. Weniger Zucker

Gesundheitsexperten zweifeln an Zuckerreduktionsstrategie

Weniger Zucker, Fette und Salze: Heute will die Lebensmittelindustrie dem Bundesernährungsministerium konkrete Vorschläge präsentieren. Doch die Maßnahmen bleiben freiwillig – zum Verdruss von Gesundheitsexperten.
Zuckerreduktionsstrategie, freiwillig

Freiwillige Selbstverpflichtung der Lebensmittelindustrie: Kunden langsamer an weniger Zucker gewöhnen

Heute treffen sich wichtige Wirtschaftsverbände mit Bundesernährungsministerin Julia Klöckner, um konkrete Vorschläge zur bundesweiten Reduktionsstrategie von Zucker, Fetten und Salz zu präsentieren. Auch Vertreter der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG), der AOK und andere Gesundheitsexperten sind dabei. "Die Erwartungen an dieses Treffen sind hoch. Wir sind gespannt, wie ernst die Branche ihren Auftrag nimmt“, sagte AOK-Vorstandsvorsitzender Martin Litsch am Montag.

Freiwillige Selbstverpflichtung der Lebensmittelindustrie

Das Bundesernährungsministerium hatte sich nach dem 2. Zuckerreduktionsgipfel Ende 2018 mit der Lebensmittelindustrie auf ein Grundsatzpapier für eine nationale Reduktions- und Innovationsstrategie verständigt. Entgegen vieler Erwartungen sehen die darin angestrebten Vereinbarungen keine Verbindlichkeit vor, vielmehr wurde eine freiwillige Selbstverpflichtung der Lebensmittelindustrie vereinbart.

 

Deutschland geht Sonderweg

Mit der freiwilligen Selbstverpflichtung gehe Deutschland weiterhin einen Sonderweg, meinte Litsch. „Falls dies aber auch weiter bedeutet, dass wir bei der Absenkung von Zucker, Fetten und Salz unseren Nachbarländern hinterherhinken, wäre das mit einem Glaubwürdigkeitsverlust der Bundesregierung verbunden.“

Die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) hält die freiwillige Selbstverpflichtung der Lebensmittelindustrie sogar für fahrlässig. „Wir fordern stattdessen eine verbindliche Zuckerreduktion von 50 Prozent“, sagte DDG- Geschäftsführerin Barbara Bitzer und verwies auf die steigenden Übergewichts- und Diabetes-Erkrankungszahlen.

Zeitrahmen bis 2025 gesetzt - ohne Verbindlichkeit

Auch die vom Bundesernährungsministerium eingeräumte Zeitschiene bis zum Jahr 2025 sei viel zu lang. Einige Konzerne hatten angekündigt, bis dahin den Zuckeranteil in Müslis um ein Fünftel zu reduzieren. „Für diesen langen Zeitraum ist das eindeutig zu wenig. Wir brauchen hier schnellere Ergebnisse", sagte Bitzer. Es sei den Verbrauchern außerdem nicht zu vermitteln, warum international bereits zahlreiche Produkte mit hohen Reduktionswerten verfügbar seien, und die gleichen Konzerne hierzulande nicht kurzfristig die gleichen Waren in die Regale bekämen. „Die Gesundheit der Menschen darf nicht den Interessen einzelner Wirtschaftsverbände geopfert werden.“

Lidl hat nach eigenen Angaben bereits den Zuckergehalt in seinen Milbona-Joghurts um zehn Prozent reduziert. 2017 seien rund 520 Tonnen Zucker eingespart worden, teilte das Unternehmen am Montag mit. Bis 2025 wolle man auch den Zuckergehalt in Frühstücksflocken und Softdrinks um 20 Prozent reduzieren. Ein Sprecher sagte am Montag: "Bei der Zuckerreduktion gehen wir sukzessive vor, damit sich unsere Kunden an die weniger süße Rezeptur gewöhnen können.“

Foto: pixabay

Autor: ham
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Ernährung , Übergewicht , Stoffwechsel , Diabetes
 

Weitere Nachrichten zum Thema Zucker

 
 

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

 
. Weitere Nachrichten
Betäubungsspritzen-Stiche, Schmerzen beim Bohren, Würgereiz: Zwei Drittel der Deutschen haben Angst davor, zum Zahnarzt zu gehen. Manche haben so sehr Angst, dass sie es gar tun – und sich am Ende die Zähne ruinieren. Dabei gibt es Wege, mit der Angst akzeptierend und konstruktiv umzugehen.
. Top-Termine
. Fortbildungen Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender

Konferenzraum Friedrichshain (K1-E), Helios Klinikum Berlin-Buch
 
. Termine Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender
 
. Interviews
Die akute Aortendissektion ist immer ein Notfall. Einer Studie zufolge könnte vielen Menschen das Leben gerettet werden, wenn sie rechtzeitig und adäquat behandelt werden würden. Gesundheitsstadt Berlin hat mit Dr. Stephan Kurz vom Deutschen Herzzentrum Berlin (DHZB) über die Versorgungssituation und das erfolgreiche Projekt „Aortentelefon“ gesprochen.