. Bluthochdruck

Geriater sehen neue Blutdruckwerte kritisch

In den USA gelten seit November neue Grenzwerte für Bluthochdruck. Dagegen wehren sich nun deutsche Geriater. Auf die meisten älteren Patienten seien die Empfehlungen aus Übersee nicht übertragbar.
Kritik an neuen Blutdruckwerten: Ältere Menschen sollten in der Regel einen höheren Blutdruck haben dürfen als jüngere, finden Geriater

Kritik an neuen Blutdruckwerten: Ältere Menschen sollten in der Regel einen höheren Blutdruck haben dürfen als jüngere, finden Geriater

Wann jemand an Bluthochdruck leidet, hängt auch vom Wohnort ab. In den USA sind neuerdings alle Menschen mit einem Wert von 130/80 mm Hg schon „bluthochdruckrank“. In Deutschland fängt ein milder Bluthochdruck dagegen erst bei 140/90 mm Hg an.

Nachdem die amerikanischen Fachgesellschaften die Grenzwerte für Bluthochdruck im November gesenkt hatten, ist auch in Deutschland eine Diskussion über den „richtigen“ Wert entbrannt. Nun warnt die Deutsche Gesellschaft für Geriatrie (DGG) vor einem unkritischen Umgang mit den neuen Grenzwerten für Bluthochdruck. Denn die amerikanischen Empfehlungen seien nur begrenzt auf die Lebenswirklichkeit älterer Menschen übertragbar, heißt es in einer Erklärung.

Niedriger Blutdruck erhöht Sturzgefahr

Aus anderen Untersuchungen sei bekannt, dass bei vielfach erkrankten hochbetagten Patienten eine intensivere Blutdrucksenkung mit vielen Problemen einhergehe, etwa einer erhöhten Sturzgefahr und damit auch eine größeren Gefahr für Knochenbrüche. Außerdem weisen die Geriater auf die Ergebnisse der PARTAGE-Studie hin, die sogar eine um 78 Prozent höhere Sterblichkeit belegte, wenn der Blutdruck von Altenheimbewohnern unter 130 mm Hg gesenkt wurde.

„Gemeinsam mit vielen Kollegen anderer Disziplinen, die mit der Behandlung älterer Patienten befasst sind, warnen wir ausdrücklich vor der Übertragung dieser (neuen amerikanischen) Empfehlungen auf ältere Patienten“, schreibt die Fachgesellschaft. Nur diejenigen Patienten, die in den zugrundeliegenden Studien beschrieben werden, und deren Blutdruck auf die beschriebene Weise gemessen wurde, profitierten von einer intensiveren Blutdruckbehandlung. „Bei allen anderen älteren Patienten ist zu befürchten, dass der Schaden einer intensiven Blutdrucksenkung unter Umständen den erwartenden Nutzen übersteigt. Und diese Patienten bilden einen großen Anteil der älteren Bevölkerung“, so die DGG.

In der Studienkohorte waren keine Pflegeheimbewohner

In den Studien, die den amerikanischen Leitlinien zugrunde liegen, wurden nur sehr rüstige, zuhause lebende, ältere Patienten aufgenommen. Dass diese von einer Blutdrucksenkung profitierten, erkennen auch die deutschen Geriater an. Jedoch seien im Praxisalltag die meisten Personen im höheren Lebensalter eben nicht so fit wie die Studienteilnehmer. Darum könne man die Ergebnisse auch nicht 1:1 auf alle älteren Patienten übertragen und schon gar nicht auf Pflegeheimbewohner.

Ein weiterer Kritikpunkt der DGG: In der Studie wurde der Blutdruck automatisch gemessen. Die unbeobachtete Blutdruckselbstmessung führe aber zu Blutdruckwerten, die etwa 15/8 mm Hg niedriger liegen als Messungen durch medizinisches Personal.

Die Deutsche Hochdruckliga prüft augenblicklich die Empfehlungen der Amerikaner. Noch gelten in Deutschland die alten, höheren Werte.

Foto: AOK Mediendienst

Autor: ham
Hauptkategorien: Demografischer Wandel , Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Bluthochdruck , Alter

Weitere Nachrichten zum Thema Bluthochdruck

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

. Mehr zum Thema
Bluthochdruck ist immer behandlungsbedürftig, auch milde Formen und der Altershochdruck, die so genannte isolierte systolische Hypertonie. Das sagt der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Hochdruckliga Prof. Dr. Martin Hausberg. Warum eine Änderung des Lebensstils oft schon ausreicht, erklärt der Bluthochdruck-Experte anlässlich des Welt-Hypertonietags am 17. Mai.
. Weitere Nachrichten
. Fortbildungen Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender
. Termine Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender
. Interviews
Noch zu wenige Versicherte nehmen die Darmkrebsvorsorge wahr. Die AOK Nordost geht deshalb neue Wege. Stefanie Stoff-Ahnis, Mitglied der Geschäftsleitung der AOK Nordost und verantwortlich für das Ressort Versorgung, erläutert das Engagement, das soeben mit dem Felix Burda Award ausgezeichnet wurde.
Das Chronische Fatigue Syndrom (CFS) bedeutet für viele Patienten meist einen weitgehenden Verlust ihres bisherigen Lebens. Dennoch gibt es bisher kaum wirksame Therapien und zu wenig Forschung. Gesundheitsstadt Berlin hat mit Professor Carmen Scheibenbogen über die Erkrankung und ihre Behandlungsmöglichkeiten gesprochen.