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Gicht-Medikament Colchicin hilft bei koronarer Herzkrankheit

Das Gicht-Medikament Colchicin könnte bei koronarer Herzkrankheit helfen und so einem Herzinfarkt vorbeugen. Das zeigt eine aktuelle Studie australischer Forscher.
Herzanfall

Ein Gicht-Medikament könnte Patienten mit koronarer Herzkrankheit helfen

Colchicin ist ein Gift aus den Samen von Herbstzeitlosen, das wegen seiner entzündungshemmenden Wirkung zur Behandlung von Gicht und Rheuma eingesetzt wird. Im Rahmen einer Studie wurde das Medikament Patienten mit koronarer Herzkrankheit verabreicht. Die Arznei senkte die Entzündungswerte und minderte die Bildung instabiler Plaques, die zu Atherosklerose führen - eine der häufigsten Ursachen für Herzinfarkte. Das berichtet Prof. Helmut Schatz von der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie (DGE).

Entzündungsmarker nahm unter Colchicin stärker ab

An der Studie von Forschern des Royal Prince Alfred Hospital in Sydney nahmen 80 Patienten mit koronarer Herzkrankheit teil, die bereits die optimale medikamentöse Therapie erhielten. So nahmen sie unter anderen Statine, um den LDL-Wert, also den Wert des „schlechten“ Cholesterins, auf unter 70ng/dl Blut zu senken.

Die eine Hälfte der Gruppe nahm zusätzlich 0,5 mg/Tag Colchicin ein, die andere nicht. Ergebnis: Das hochsensitive C-reaktive Protein (hs-CRP) sank in der Colchicin-Gruppe stärker und betrug 0,3 mg/l Blut, im Vergleich zu 1,10 mg/l. hs-CRP ist ein Protein, das der Körper bildet, wenn eine Infektion das Immunsystem aktiviert und eine Entzündung ausgelöst hat. Es gilt als zuverlässiger Entzündungsmarker.

 

Gicht-Medikament Colchicin hilft bei koronarer Herzkrankheit

Die Probanden wurden außerdem computertomographisch untersucht. Das low-attenuation plaque volumen, also die Anfälligkeit für eine Plaquebildung in den Koronar-Arterien, sank in der Colchicin-Gruppe stärker als in der unbehandelten Gruppe (15.9 mm3 zu 6.6 mm3). Derzeit wird die Wirkung des Gicht-Medikaments bei koronarer Herzkrankheit in zwei weiteren Studien getestet, an 3.000 Patienten mit stabiler koronarer Herzkrankheit sowie an 4.000 Patienten nach frischem Herzinfarkt.

Antikörper hemmen entzündungsfördernde Interleukine

Entzündungshemmer als Therapie-Option bei koronarer Herzkrankheit rücken zunehmend ins Blickfeld, berichtet Prof. Schatz weiter in einer DGE-Mitteilung. So wurde in der im Oktober 2017 veröffentlichten CANTOS-Studie der Interleukin (IL)-1ß-Antikörper Canakinumab bei Patienten mit Herzinfarkt in der Vorgeschichte und erhöhten  Entzündungswerten eingesetzt. Er reduzierte das Risiko für Plaquebildung/Atherosklerose. Dieser Antikörper ist hierzulande unter dem Markennamen Ilaris unter anderen für die Behandlung der schweren Gicht (Arthritis urica) zugelassen.

Eine weitere Studie zeigte unter dem Gicht-Medikament Colchicin eine Abnahme der Interleukine IL -1ß, IL-18 und IL-6. Interleukine spielen eine wichtige Rolle im Immunsystem und halten Entzündungen in Gang. Werden sie durch Antikörper blockiert und können nicht an ihren Rezeptoren andocken, dämpft das die - in dem Fall unerwünschte - Immunantwort. Eine solche liegt bei chronischen Entzündungen wie bei rheumatoider Arthritis, Psoriasis oder chronischer Gicht vor.

Foto: syda productions/fotolia.com

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