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Gesundheitsrisiken in Lebensmitteln: Konsumenten vertrauen der Wissenschaft

Antibiotika im Putensteak, Mikroplastik im Fisch, Tomatensoße für Kinder mit einer doppelten Portion Zucker: Das Interesse an Themen des gesundheitlichen Verbraucherschutzes ist groß. Zwei Drittel der Konsumenten vertrauen der Wissenschaft, dass sie sie vor Gesundheitsschäden und Mogeleien schützt. Andere Akteure wie die Politik schneiden dagegen schlecht ab.
Hackfleisch zur Untersuchung im Labor für Lebensmittelanalyse.

Pferdefleisch in Tiefkühl-Lasagne, Pflanzenschutzmittel in Eiern, Kakerlaken in der Brezelbäckerei: Immer wieder missbrauchen Hersteller mit manipulierten oder verdorbenen Nahrungsmitteln das Vertrauen der Verbraucher.

Wer schützt mich als Verbraucher am besten vor ungesunden oder sogar schädlichen Lebensmitteln? Zwei Drittel der Deutschen vertrauen hier am meisten der Wissenschaft. Das ist ein Ergebnis des aktuellen „Verbrauchermonitors“, einer repräsentativen Bevölkerungsumfrage des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) in Berlin. Ein ähnlich hohes Vertrauen genießen Verbraucherzentralen und Verbraucherorganisationen. Dagegen bringt nur eine von sechs befragten Personen der Politik, der Wirtschaft oder den Medien Vertrauen beim Schutz der Gesundheit entgegen.

Interesse an gesundheitlichen Verbraucherthemen groß

Die Ergebnisse des aktuellen BfR-Verbrauchermonitors zeigen, dass das Interesse der Bevölkerung an gesundheitlichen Verbraucherthemen generell groß ist: Zwei Drittel interessieren sich dafür. Etwa die Hälfte gibt an, sich sogar häufig über solche Themen zu inf

 

Größte Gesundheitsrisiken im Essen: Zucker, Fett, Salz

Als größte gesundheitliche Risiken werden dabei von 22 Prozent der Befragten aktiv bestimmte Nährstoffzusammenstellungen in Lebensmitteln genannt – wie ein hoher Gehalt an Zucker, Fett oder Salz. Mit größerem Abstand folgen Risiken wie eine ungesunde Ernährung und Lebensweise (13 Prozent) sowie unerwünschte Stoffe und Zusatzstoffe in Lebensmitteln (jeweils 11 Prozent).

Gerade bei der Frage der augenfälligen und verständlichen Kennzeichnung von Lebensmitteln bezüglich ihres Gehalts an Zucker und Fett ist seit Jahren ein Gerangel zwischen Politik, Lebensmittelwirtschaft und Verbraucherschutzorganisationen zu beobachten. Nach einer vor wenigen Wochen publizierten Studie der Universität Hamburg hat die Lebensmittelindustrie bei der Vermarktung von dick machenden Produkten mit ihrer Werbung offenbar gezielt Kinder im Visier. Demnach warben 89 Prozent der für Kinder aufgemachten TV-Spots für ungesunde Produkte.

Besorgnis wegen Antibiotika und Mikroplastik

Bei gezielt abgefragten Stichpunkten machen sich Verbraucher die meisten Sorgen wegen Antibiotika und Mikroplastik in Lebensmitteln. 57 der Studienteilnehmer sind über Antibiotikaresistenzen und 54 Prozent über Mikroplastik in Lebensmitteln beunruhigt. Vergleichsweise gering ist die Sorge hingegen bei der Lebensmittelhygiene im eigenen Haushalt: Hierüber ist nur jeder Zehnte beunruhigt. Eine Zweidrittel-Mehrheit der Befragten (66 Prozent) fühlt sich in diesem Bereich gut informiert.

Haushaltshygiene: BfR sieht Wahrnehmungsverzerrung

Paradoxerweise ist aus wissenschaftlicher Sicht jedoch gerade eine mangelnde Lebensmittelhygiene zu Hause eine der zentralen Ursachen für lebensmittelbedingte Erkrankungen. Noch einen zweite Diskrepanz macht das BfR trotz großen Informationsinteresses in der Bevölkerung aus: „Mikroplastik in Lebensmitteln beunruhigt über die Hälfte der Befragten“, sagt BfR-Präsident Andreas Hensel. „Nach dem derzeitigen Stand des Wissens ist es allerdings unwahrscheinlich, dass von den Plastikpartikeln in Lebensmitteln gesundheitliche Risiken für den Menschen ausgehen“, so Hensel.

Stichwort „BfR-Verbrauchermonitor“

Der BfR-Verbrauchermonitor versteht sich als zentrales Instrument des gesundheitlichen Verbraucherschutzes in Deutschland. In halbjährlichem Abstand werden dafür etwa 1.000 Personen, die in Privathaushalten leben und mindestens 16 Jahre alt sind, im Auftrag des BfR telefonisch interviewt.

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) ist eine wissenschaftlich unabhängige Einrichtung im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL). Es betreibt eigene Forschung in seinen Interessensgebieten und berät die Bundesregierung und die Bundesländer zu Fragen der Lebensmittel-, Chemikalien- und Produktsicherheit.

Foto: AdobeStock/New Africa

Autor: zdr
Hauptkategorie: Umwelt und Ernährung
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