. Zehn Chargen Herceptin zurückgerufen

Gesundheitsbehörden warnen vor gefälschtem Herceptin

In Deutschland wurde offenbar gestohlenes bzw. gefälschtes Herceptin zur intravenösen Anwendung in den Handel gebracht. Das Paul-Ehrlich-Institut hat am Mittwoch zehn Chargen des Krebsmittels zurückgerufen.
Gesundheitsbehörden warnen vor gefälschtem Herceptin

In Deutschland sind gefälschte Herceptin-Fläschchen à 150 mg im Umlauf

Herceptin mit dem Wirkstoff Trastazumab ist ein bewährtes Krebsmittel zur Behandlung von Brustkrebs und metastasierendem Magenkrebs. Intravenöses Herceptin wird überwiegend in Krankenhäusern sowie in Arztpraxen mit onkologischem bzw. gynäkologischem Schwerpunkt angewandt.

Jetzt gibt es konkrete Hinweise, dass in Deutschland gefälschtes Herceptin 150mg zur intravenösen Anwendung im Umlauf ist. Die Chargen wurden den bisherigen Informationen zufolge in Italien gestohlen und dann illegal vermarket. Sie sollen über Großhändler und Parallelvertriebsunternehmen unabhängig vom Zulassungsinhaber Roche auf den deutschen Markt gelangt sein. Am Mittwoch hatte die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) die deutschen Arzneimittelbehörden über den Vorfall informiert. Daraufhin hat das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) vorsorglich angeordnet, alle zehn betroffenen Chargen des Arzneimittels Herceptin von den Parallelvertreibern aus dem Handel, den Apotheken, Krankenhäusern und Arztpraxen zurückzurufen.

Herceptin aus Italien wurde mit deutschen Etiketten überklebt

Nach PEI-Informationen soll das Krebsmittel nach dem Diebstahl manipuliert worden sein. Folgende Hinweise auf Manipulation sind dem Bundesinstitut für Arzneimittel bereits bekannt:

  • Auf den meisten Fläschchen stimmen die dort aufgedruckte Chargennummer und das Verfallsdatum nicht mit denen auf der äußeren Verpackung überein.

  •  Der Inhalt einiger Fläschchen ist flüssig. Herceptin ist normalerweise ein weiß-gelbes Pulver.

  • Die gefälschten Fläschchen sind ursprünglich als italienisches Herceptin® 150 mg gekennzeichnet, wurden für den deutschen Markt aber mit deutschsprachigen Etiketten überklebt.

  • Gummistopfen, Bördelkappe oder Deckel könnten manipuliert worden sein.

Bislang seien keine gefälschten Fläschchen in Krankenhäusern oder Arztpraxen gefunden, teilte ein PEI-Sprecher gestern mit. Dem Paul-Ehrlich-Institut lägen bislang auch keine Berichte über Gesundheitsschädigungen von Patienten durch gefälschtes Herceptin vor. Es sei zudem nicht zu erwarten, dass durch den Rückruf ein Versorgungsengpass für Herceptin in Deutschland entstehen werde, so das PEI.

Zehn Chargen vom Rückruf betroffen - PEI schaltet Hotline

Die Chargennummern der betroffenen Chargen von Herceptin sind:
H4311B07, H4329B01, H4284B04, H4319B02, H4324B03, H4271B01, H4303B01, H4196B01, H4301B09, H4143B01. Sollten Arzneimittelhändler oder Einrichtungen des Gesundheitswesens Herceptin mit einer der genannten Chargennummern in ihren Beständen oder andere Auffälligkeiten entdecken, bittet das PEI um Benachrichtigung. Seit heute hat das Institut eine Hotline unter der Nummer 06103 / 77-1061 geschaltet.

Inzwischen liegen dem PEI und dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) Hinweise vor, dass von den Diebstählen und Fälschungen noch weitere Arzneimittel betroffen sein könnten.

Foto: Roche

Hauptkategorien: Gesundheitspolitik , Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Arzneimittel , Brustkrebs , Magenkrebs , Antikörper

Weitere Nachrichten zum Thema Zielgerichtete Brutskrebstherapie

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

. Mehr zum Thema
. Weitere Nachrichten
60-Stunden-Woche für Krankenschwestern, doppelt so lange Wartezeiten beim Hausarzt: Dieses Szenario könnte schon in einem Jahrzehnt Realität werden, wenn das Gesundheitssystem nicht entschlossen reagiert. Schon jetzt ist das Angebot an freien Stellen hier zweieinhalbmal so groß wie der Zahl der Bewerber.
. Veranstaltungen
loading...
Terminkalender
. Kliniken
. Personen Hauptstadtregion
. Interviews
Die Blutvergiftung, fachsprachlich „Sepsis“, ist nach Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs die dritthäufigste Todesursache in Deutschland. Und sie gilt als die am häufigsten vermeidbare. Gesundheitsstadt Berlin hat anlässlich des Welt-Sepsis-Tags am 13. September mit Prof. Konrad Reinhart von der Universität Jena über das Thema gesprochen. Der Vorsitzende der deutschen Sepsis-Stiftung vertritt die These: Die tatsächliche Zahl der Sepsis-Fälle ist doppelt so hoch wie die der registrierten.
Kinder suchtkranker Eltern sind besonderen Belastungen ausgesetzt und haben ein hohes Risiko, später selbst eine Sucht oder andere psychische Erkrankungen zu entwickeln. Gesundheitsstadt Berlin hat mit der Drogenbeauftragten der Bundesregierung Marlene Mortler über die Situation betroffener Kinder und die Notwendigkeit von Unterstützungsangeboten gesprochen.
Die Berichterstattung über Methadon als Krebsmittel weckt große Hoffnungen. Doch wie sieht eigentlich die rechtliche Seite aus, wenn Ärzte ein Medikament außerhalb des Zulassungsbereichs (Off-Label) verschreiben? Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Medizinrechtler Prof. Dr. Christian Dierks gesprochen, welche Risiken Ärzte eingehen und ob Patienten einen Anspruch auf einen individuellen Heilversuch mit Methadon haben.