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Gewalt in der Familie pflanzt sich fort

Gewalt in der Familie wird oft von Generation zu Generation weitergegeben. Charité-Wissenschaftler erforschen, wie dieser Teufelskreislauf durchbrochen werden kann.
Forschung gegen Gewalt in der Familie

Forschung gegen Gewalt in der Familie

Es geht um Missbrauch, Vernachlässigung und Gewalt gegen Kinder und Jugendlich in der Familie, und es geht um Kinderschutz: Im Rahmen eines im Juli 2012 gestarteten BMBF-Forschungsprojektes untersuchen Charité-Wissenschaftler gemeinsam mit Kollegen der Universitätskliniken Heidelberg, Aachen und Magdeburg die Ursachen von Gewalt in der Familie, um ihr wirksam begegnen zu können. Das Projekt "Von Generation zu Generation: Den Teufelskreis der Traumatisierung verstehen und durchbrechen" wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) über die nächsten drei Jahre mit insgesamt 2,1 Millionen Euro gefördert.

Traumatische Erfahrungen aus der Kindheit werden weitergegeben

Mütter, die in ihrer Kindheit oder Jugend selbst Opfer von Missbrauch und Vernachlässigung durch enge Bezugspersonen wurden, leiden ein Leben lang unter den Folgen. Dass sie häufig ihre eigenen Erfahrungen an ihre Kinder weitergeben, obwohl sie es eigentlich besser machen wollen, ist Ärzten hinlänglich bekannt. "Die Übertragung von Gewalt in die nächste Generation beobachten wir leider häufig in der Klinik", sagte Prof. Felix Bermpohl von der Psychiatrischen Universitätsklinik der Charité im St. Hedwigs Krankenhaus. Auch andere Berufsgruppen im Gesundheitswesen bestätigen diese Beobachtung. In vielen Fällen sei die elterliche Fürsorgefähigkeit beeinträchtigt. Den Müttern gelinge es nicht, die Gefühle ihrer Kinder einzuordnen und angemessen zu reagieren.

"Dieser 'cycle of abuse' kann sich über Generationen fortsetzen", sagte Romuald Brunner von der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie am Universitätsklinikum Heidelberg anlässlich des Starts des Forschungsprojekts. "Wir betreiben Grundlagenforschung und klinische Anwendung." So wollen die Wissenschaftler in den kommenden drei Jahren eine Datengrundlage schaffen, um die Weitergabe traumatischer Erfahrungen besser zu verstehen und letztlich Kindesmissbrauch zu verhindern. Im Zentrum stehen Mütter mit schwer belasteten Lebenserfahrungen, depressiven Störungen oder junge Mütter.

Kinderschutz steht im Mittelpunkt des Forschungsvorhabens "Von Generation zu Generation"

Das Projekt vergleicht unter anderem die Wirksamkeit von Programmen mit einem besonderen Schwerpunkt auf Mutter-Kind-Interaktionen. Ein Tiermodell unter kontrollierbaren Bedingungen soll zudem zeigen, welche epigenetischen und hirnfunktionellen Mechanismen bei der familiären Übertragung einer dysfunktionalen Mutter-Kind-Bindung eine Rolle spielen.

"Wir erhoffen uns Antworten auf die Frage, wie wir das Leben noch ungeborener Kinder oder junger Säuglinge von traumatisierten Eltern besser vor den oft lebenslangen Folgen schützen können", sagte Prof. Annette Grüters-Kieslich, Dekanin der Charité. Das BMBF fördert dieses Forschungsvorhaben als Teil des Forschungsnetzes "Missbrauch, Vernachlässigung und Gewalt im Kindes- und Jugendalter".

Foto: DAK/Wigger

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