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Gesundheit(sverhalten): Die Pandemie hat viel verändert

Samstag, 18. Dezember 2021 – Autor:
Mehr Aufputsch- oder Beruhigungsmittel nehmen, mehr kiffen, mehr Fett ansetzen, mehr fernsehen – und weniger Arztbesuche machen: Die Covid-19-Pandemie hat bei der Gesundheit wie dem Gesundheitsverhalten der Deutschen Spuren hinterlassen. Das zeigt eine AOK-Studie. Besonders eine Altersgruppe fühlt sich ihrer Lebensfreude beraubt.
Junger Mann zieht grüne Corona-Maske herunter und raucht eine Zigarette.

Eine AOK-Studie zeigt: 34 Prozent der Menschen unter 30 erleben die Corona-Pandemie als „starke" oder sogar „sehr starke" Belastung ihrer Gesundheit. Bei den Alten über 70 ist dieser Anteil nicht halb so hoch. – Foto: AdobeStock/Serhii

Knapp ein Drittel der Menschen in Deutschland (30,7 Prozent) sagt: „Meine Lebensfreude ist durch die Pandemie stark oder sehr stark beeinträchtigt.“ Noch stärker als bei der Durchschnittsbevölkerung wird dieses Problem von jüngeren Menschen aus der Altersgruppe unter 30 erlebt. Hier klagen 39,7 Prozent über einen massiven Verlust an Lebensfreude. Das ist ein zentrales Ergebnis des aktuellen „WIdO-Monitors“, einer  repräsentativen Online-Befragung des „Wissenschaftlichen Instituts der AOK“ (WIdO) zu den Auswirkungen der Pandemie auf Gesundheit, Gesundheitsverhalten und Lebensgefühl.

Jeder Zehnte: Gesundheitszustand stark verschlechtert

Jede zehnte Befragte (9,9 Prozent) vertritt die Auffassung, dass sich sein Gesundheitszustand durch die Pandemie „stark“ oder „sehr stark“ verschlechtert habe. Auf die Frage nach den eigenen gesundheitlichen Belastungen durch die Covid-19-Pandemie erklärten 26,5 Prozent der Teilnehmenden, sich insgesamt stark oder sehr stark belastet gefühlt zu haben. 53 Prozent fühlten sich eher wenig oder wenig und 20,5 Prozent überhaupt nicht belastet.

 

Junge Menschen erleben die Pandemie viel stärker als Belastung als Alte

Was die subjektive gesundheitliche Belastung angeht, zeigen sich allerdings deutliche Unterschiede zwischen einzelnen Altersgruppen. Jüngere Menschen unter 30 fühlten sich mit 34,7 Prozent deutlich häufiger stark oder sehr stark belastet als Ältere über 70 mit 16,0 Prozent. Unterschiede gibt es auch zwischen den Geschlechtern: Frauen fühlten sich mit 30,0 Prozent häufiger stark oder sehr stark gesundheitlich belastet als Männer mit 22,5 Prozent.

Mehr Zigaretten, mehr Joints, mehr Pfunde – weniger Alkohol

Eine leichte Zunahme zeigt die Befragung auch beim Rauchen und beim Konsum von Cannabis-Produkten. Intensiviert hat sich auch die Einnahme von leistungssteigernden oder beruhigenden Arzneimitteln. Beim Alkoholkonsum sind hingegen eher gegenläufige Tendenzen zu beobachten: Von den 82,6 Prozent, die Alkohol trinken, gaben 10,2 Prozent einen erhöhten Konsum seit Beginn der Pandemie an – aber gleichzeitig 20,0 Prozent einen Rückgang. Mehr als ein Drittel der Erwachsenen (35,3 Prozent) erklärten, seit Beginn der Pandemie beim Gewicht zugelegt zu haben. Bei diesen Personen gab es nach deren Angaben eine deutliche Gewichtszunahme von durchschnittlich 6,9 Kilogramm.

Größter Veränderung durch Corona: Die Mediennutzung

Gefragt wurde auch nach Veränderungen des eigenen Gesundheitsverhaltens seit dem Beginn der Pandemie. Hier zeigen sich die deutlichsten Effekte bei der Mediennutzung: So gaben 26,7 Prozent der Befragten an, dass ihr Konsum von Fernsehen, Filmen und Videos seit Beginn der Pandemie zugenommen habe. Entsprechendes gilt für Computerspiele sowie generell für die Nutzung des Internets.

Fast jeder Fünfte war seltener beim Arzt

Ein weiteres Thema im Rahmen des WIdO-Monitors war, wie die Befragten die ambulante ärztliche Versorgung seit Beginn der Pandemie wahrnehmen. 21 Prozent von ihnen haben seit März 2020 Terminverschiebungen oder Absagen von Arztterminen durch die Leistungserbringer erlebt. Fast jeder Fünfte (18,5 Prozent) ist der Befragung zufolge seit Beginn der Pandemie im März 2020 weniger oft zum Arzt gegangen als normalerweise üblich.

Hauptkategorie: Corona
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