. Tag der Gehörlosen 2016

Gehörlose fordern mehr gesellschaftliche Teilhabe

Am 25. September 2016 findet der internationale Tag der Gehörlosen statt. Zur Eröffnung wird das geplante Bundesteilhabegesetz diskutiert, mit dem die Rechte von Menschen mit Behinderungen gestärkt werden sollen.
Gehörlose fordern gesellschaftliche Teilhabe

Am 25. September 2016 ist der internationale Tag der Gehörlosen

Rund 80.000 Menschen in Deutschland sind gehörlos, weltweit sind etwa 70 Millionen Personen betroffen. Der internationale Tag der Gehörlosen, der immer am letzten Sonntag im September stattfindet, soll auf ihre Situation aufmerksam machen. Bereits am 24. September 2016 findet die Eröffnung durch den Deutschen Gehörlosen-Bund e.V. (DGB) statt. Dazu spricht Helmut Vogel, Präsident des DGB, zum Thema „Bundesteilhabegesetz - Wir kämpfen gemeinsam für volle Teilhabe von Gehörlosen und Taubblinden!“ Anschließend gibt es eine Podiumsdiskussion, an der verschiedene Politiker teilnehmen.

DGB kritisiert geplantes Bundesteilhabegesetz

Mit dem Referentenentwurf des Gesetzes zur Stärkung der Teilhabe und Selbstbestimmung von Menschen mit Behinderungen (Bundesteilhabegesetz) reagiert die Bundesregierung auf die Forderung der Vereinten Nationen, Menschen mit Behinderungen eine gleichberechtigte Teilhabe zu ermöglichen. Bereits durch die Ratifikation der UN-Behindertenrechtskonvention aus dem Jahr 2009 hatte sich die Bundesrepublik Deutschland dazu bekannt, das deutsche Recht grundsätzlich in Übereinstimmung mit diesem Menschenrechtsübereinkommen weiterzuentwickeln. Das neue Bundesteilhabegesetz soll nun die Integration von Menschen mit Behinderungen in den allgemeinen Arbeitsmarkt verbessern. Vor allem sollen die Leistungen für Betroffene aus dem bisherigen „Fürsorgesystem“ herausgeführt und die Eingliederungshilfe zu einem modernen Teilhaberecht weiterentwickelt werden.

Der Deutscher Gehörlosen-Bund hat die Entscheidung der Bundesregierung, die Verwirklichung der Teilhabe von Menschen mit Behinderungen in der Gesellschaft voranzutreiben, grundsätzlich begrüßt. Dennoch betrachtet der DGB einige Passagen des Gesetzesentwurfs mit Sorge und fürchtet vor allem durch die Einschränkungen der bisherigen Leistungen für Betroffene „eine deutliche Verschlechterung für Menschen mit Behinderungen“ sowie „keine Chance auf eine echte volle, wirksame und gleichberechtigte gesellschaftliche Teilhabe“.

 

Leistungen für Gehörlose dürfen nicht geschmälert werden

Die Bundesregierung stelle nach wie vor keine ausreichenden Finanzmittel zur Verfügung, um die Deinstitutonalisierung und das selbstbestimmte Leben von Menschen mit Behinderungen zu fördern und ihnen bedarfsdeckende soziale Dienstleistungen zur Verfügung zu stellen, so der DGB in seinem Statement. Der Bund kritisiert zudem den Hinweis im Gesetzesentwurf, dass die Neuorganisation der Ausgestaltung der Teilhabe von Menschen mit Behinderung so geregelt werden soll, dass keine neue Ausgabendynamik entsteht. Auch moniert er das Verschieben der Ausgestaltung der Entscheidungen im BTHG auf Länderebene und sieht darin einen Verstoß gegen den im Grundgesetz verankerten Anspruch auf Einheitlichkeit der Lebensverhältnisse. Zu den weiteren im Einzelnen kritisierten Punkten gehört unter anderem, dass die Frühförderung speziell von gehörlosen Kindern nicht genügend beachtet werde.

Der Tag der Gehörlosen wurde im Jahr 1951 von der World Federation of the Deaf (WFD - Weltverband der Gehörlosen) ins Leben gerufen. Seit Mitte der 1970er Jahre wird er auch in Deutschland begangen. Anlässlich des Gedenktages veranstalten die regionalen Gehörlosen-Verbände verschiedene Aktionen, um auf die Situation der Betroffenen aufmerksam zu machen, und auch, um für die Gebärdensprache zu werben. Der Tag soll zudem die Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Organisationen fördern, die sich für Gehörlose einsetzen.

Foto: © Dan Race - Fotolia.com

Autor:
Hauptkategorie: Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Hals-Nasen-Ohren-Erkrankungen , Cochlea-Implantat , Hörschaden , Gehörlose , Hörsturz
 

Weitere Nachrichten zum Thema Gehörlosigkeit

 

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

 
. Weitere Nachrichten
Zum Welt-Diabetestag gibt es schlechte Nachrichten für Frühstücksmuffel: Epidemiologische Studienhaben gezeigt, dass der Verzicht auf ein Frühstück mit einem erhöhten Risiko für Typ-2-Diabetes verbunden ist. Umgekehrt scheint regelmäßiges Frühstücken vor der Zuckerkrankheit und Übergewicht zu schützen.
Die Seborrhoische Dermatitis zeichnet sich durch einen schuppigen und häufig juckenden Ausschlag im Gesicht und auf der Kopfhaut aus. Dermatologen haben nun herausgefunden, dass der Transkriptionsfaktor JunB eine Schlüsselrolle bei der Entstehung dieser Erkrankung spielt. Sie hoffen, dass sich daraus neue Therapieansätze entwickeln lassen.
. Fortbildungen Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender
 
. Termine Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender
 
. Kliniken
. Interviews
Die akute Aortendissektion ist immer ein Notfall. Einer Studie zufolge könnte vielen Menschen das Leben gerettet werden, wenn sie rechtzeitig und adäquat behandelt werden würden. Gesundheitsstadt Berlin hat mit Dr. Stephan Kurz vom Deutschen Herzzentrum Berlin (DHZB) über die Versorgungssituation und das erfolgreiche Projekt „Aortentelefon“ gesprochen.
Dr. Iris Hauth, Chefärztin des Alexianer St. Joseph-Krankenhauses für Neurologie, Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik in Berlin-Weißensee, berichtet in Ihrem Buch "Keine Angst!" über Ursachen und Behandlung von Depressionen - und wie man sich davor schützen kann.
Prof. Dr. Andreas Michalsen, Chefarzt am Immanuel Krankenhaus Berlin und Professor für Klinische Naturheilkunde an der Charité, über die Grenzen der Schulmedizin, den Wildwuchs in der Naturheilkunde und warum sich beide Disziplinen gerade näherkommen.