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Gibt es bald ein Medikament gegen Brustkrebs-Metastasen?

Wenn sich bei Brustkrebspatientinnen Metastasen bilden, sinken die Heilungschancen erheblich. Nun wollen Schweizer Forscher einen Wirkstoff entdeckt haben, der die Bildung der gefährlichen Tumorabsiedlungen verhindert. Eine klinische Studie soll folgen.
Brustkrebs Metastasen

Ob der neu identifizierte Wirkstoff bei Brustkrebspatientinnen die Bildung von Metastasen verhindern kann, müssen klinische Studien zeigen

Brustkrebs kann heute in über 80 Prozent der Fälle geheilt werden - sofern er rechtzeitig entdeckt wird. Doch wenn sich bereits Metastasen im Körper ausgebreitet haben, verschlechtert sich die Prognose dramatisch. Wissenschaftler der Universität Basel haben deshalb gezielt nach Wirkstoffen gesucht, die die Bildung von Metastasen verhindern. Dafür testeten sie fast 2.500 Substanzen, die von der US-Arzneimittelbehörde FDA für unterschiedliche Indikationen zugelassen sind. Wie das Team um Prof. Nicola Aceto am Departement Biomedizin von Universität und Universitätsspital Basel nun in der Fachzeitschrift „Cell“ berichten, war tatsächlich ein Wirkstoff dabei, der die Verbreitung von bösartigen Krebszellen hemmt und gleichzeitig die Bildung von Metastasen verhindern kann.

Zirkulierende Tumorzellen sind Vorläufer von Metastasen

«Wir wollten nicht dem Standardansatz folgen und Wirkstoffe suchen, die Krebszellen abtöten. Vielmehr ging es uns darum, Medikamente zu identifizieren, mit denen die Zellcluster unwirksam gemacht werden können», sagt Nicola Aceto, Inhaber eines ERC Starting Grants und einer Professur des Schweizer Nationalfonds (SNF).

Mit Zellcluster sind zirkulierende Tumorzellen (CTCs) gemeint, die sich vom Primärtumor ablösen und über die Blutbahn in andere Körperregionen gelangen, etwa in die Knochen oder in das Gehirn. Dort bilden die abgewanderten Tumorzellen dann die gefürchteten Fernmetastasen. Die zirkulierenden Tumorzellen können einzeln oder als Zellverbände im Blut eines Patienten unterwegs sein. Insbesondere die Tumorzellverbände (CTC-Cluster) gelten als Vorläufer von Metastasen.

Chemische Veränderungen rückgängig gemacht

Die Schweizer Forscher hatten festgestellt, dass im Zuge der Cluster-Bildung eine chemische Veränderung auf Zellebene stattfindet, wodurch Gene an- und ausgeschaltet werden. Diese sogenannten epigenetischen Veränderungen ermöglichen es den CTC-Clustern, einige Eigenschaften von embryonalen Stammzellenanzunehmen, etwa die Fähigkeit unkontrolliert zu wachsen und verschiedene Gewebetypen hervorzubringen.

In ihrer Arbeit konnten die Wissenschaftler jetzt zeigen, dass diese epigenetischen Veränderungen vollständig umkehrbar sind, wenn es gelingt, die Zellverbände wieder in ihre Einzelzellen aufzutrennen. Und zwar mit dem soeben identifizierten Wirkstoff. „Die medikamentöse Auftrennung in Einzelzellen führt dazu, dass die epigenetischen Veränderungen rückgängig gemacht werden und die Bildung von neuen Metastasen verhindert wird“, beschreibt Aceto die Entdeckung, an der neben Klinikern auch Molekularbiologen und Bioinformatiker mitgewirkt haben und neue Technologieplattformen zum Einsatz kamen.

Klinische Studie mit Brustkrebspatientinnen geplant

Wie geht es nun weiter? Dazu Aceto: „Wir arbeiten bereits am nächsten Schritt, der Durchführung einer klinischen Studie mit Brustkrebspatientinnen“.

Üblicherweise dauert es zehn Jahre von der Entdeckung eines neuen Wirkstoffs bis zur Zulassung eines Medikaments. In diesem Fall könnte es schneller gehen, da der identifizierte Wirkstoff gegen Brustkrebs-Metastasen bereits für eine andere Indikation zugelassen ist.

Foto: photographee.eu/fotolia.com

Autor: ham
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