. Gentherapie

Genschere CRISPR-Cas9 noch nicht sicher für klinische Anwendung

Erbgut gezielt verändern, um Krankheiten zu heilen: Die Genschere CRISPR-Cas9 funktioniert bereits gut im Labor. Beim Menschen könnte allerdings das Immunsystem in die Quere kommen. An der Charité wird nach Lösungen gesucht.
Genschere CRISPR-Cas9, Immunsystem

Rückschlag für die Gentherapie? Der Mensch ist möglicherweise immun gegen die Genschere CRISPR-Cas9

Die Gentherapie CRISPR-Cas9 weckt derzeit große Hoffnungen in der Medizin. Könnte man mit der Genschere doch eines Tages gezielt Erbkrankheiten behandeln. Mit dem Verfahren lässt sich eine DNA-Sequenz zerschneiden, ausschalten oder durch eine andere ersetzen. Dabei werden Zellen entweder außerhalb des Körpers verändert oder erkrankte Körperzellen werden direkt im Organismus modifiziert. In Tiermodellen hat die Genschere bereits gut funktioniert.

CAS9 stammt aus Streptokokken

Bis zur klinischen Anwendung am Menschen wird es wohl noch ein wenig dauern. Ein bislang ungelöstes Problem sind mögliche Abwehrreaktionen des menschlichen Immunsystems gegen das Eiweißmolekül Cas9. Da das Molekül aus den weit verbreiteten Streptokokken stammt, fürchten Forscher der Charité, dass bereits ein immunologisches Gedächtnis gegen Cas9 bestehen könnte.

Tatsächlich ließen sich bei fast allen gesunden Erwachsenen körpereigene Immunzellen, sogenannte T-Zellen, nachweisen, die auf Cas-Eiweißmoleküle reagieren. Auch Cas-Moleküle aus anderen Bakterienstämmen, wie Staphylokokken und Darmbakterien, bewirken solche Immunreaktionen. Den Forschern zufolge könnte das an der hohen Ähnlichkeit der Enzyme liegen.

 

Immunsystem könnte sich wehren

„Solche Immunzellen könnten zu unerwünschten Immunreaktionen bei der Gentherapie führen, was ihre Sicherheit und Effektivität beeinträchtigen könnte. Diese Gefahr besteht eventuell auch bei CRISPR-Cas9, darauf müssen wir uns vorbereiten“, sagt der Studien-Erstautor Dimitrios Laurin Wagner, Doktorand am Berlin-Brandenburger Centrum für Regenerative Therapien (BCRT). Auf keinen Fall dürften Patienten modifizierte Zellen injiziert werden, so lange CRISPR-Cas9 noch aktiv sei.

Lösungen in Arbeit

Um sicherzustellen, dass Zellen bedenkenlos angewendet werden können, haben die Forscher einen Test entwickelt. "Damit kann zuverlässig nachgewiesen werden, dass das Risiko einer Immunreaktion gering ist“, erläutert Dr. Michael Schmück-Henneresse vom BCRT. Dieser Test ist jedoch nur für Patienten geeignet, bei denen Zellen außerhalb des Körpers gentechnisch verändert werden können. Bei bestimmten Erbkrankheiten ist das nicht möglich. „Hierfür müssen neue Lösungen gefunden werden, um gefährliche Immunreaktionen gegen die Genschere zu verhindern“, sagt Schmück-Henneresse.

Helfen könnte eine Technologie, die die BCRT-Forscher gemeinsam mit dem Berlin Center for Advanced Therapies (BeCAT) entwickelt haben. Hiermit werden regulatorische T-Zellen isoliert und vermehrt, die die unerwünschten Immunreaktionen kontrollieren. Bei Patienten nach einer Nieren- oder Knochenmarktransplantation wurde dieser Ansatz schon erfolgreich genutzt.

Die Arbeit über die Chancen und Risiken von CRISPR-Cas9 ist jetzt in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift “Nature Medicine“ erschienen.

Foto: © llhedgehogll - Fotolia.com

Autor: ham
Hauptkategorien: Berlin , Medizin
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