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Generation Corona: Mehr Familie, mehr Depressionen, mehr Handy

Corona-Pandemie und Lockdowns haben bei der Generation unter 30 Spuren hinterlassen. Das zeigt eine Studie der Betriebskrankenkasse Pronova BKK. Junge Menschen, die mit Geschwistern im Elternhaus leben, sind häufiger depressiv und aggressiv. Für 72 Prozent ist das Handy in der Coronakrise zur Haupt-Freizeitbeschäftigung geworden.
Jugendlicher liegt nachts allein im Bett, im Lichtschein seines Handys.

In der Coronakrise hat die Familie für die Generation unter 30 an Bedeutung gewonnen. Im monatelangen Indoor-Dasein suchten trotzdem viele die Einsamkeit: Sechs von zehn Teilnehmer einer Studie verbrachten im Lockdown die meiste Zeit allein in ihrem Zimmer und beschäftigten sich dort selbst.

Junge Menschen wollen mit Freude und Schwung ins Leben starten – und dann kommt Corona und bremst die Lebenslust aus. Bei vielen Deutschen unter 30 haben Pandemie und Lockdowns deutliche Spuren hinterlassen, vor allem wenn sie noch im Elternhaus wohnen –  oder wohnen müssen. Das zeigt eine repräsentative Bevölkerungsbefragung im Auftrag der Betriebskrankenkasse Pronova BKK, die im März und April durchgeführt wurde. Bundesweit wurden dafür 1.000 Jugendliche und junge Erwachsene im Alter von 16 bis 29 Jahren online befragt.

Monatelanges Indoor-Dasein schafft sozialen Sprengstoff

Die jungen Menschen haben es seit Beginn der Pandemie nicht leicht: Der Alltag ist meist eintönig, ohne viele Gelegenheiten zur Zerstreuung. Jugendliche und junge Erwachsene, die noch unter einem Dach mit ihren Eltern wohnen, verbringen nun mehr Zeit zu Hause als vor der Pandemie üblich – und das hat für sie zwei Gesichter. Einerseits fühlen sich junge Menschen in der Corona-Krise enger mit ihrer Familie verbunden: 58 Prozent der unter 30-Jährigen sagen, ihre Familie sei seit Beginn der Pandemie deutlich wichtiger für sie geworden. Andererseits birgt das monatelange gemeinsame Indoor-Dasein auch sozialen Sprengstoff in sich und hat Auswirkungen vor allem auf die psychische Gesundheit und das Freizeitverhalten.

 

Corona: 61 Prozent der jungen Menschen sind depressiver

38 Prozent der unter 30-Jährigen berichten über mehr Konflikte und Streitereien mit der Familie. Die Studie zeigt auch, dass junge Menschen, die mit Geschwistern im Elternhaus leben, häufiger depressiv sind (61 Prozent) und auch öfter zu aggressivem Verhalten neigen (43 Prozent).

Wichtigster Begleiter in der Pandemie: Das Handy

Dass die Familie in der Krise grundsätzlich an Bedeutung gewinnt, heißt nicht automatisch, dass junge Menschen auch mehr mit ihrer Familie unternehmen (wollen). Sechs von zehn Befragten verbringen die meiste Zeit allein in ihrem Zimmer und beschäftigen sich dort selbst. Freundinnen und Freunde sehen die unter 30-Jährigen meist nur vor dem Bildschirm, egal ob am Laptop oder Smartphone.

Wichtigster Begleiter in der Pandemie ist der Studie zufolge das Mobiltelefon. Für 72 Prozent ist das Handy zur Haupt-Freizeitbeschäftigung während der Corona-Krise geworden – unter den Schülerinnen und Schülern sind es sogar 78 Prozent. Das beurteilen die jungen Menschen selbst kritisch: Jeder Zweite macht sich Gedanken darüber, wie er den Medienkonsum einschränken kann. Manche Wissenschaftler sprechen inzwischen von einem problematischen Medienkonsum unter Jugendlichen und dem Handy als „Droge der Zukunft".

Sinnvolle Freizeitbeschäftigungen werden vermisst

Drei Viertel der jungen Befragten berichten auch von Vorwürfen zu ihren veränderten Freizeitaktivitäten. Jedem zweiten 16- bis 29-Jährigen wurde vorgehalten, zu viel Zeit mit dem Smartphone zu verbringen und mehr als jedem vierten Befragten wurde nachgesagt, keiner sinnvollen Beschäftigung nachzugehen und nur abzuhängen.

Corona: Familien-Zusammenhalt macht resilienter

Trotz aller Belastungen für die Menschen und ihre Gesundheit sieht die Zukunftsforscherin Corinna Mühlhausen negative und positive Effekte der Corona-Krise. „In manchen Familien ist schon viel kaputt gegangen und viel Schlimmes passiert“, sagt Mühlhausen. „Bei anderen können wir davon ausgehen, dass es sich lediglich um eine Ausnahmesituation handelt. Alle sitzen enger zusammen und bekommen mehr voneinander mit. Doch sie werden mit dem Gefühl aus der Krise gehen, etwas zusammen durchgestanden zu haben und resilienter sein."

In der Krise: Junge Eltern sportlich besonders aktiv

Positive Effekte macht die Studie der Pronova BKK besonders bei jungen Eltern aus – vor allem, wenn sie Kinder haben, die noch nicht im schulpflichtigen Alter sind. Dann ist kein Homeschooling nötig und damit fällt ein coronatypischer Stressfaktor für diese Familien weg. Mehr als die Hälfte von ihnen ist seit Beginn der Krise deutlich mehr an der frischen Luft als vorher. 40 Prozent der Menschen aus diesem Personenkreis haben in den Corona-bedingten Einschränkungen sogar neue Sportarten für sich entdeckt.

Foto: AdobeStock/Brian

Autor: zdr
Hauptkategorie: Corona
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