt nicht gelitten, meint Combs, die auch Pressesprecherin der Deutschen Gesellschaft für Radioonkologie ist. „Für die meisten Patienten ist es entscheidend, dass der Tumor möglichst lange zurückgedrängt wird und sie länger leben. Beides ist in der Studie gelungen.“

 

Änderung der Leitlinien?

Die Fachwelt diskutiert nun, welche Konsequenzen aus den Erkenntnissen gezogen werden sollen. Der Neuroonkologe Professor Wolfgang Wick vom Universitätsklinikum Heidelberg und Sprecher der Neuroonkologische Arbeitsgemeinschaft (NOA) ist überzeugt, dass die kanadische Studie die Empfehlungen in den Leitlinien zur Behandlung von älteren Patienten mit Glioblastom verändern wird. Vor dem Hintergrund, dass in der Studie auch Patienten mit ungünstigen MGMT-Status von der Radiochemotherapie profitiert haben, sieht Wick auch die bisher durchgeführte Testung kritisch. „Auf den Biomarker MGMT sollte nur getestet werden, wenn die Behandler eine Konsequenz daraus ziehen wollen“, sagte Wick. Derzeit werde aber die Testung weiterhin empfohlen.

Über die Strahlendosis wird derzeit ebenfalls noch diskutiert. In  der kanadischen Studie wurden die Patienten nur 15 Wochen lang bestrahlt, während in Deutschland 30 Wochen üblich sind. Dementsprechend ist auch die Zeit der Chemotherapie länger. Weitere Studien sollen klären, wie diese Diskrepanz aufzulösen ist.

Foto: © Photographee.eu - Fotolia.com

Autor: ham
 

Weitere Nachrichten zum Thema Glioblastom

26.02.2019

In der Chemotherapie des Glioblastoms gibt es Fortschritte: Forscher konnten zeigen, dass bei etwa einem Drittel der Patienten eine Form vorliegt, die besonders gut auf eine spezielle Art der Therapie anspricht.

Aktuelle Nachrichten

Mehr zum Thema
 
Weitere Nachrichten
Schwere Unfälle oder Tumor-Erkrankungen können das Gesicht massiv entstellen. Dank computerassistierter Techniken kann der langwierige und sehr belastende Zeitraum für die Wiederherstellung des Gesichts abgekürzt werden. Meist muss nur noch einmal operiert werden – auch weil Implantate mittels 3-D-Drucker schnell und patientenindividuell hergestellt werden können.

Weil Corona so oft asymptomatisch verläuft, kann über die Dunkelziffer nur spekuliert werden. Licht ins Dunkel bringt nun eine Studie Helmholtz Zentrums München. Danach waren in zweiten Corona-Welle waren drei- bis viermal mehr Kinder in Bayern mit SARS-CoV-2 infiziert, als über PCR-Tests gemeldet.

 
Interviews
Wegen Corona suchen Patienten mit psychischen Erkrankungen oft erst spät Hilfe. Auch der Wiedereinstieg in den Alltag ist häufig erschwert. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Chefarzt der Psychiatrisch-Psychosomatischen Tagesklinik Waldfriede Dr. med. Herald Hopf darüber gesprochen, wie sich die COVID-19-Pandemie auf die Psyche auswirkt und welche Veränderungen im klinischen Alltag zu bemerken sind.

Unter dem Stichwort der „harm reduction“ werden E-Zigaretten vielfach als weniger gefährlich bezeichnet als herkömmliche Zigaretten und sogar zur Raucherentwöhnung empfohlen. Die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) widerspricht dieser Darstellung deutlich. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Pneumologen Professor Wulf Pankow über die Gefahren durch E-Zigaretten und geeignete Methoden für den Rauchentzug gesprochen.

Der klassische Medikationsprozess im Krankenhaus ist fehleranfällig. Untersuchungen untermauern das. Dabei könnte die Digitalisierung die Arzneimitteltherapie wesentlich sicherer machen. Das Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf (UKE) hat schon vor Jahren auf ein Closed Loop Medication Management umgestellt. Gesundheitsstadt Berlin hat mit UKE-Krankenhausapothekerin PD Dr. Claudia Langebrake über die Vorteile des digitalen Medikationsprozesses gesprochen.
Logo Gesundheitsstadt Berlin