, aktualisiert: 
. Individuelle Gesundheitsleistungen / Ultraschall in der Schwangerschaft

Glaukom-Vorsorge: IGeL-Monitor beeinflusst Patientenmeinung

Die Informationen des IGeL-Monitors der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) beeinflussen Patienten bei ihrer Entscheidung für oder gegen eine Glaukom-Vorsorge. Neu bewertet sind jetzt zusätzliche Ultraschalluntersuchungen in der Schwangerschaft.
Individuelle Gesundheitsleistungen wie Glaukomvorsorge oder zusätzlicher Schwangeren-Ultraschall sind umstritten.

Glaukomvorsorge auf eigene Kosten - ja oder nein? Informierte Patienten entscheiden anders.

Der IGeL-Monitor wird vom Medizinischen Dienst des GKV-Spitzenverbands der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) betrieben. Er veröffentlicht in loser Folge Bewertungen von IGeL-Leistungen, die Wissenschaftler anhand von medizinischen Datenbanken erstellt haben. Inzwischen sind 41 Bewertungen veröffentlicht.

„Unsere Bewertungen zeigen, dass vieles, was in den Praxen angeboten wird, der wissenschaftlichen Bewertung nicht Stand hält. Beim überwiegenden Teil können wir nicht von Hinweisen für einen Nutzen, sondern eher von Hinweisen für einen Schaden für den Patienten sprechen“, sagt Dr. Michaela Eikermann, Leiterin des Bereichs Evidenzbasierte Medizin beim MDS.

Zusätzlicher Schwangerschafts-Ultraschall: Nutzen unklar

Das Spektrum des Bewertungsportals der GKV reicht von Akupunktur in der Schwangerschaft über Lichttherapie bei saisonal depressiver Störung bis hin zur Bestimmung des Immunglobin G (IgG) gegen Nahrungsmittel. Die neueste Bewertung gilt zusätzlichen Ultraschalluntersuchungen in der Schwangerschaft, dem sogenannten Babyfernsehen. Das Ergebnis: Der Nutzen sei unklar, urteilten die Wissenschaftler.

„Ergänzende Ultraschalluntersuchungen, die über die üblichen Vorsorgeleistungen der gesetzlichen Krankenversicherung hinausgehen, schaden nicht. Sie nützen aber auch nicht“, so Eikermann. Es sei unbedenklich, wenn Eltern die Entwicklung ihres Kindes im sogenannten Babyfernsehen mitverfolgen möchten. „Aber wer diese IGeL nicht in Anspruch nehmen möchte oder kann, der braucht kein schlechtes Gewissen haben“, so Eikermann weiter.

Sehr beliebter IGeL: Glaukomvorsorge

Bei der Evaluation zum IGeL-Monitor gaben etwas mehr als ein Viertel der Versicherten an, dass sie schon einmal IGeL genutzt haben. Gleichzeitig sehen aber zwei von drei Befragten IGeL kritisch. Unzufrieden zeigen sich viele mit den Informationen der Ärzte über mögliche Schäden von IGeL. Nur jeder vierte ist damit zufrieden.

Dagegen bekommt der IGeL-Monitor überwiegend gute Noten: Vier von fünf Befragten halten die Informationen für hilfreich und den IGeL-Monitor für glaubwürdig. Sie lassen sich auch in ihrer Entscheidung für oder gegen eine IGeL von dem GKV-Angebot beeinflussen. So gaben drei Viertel der befragten Nutzer einer Gluakomvorsorge an, dass sie ihre Entscheidung überdenken würden, nachdem sie die Kurzinformation des IGeL-Monitor über die Glaukomvorsorge gelesen hatten.

Der Informationsbedarf der Patienten ist groß. Zwischen 1000 und 3000 Besucher zählt das Bewertungsportal an normalen Tagen, an Spitzentagen bis zu 45.000. „Anliegen des IGeL-Monitors ist es, das Informationsgefälle zwischen Arzt und Patient zu verringern. Die Patienten sollen als informierte Patienten entscheiden können“, erläutert Pick.

Foto: jyleken – fotolia.com

Hauptkategorie: Gesundheitspolitik
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: IGeL , Glaukomvorsorge , Glaukom , Ultraschall (Sonografie) , Schwangerschaft , GKV-Spitzenverband

Weitere Nachrichten zum Thema Individuelle Gesundheitsleistungen

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

. Weitere Nachrichten
Darmbakterien können Multiple Sklerose auslösen. Das stellten Münchner Forscher fest. Sie untersuchten das Mikrobiom gesunder und an MS erkrankter, eineiiger Zwillinge.
Ablehnen und erst nach Widerspruch genehmigen – das scheint gängige Praxis der Krankenkassen bei Anträgen auf Mutter-/Vater-Kind-Kuren zu sein. Die Patientenbeauftragte der Bundesregierung Ingrid Fischbach kritisiert diese „Missstände im Genehmigungsverhalten“.
. Veranstaltungen
loading...
Terminkalender
. Personen Hauptstadtregion
. Interviews
Die Blutvergiftung, fachsprachlich „Sepsis“, ist nach Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs die dritthäufigste Todesursache in Deutschland. Und sie gilt als die am häufigsten vermeidbare. Gesundheitsstadt Berlin hat anlässlich des Welt-Sepsis-Tags am 13. September mit Prof. Konrad Reinhart von der Universität Jena über das Thema gesprochen. Der Vorsitzende der deutschen Sepsis-Stiftung vertritt die These: Die tatsächliche Zahl der Sepsis-Fälle ist doppelt so hoch wie die der registrierten.
Kinder suchtkranker Eltern sind besonderen Belastungen ausgesetzt und haben ein hohes Risiko, später selbst eine Sucht oder andere psychische Erkrankungen zu entwickeln. Gesundheitsstadt Berlin hat mit der Drogenbeauftragten der Bundesregierung Marlene Mortler über die Situation betroffener Kinder und die Notwendigkeit von Unterstützungsangeboten gesprochen.
Die Berichterstattung über Methadon als Krebsmittel weckt große Hoffnungen. Doch wie sieht eigentlich die rechtliche Seite aus, wenn Ärzte ein Medikament außerhalb des Zulassungsbereichs (Off-Label) verschreiben? Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Medizinrechtler Prof. Dr. Christian Dierks gesprochen, welche Risiken Ärzte eingehen und ob Patienten einen Anspruch auf einen individuellen Heilversuch mit Methadon haben.