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Gesund leben: Eine Frage des sozialen Status

In Deutschland gibt es in Gesundheitsfragen eine soziale Kluft. Je höher der gesellschaftliche Status desto besser das Wissen über Gesundheit und Prävention und desto konsequenter die Umsetzung eines gesunden Lebensstils. Das ergibt sich aus dem „Gesundheitsbericht 2020“ der Stiftung Gesundheitswissen.
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Gesundheitswissen und Lebenstil sind ein Schlüssel zur Prävention. In Deutschland hängen sie stark von sozialen Faktoren ab wie Einkommen, Bildung oder beruflichem Status.

Menschen mit hohem sozioökonomischem Status leben häufig gesundheitsbewusster und achten mehr auf Prävention als solche mit niedrigem. Auch beim Zugang zu Gesundheitsinformationen und der erfolgreichen Umsetzung dieses Wissens tun sich sozial höhere Schichten leichter. Das ergibt sich aus dem „Gesundheitsbericht 2020" der Stiftung Gesundheitswissen (SGW). Die Experten der Stiftung kommen zu dem Schluss: „Bei Gesundheitsfragen geht ein Riss durch Deutschland“.

Hoher sozialer Status: Eigene Gesundheit „gut“ bis „sehr gut“

Dieser Riss beginnt bereits bei der Einschätzung der eigenen Situation. 75 Prozent der für den Gesundheitsbericht befragten Personen mit höherem sozioökonomischem Status schätzen ihre Gesundheit als „gut" bis „sehr gut" ein; bei Befragten mit niedrigem Status sind es lediglich knapp 50 Prozent. „Gesundheit hängt auch im Jahr 2020 noch immer von der sozialen Schicht ab“, sagt Ralf Suhr, Vorstandsvorsitzender der Stiftung Gesundheitswissen in Berlin. Menschen mit niedrigerem sozioökonomischem Status schätzten die eigene Gesundheit, ihre gesundheitsbezogene Lebensqualität und ihre Möglichkeiten, die eigene Gesundheit zu beeinflussen, wesentlich schlechter ein.

 

Immer weniger glauben, Einfluss auf ihre Gesundheit zu haben

Ist Gesundheit einfach Schicksal? Oder hat man die Macht, sie zu beeinflussen? Hier scheint sich in der Gesamtbevölkerung trotz eines öffentlichkeitswirksamen Booms an immer neuen Diätformen, Superfood-Sorten, Vitaminpillen oder Nahrungsergänzungsmitteln etwas Resignation breitzumachen. Glaubten im Jahr 2015 noch 46 Prozent der Befragten, einen „starken“ Einfluss auf die eigene Gesundheit zu haben, so waren es 2020 nur noch 35 Prozent – ein Rückgang um elf Prozentpunkte.

Gesundheitswissen: ein Schlüssel zur Prävention

„Dabei ist gerade das Wissen um die eigenen Einflussmöglichkeiten und das Zutrauen in diese ein Schlüssel zur Prävention – und damit eine Ressource für die eigene Gesundheit", erklärt Stiftungsvorstandschef Suhr weiter. An diesem Punkt macht die Studie erneut ein soziales Gefälle aus: So zeigte sich von den Befragten mit hohem sozioökonomischem Status jeder Zweite überzeugt, durch das eigene Verhalten die Gesundheit stark beeinflussen zu können. Bei Befragten mit niedrigem sozioökonomischem Status trifft das gerade auf ein Viertel zu. Diese Menschen sind häufig der Ansicht, ihr eigener Lebensstil habe keine bedeutenden Effekte auf ihre Gesundheit.

Soziales Gefälle beim Wissen um Präventionsmöglichkeiten

Dementsprechend beeinflusst der sozioökonomische Status auch das Wissen um die Präventionsmöglichkeiten. So messen Menschen aus sozial höheren Schichten beispielsweise der Gewichtskontrolle mehr Bedeutung zu als Befragte mit niedrigem sozioökonomischem Status (82 zu 68 Prozent). Gleiches gilt für gesunde Ernährung (77 zu 60 Prozent) oder regelmäßigen Sport (82 zu 59 Prozent). Aber auch beim Thema Nichtrauchen lässt sich mit 88 zu 78 Prozent noch ein deutlicher Unterschied beim Wissen um diese gesundheitsfördernden Faktoren feststellen.

Probleme beim Zugang zu hilfreichen Gesundheitsinformationen

Wie der Gesundheitsbericht der SGW weiter zeigt, ist das Interesse an Gesundheitsthemen unabhängig von der sozialen Schicht hoch: Zwei Drittel (65 Prozent) der Befragten sind daran „interessiert" oder sogar „sehr interessiert". Ein Knackpunkt liegt aber offenbar darin, sich Gesundheitsinformationen zu beschaffen und damit umgehen zu können – als wichtige Voraussetzung, um in eigener Verantwortung und mit Konsequenz das Richtige zu tun. Menschen mit niedrigerem sozialem Status fällt es jedoch nach eigener Aussage in überdurchschnittlichem Maße schwer, bei Fragen zu Krankheiten an hilfreiche Informationen zu gelangen. Unter den Befragten mit niedrigem sozialem Status hat jeder Vierte dieses Problem – unter denen mit hohem sozioökonomischem Status nur jeder Sechzehnte. Eine andere Studie der Privatuniversität Witten/Herdecke und einer US-Universität zeigte: Nicht nur Wissen um Prävention ist wichtig – informierte Patienten haben auch bessere Heilungschancen.

Auch bei der Umsetzung einer gesunden Lebensweise im Alltag offenbaren sich soziale Unterschiede: So geben 78 Prozent der Menschen aus der Oberschicht an, aus Gesundheitsgründen aufs Rauchen zu verzichten, aus der sozioökonomisch niedrigeren Schicht sind es 60 Prozent.

Repräsentative Studie mit mehr als 1.200 persönlichen Interviews

Die Stiftung Gesundheitswissen hat in Ihrem aktuellen Gesundheitsbericht mit dem Titel „Statussymbol Gesundheit" untersucht, welchen Einfluss der soziale Status auf Gesundheit, Prävention und das Informationsverhalten der Menschen in Deutschland hat. Die Daten für den Bericht wurden vom Institut für Demoskopie Allensbach als repräsentative Bevölkerungsumfrage erhoben. Die Studie stützt sich auf 1.255 persönliche mündliche Interviews bei einem statistisch signifikanten Querschnitt der deutschen Bevölkerung über 16 Jahre. Ausgewertet wurde unter anderem nach sozioökonomischem Status auf Basis von Einkommen, Bildung, Berufstätigkeit und beruflichem Status.

Foto: AdobeStock/pakorn

Foto: ©pakorn - stock.adobe.com

Autor: zdr
Hauptkategorie: Prävention und Reha
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