. Leitlinien bei Gicht

Gicht-Therapieempfehlungen häufig nicht umgesetzt

Gicht kann sehr schmerzhaft sein, ist aber mit den richtigen Therapiemaßnahmen in der Regel gut behandelbar. Das Ziel ist eine schnelle Reduktion der Schmerzen und Entzündungen. Wissenschaftler kritisieren jedoch, dass die Versorgung von Gichtpatienten häufig nicht den Leitlinien entspricht.
Gicht - Therapieempfehlungen

Bei einem akuten Gichtanfall sollten Schmerzen und Entzündungen möglichst schnell reduziert werden

Gicht entsteht durch einen zu hohen Harnsäurespiegel im Blut (Hyperurikämie), wodurch es zu einer Ablagerung von Harnsäurekristallen in den Gelenken oder im gelenknahen Gewebe kommt. Zeichen eines akuten Gichtanfalls sind Schmerzen, Rötungen, Schwellungen und Überwärmung des betroffenen Gelenks sowie eine starke Berührungsempfindlichkeit. Auch Fieber, Kopfschmerzen und Übelkeit können auftreten. Nach Angaben der European League Against Rheumatism (EULAR) sind etwa ein bis zwei Prozent der erwachsenen Bevölkerung von Gicht betroffen, bei den über 65-Jährigen sind es sogar rund sieben Prozent.

So schmerzhaft Gicht ist, so gut ist sie in der Regel doch behandelbar, so dass ein akuter Gichtanfall meist schnell zurückgedrängt werden kann. Doch obwohl die rheumatologischen und allgemeinme­dizinischen Fachgesellschaften in den vergangenen Jahren ihre Leitlinien zur Therapie der Gicht aktualisiert haben, entspricht die Versorgung in vielen Punkten nicht dem aktuellen wissenschaftlichen Stand – das kritisieren Forscher um Bettina Engel vom Institut für Hausarztmedizin in Bonn.

Nicht alle Patienten benötigen Medikamente

Die Autoren monieren unter anderem das fehlende Monitoring während einer Therapie mit harnsäuresenkenden Medikamenten sowie die Überversorgung mit Allopurinol bei asymptomatischen Patienten mit Hyperurikämie. So hat eine Studie aus dem Jahr 2014 ergeben, dass etwa 60 Prozent der Hausärzte auch asymptomatische Patienten ohne Gichtanfälle medikamentös behandeln, wenn der Harnsäurespiegel über 8 mg/dl liegt – obwohl das nach der aktuellen Studienlage nicht generell empfohlen werden kann.

Erst kürzlich hatten die Bonner Ärzte nach einer selektiven Literaturanalyse Therapieempfehlungen gegeben, die im Deutschen Ärzteblatt veröffentlicht wurden. Demnach zählen zu den nichtmedikamentösen Therapien bei Gicht unter anderem Ernährungsempfehlungen sowie die Hochlagerung und die Kühlung des Gelenks bei einem akuten Anfall. Die langfristige Wirkung von bestimmten Ernährungsregeln bei Gicht konnte zwar noch nicht durch randomisierte kontrollierte Studien bestätigt werden. Dennoch gibt es nach Ansicht der Autoren eine Reihe von Hinweisen, dass es bei Gicht sinnvoll ist, die Purinaufnahme zu verringern, den Alkoholkonsum einzuschränken sowie Übergewicht abzubauen. Purin ist vor allem in Fleisch, bestimmten Gemüsesorten, Krustentieren und Hülsenfrüchten vorhanden - diese Nahrungsmittel sollten daher nur in Maßen genossen werden.

 

Bei akutem Gichtanfall Entzündungen rasch senken

Medikamentöse Therapien mit nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR), Glukokortikoiden und Colchizin zielen darauf ab, bei einem akuten Gichtanfall möglichst schnell Schmerzfreiheit zu erreichen sowie die Gelenkentzündung zurückzudrängen. Untersuchungen haben gezeigt, dass ein Gichtanfall ohne medikamentöse Therapie zwischen drei Tagen und zwei Wochen dauert, während die Symptome durch Medikamente in der Regel innerhalb von 24 Stunden gelindert werden können.

Die Autoren machen auch darauf aufmerksam, dass bei einer Unverträglichkeit oder Kontraindikation von NSAR, Colchizin oder Kortison Interleukin-1 als Alternative in Betracht gezogen werden kann. Kontraindiziert sind bei einem akuten Gichtanfall hingegen harnsäuresenkende Medikamente. Sie werden zwar bei chronischer Gicht verschrieben, können jedoch zunächst zu einem akuten Gichtanfall führen oder diesen verstärken. Wird ein Patient jedoch schon über längere Zeit mit harnsäuresenkende Medikamenten behandelt, sollte die Therapie auch im akuten Gichtanfall fortgeführt werden.

Foto: © Astrid Gast - Fotolia.com

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Hauptkategorie: Medizin
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