. Sportverletzungen

Gehirnerschütterung: Erholung dauert länger als angenommen

Die Erholung nach einer Gehirnerschütterung braucht offenbar mehr Zeit als bisher angenommen. Das hat eine aktuelle Studie gezeigt. Bekommt das Gehirn aber nicht die notwendige Ruhezeit, drohen Spätfolgen.
Gehirnerschütterung: Erholung dauert länger

Bei Sportarten wie American Football kommt es besonders häufig zu Gehirnerschütterungen

In Deutschland erleiden rund 300.000 Menschen jedes Jahr eine Gehirnerschütterung. Besonders bei Kontaktsportarten wie Eishockey, Fußball, American Football oder Handball kommt es leicht zu derartigen Verletzungen. Typische Beschwerden sind starke Kopfschmerzen; auch Übelkeit, Müdigkeit und Gangunsicherheit können hinzukommen. Eine medikamentöse Therapie gibt es nicht. Daher sind Ruhe, Zeit und ein behutsamer Wiedereinstieg in Alltagsaktivitäten die wichtigsten Maßnahmen. Doch viele Betroffene geben sich nicht die nötige Zeit zur Erholung. Wie gefährlich das sein kann, haben nun US-amerikanische Forscher gezeigt.

Gehirnerschütterung verändert zerebralen Blutfluss

Besonders Profisportler fangen nach einer Gehirnerschütterung meist wieder schnell mit dem Sport an. Dabei haben Untersuchungen immer wieder Hinweise ergeben, dass es dadurch zu dauerhaften Veränderungen im Gehirn kommen kann. Forscher vom Medical College of Wisconsin haben dies nun bei Football-Spielern untersucht und stellten ihre Daten beim internationalen Röntgenkongress RSNA 2015 vor. Dabei erhielten 27 Sportler, die ein Schädel-Hirn-Trauma erlitten hatten, innerhalb von 24 Stunden nach dem Vorfall ein MRT, das nach acht Tagen wiederholt wurde. 27 andere Sportler ohne Gehirnerschütterung fungierten als Kontrollgruppe. Zudem wurden die klinischen Symptome bei allen Teilnehmern mittels Sport Concussion Assessment Tool 3 (SCAT3) und Standardized Assessment of Concussion (SAC) beurteilt.

Die Forscher um Professor Michael McCrea und Dr. Yang Wang konnten zeigen, dass bei den Sportlern mit Gehirnerschütterung die klinischen Symptome nach acht Tagen zwar zurückgegangen waren, das MRT zu diesem Zeitpunkt jedoch einen signifikant reduzierten zerebralen Blutfluss nachwies. Obwohl die verletzten Sportler nach acht Tagen also klinisch offenbar komplett wieder hergestellt waren, ließen sich mittels MRT immer noch deutliche physiologische Veränderungen zeigen. Und diese waren acht Tage nach dem Trauma sogar noch stärker als unmittelbar danach.

Gehirnerschütterungen können zu dauerhaften Schäden führen

Wann der Blutfluss wieder komplett normalisiert wird, konnten die Forscher nicht sagen. Zurzeit laufen dazu noch Untersuchungen. Die Wissenschaftler empfehlen, nach einer Gehirnerschütterung auf keinen Fall wieder sofort mit körperlichen Aktivitäten anzufangen und empfehlen eine Pause von etwa 15 Tagen.

Frühere Studien konnten bereits zeigen, dass in den ersten zwei Tagen nach einer Gehirnerschütterung ein erhöhtes Risiko für das Auftreten intrakranieller Komplikationen wie beispielsweise einer Gehirnblutung vorliegt. Zudem steigt das Risiko, weitere, möglicherweise schwerwiegendere Kopfverletzungen zu erleiden, da sich das Gehirn offenbar in einer sogenannten „vulnerablen Phase“ befindet. Kommt es im Laufe einer Sportkarriere gehäuft zu Gehirnerschütterungen, können sich deren Effekte über die Zeit hinweg kumulieren und es drohen chronischen Beeinträchtigungen. In letzter Zeit wird als mögliche Spätfolge auch die Entwicklung einer chronisch-traumatischen Enzephalopathie diskutiert.

Foto: © Melinda Nagy - Fotolia.com

Autor: red
Hauptkategorie: Medizin

Weitere Nachrichten zum Thema Gehirn

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

. Weitere Nachrichten
Magnesium gehört zu den beliebtesten Nahrungsergänzungsmitteln. Weil ein zu viel von dem Mineralstoff der Gesundheit schaden kann, empfiehlt das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) nun eine Tageshöchstmenge in Pillen und Pulvern von 250 Milligramm. Das ist deutlich weniger, als die meisten Präparate enthalten.
. Veranstaltungen
loading...
Terminkalender
. Kliniken
. Personen Hauptstadtregion
. Interviews
Für Menschen mit Behinderung sind Arbeit und gesellschaftliche Teilhabe nach wie vor nicht selbstverständlich. Gesundheitsstadt Berlin hat mit Ulla Schmidt, MdB und Bundesvorsitzende der Lebenshilfe, darüber gesprochen, was getan werden muss, um die Situation von Betroffenen zu verbessern.
Prof. Hendrik Streeck leitet Deutschlands erstes Institut für HIV-Forschung am Universitätsklinikum Duisburg-Essen. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem US-Rückkehrer über sein größtes Ziel gesprochen: eine präventive Impfung gegen HIV.