. Hirntumor

Glioblastom: Längeres Überleben mit Tumortherapiefeldern

Das Glioblastom ist ein aggressiver Hirntumor, für den es bislang keine Heilung gibt. Mit einem neuen Behandlungsansatz, den sogenannten Tumortherapiefeldern (TTF), soll das Tumorwachstum verlangsamt werden. In einer Nutzenbewertung konnte nun gezeigt werden, dass Patienten durch die Methode tatsächlich länger leben können.
Hirntumor, Glioblastom, Tumortherapiefelder, TFF

Das Glioblastom ist bislang nicht heilbar

Das Glioblastom ist ein meist im späten Erwachsenenalter auftretender, aggressiver Gehirntumor. Bereits zwei Jahre nach der Diagnose sind nur noch 13,6 Prozent der Betroffenen am Leben. Die Standardbehandlung besteht aus einer Operation, gefolgt von Bestrahlung und Chemotherapie. Ergänzend steht seit einiger Zeit auch eine Behandlung mit Tumortherapiefeldern (TTF) zur Verfügung. Dabei werden elektromagnetische Impulse in den Tumor geschickt. Ziel der Therapie ist es, die Zellteilung zu behindern, was zum Absterben sich schnellteilender Tumorzellen führen soll. Die Krankenkassen übernehmen die Therapiekosten bisher nur in Einzelfällen.

TFF verlängt Überlebenszeit

Nun hat das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) im Auftrag des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) geprüft, ob die Tumorfeldtherapie Vorteile bietet, wenn sie zusätzlich zur Standardtherapie eingesetzt wird. Wie die Ergebnisse einer jüngst publizierten Studie zeigen, ist dies tatsächlich der Fall: Betroffene überleben demnach mit TTF länger.

Zudem beeinträchtigt sie den Ergebnissen zufolge die Lebensqualität nicht – was insofern erstaunlich ist, da sie durchaus belastend ist. Denn die Patienten müssen den mehrere Kilogramm schweren Generator etwa 18 Stunden am Tag in einer Tasche bei sich haben und eine optisch auffällige, mit einem Kabelstrang verbundene Haube auf dem Kopf tragen. Auch muss die Kopfhaut rasiert sein, damit die Elektorstimulation über spezielle Gelpads am Kopf funktionieren kann.

 

Offenbar keine Einschränkung der Lebensqualität

Wie das IQWiG mitteilt, konnte große randomisierte Studie zeigen, dass die zusätzlich mit TTF behandelten Patienten im Durchschnitt fast fünf Monate länger lebten als die Kontrollgruppe. Als Nebenwirkung trat bei den Patienten vor allem ein Jucken der Haut auf. Bei den Punkten „kognitive Leistungsfähigkeit“ und „Aktivitäten des täglichen Lebens“ schnitt die Therapiegruppe besser ab als die Kontrollgruppe.  

Weder Vorteile noch Nachteile hatten die Tumortherapiefelder der Studie zufolge in Hinblick auf die Endpunkte „gesundheitsbezogene Lebensqualität“ und „soziale Funktion“. Allerdings, so das IQWiG, lassen sich die positiven Ergebnisse dieser einen Studie nicht auf alle Patienten mit Glioblastom übertragen. Denn die Teilnehmer befanden sich in einem vergleichsweise guten körperlichen Zustand, der es ihnen ermöglichte, ihren Alltag ohne größere Einschränkungen zu gestalten. Zudem war sichergestellt, dass alle das Chemotherapeutikum, das sie zusätzlich erhielten, vertrugen. Dennoch sieht das IQWiG in der Gesamtbewertung einen Hinweis auf einen höheren Nutzen der TTF im Vergleich zur Standardtherapie.

Foto: © peterschreiber.media - Fotolia.com

Autor: anvo
Hauptkategorien: Medizin , Gesundheitspolitik
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Glioblastom , Krebs
 

Weitere Nachrichten zum Thema Glioblastom

| In der Chemotherapie des Glioblastoms gibt es Fortschritte: Forscher konnten zeigen, dass bei etwa einem Drittel der Patienten eine Form vorliegt, die besonders gut auf eine spezielle Art der Therapie anspricht.
 
 

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

 
. Weitere Nachrichten
Immer öfter klagen Verbraucher nach dem Verzehr von Produkten aus Weizenmehl über gesundheitliche Probleme. Kurios dabei ist: Manche vertragen die Brötchen vom einen Bäcker nicht, die vom anderen schon. Viele haben Probleme mit Weizen, aber nicht mit Dinkel – dabei sind beide Getreide eng verwandt. Ein Forschungsprojekt der Uni Hohenheim liefert neue Erkenntnisse darüber, warum.
Müdigkeit ist in der Regel ein normales, gesundes Gefühl, das uns darauf aufmerksam macht, dass wir Erholung brauchen. Doch manche Menschen fühlen sich immer müde, auch wenn sie ausreichend schlafen. Dann können ernsthafte Erkrankungen dahinterstecken.
Psychedelische Substanzen wie LSD oder Ketamin sind illegale Drogen. Doch Menschen mit schwer behandelbaren Depressionen können die Psychedelika (eng. Psychedelics) mitunter helfen. Der Psychiater Prof. Bernhard Baune vom Universitätsklinikum Münster fasst den aktuellen Stand der Forschung zusammen.
 
 
. Interviews
Der klassische Medikationsprozess im Krankenhaus ist fehleranfällig. Untersuchungen untermauern das. Dabei könnte die Digitalisierung die Arzneimitteltherapie wesentlich sicherer machen. Das Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf (UKE) hat schon vor Jahren auf ein Closed Loop Medication Management umgestellt. Gesundheitsstadt Berlin hat mit UKE-Krankenhausapothekerin PD Dr. Claudia Langebrake über die Vorteile des digitalen Medikationsprozesses gesprochen.
Hitzewellen sind eine reale Gefahr für die Gesundheit und lassen die Mortalitätsrate ansteigen. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem wissenschaftlichen Leiter des Zentrums für Medizin-Meteorologische Forschung des Deutschen Wetterdienstes (DWD) in Freiburg, Prof. Dr. Andreas Matzarakis, über Hitzewarnsysteme und die Auswirkungen von Hitzewellen auf unsere Gesundheit gesprochen.
Das Essen in deutschen Krankenhäusern hat keinen besonders guten Ruf. Dabei lässt sich mit wenig Mehraufwand viel erreichen. Der Internist und Ernährungsmediziner Prof. Dr. Christian Löser erklärt die medizinischen und ökomischen Effekte einer gesunden Ernährung im Krankenhaus.