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Gefahr durch multiresistente Keime

Montag, 16. November 2009 – Autor:
Rund 200 führende Wissenschaftler und Infektiologen haben sich am 5. und 6. November 2009 auf dem "2. Nationalen Innovationsforum Medizin" in Berlin getroffen und über aktuelle Gefahren durch Infektionskrankheiten und geeignete Schutzmassnahmen beraten. Vor allem die Zunahme multiresistenter Krankheitserreger bezeichneten die Experten als ernste Bedrohung.
Gefahr durch multiresistente Keime

Ulf Fink, Präsident des 2. Nationalen Innovationsforum Medizin


 

Gefährliche Krankheitserreger, die gegen antivirale Substanzen oder Antibiotika resistent sind, breiten sich weltweit immer weiter aus. Insbesondere Antibiotika-Resistenzen machen den Wissenschaftlern zu schaffen. Angesichts von rund 500.000 Tuberkulosefällen mit multiresistenten Erregern im Jahr 2006 sagte der Präsident des Robert Koch-Instituts Prof. Jörg Hacker in Berlin: "Bei multiresistenter Tuberkulose wie MDR-Tb sind wichtige Medikamente wirkungslos." Den Opfern solcher Erreger blieben kaum Therapieoptionen und bei der extrem resistenten Tuberkuloseform XXDR-Tb gebe es keinerlei Behandlungsmöglichkeit.

Multiresistente Keime als große Gefahr

Ähnlich besorgniserregend ist die weltweite Zunahme des Methicillin-resistenten Staphylococcus aureus (MRSA). Nach Angaben von Prof. Ivo Steinmetz vom Friedrich-Löffler-Institut in Greifswald erkranken in Europa jedes Jahr etwa drei Millionen Patienten an einer MRSA-Infektion - 50.000 bis 100.000 sterben daran. Besonders alarmierend sei, dass ein Grossteil der Antibiotika-Resistenzen im Krankenhaus entstehe. Experten schätzen, dass mindestens 20 Menschen pro Tag in Deutschland sterben, weil sie sich im Krankenhaus mit multiresistenten Keimen infiziert haben.

Massgeblich für die Zunahme der Resistenzentwicklung sei der hohe Antibiotikaverbrauch. Dieser sei allein in Deutschland zwischen 2003 und 2007 um 31 % gestiegen. Die Ärzte würden zu viele Antibiotika verschreiben, 20 bis 50 % der Antibiotikaverordnungen seien überflüssig, hiess es in Berlin.

 

Mehr Forschung, mehr Impfungen, weniger Antibiotika

Eine Reduzierung des Antibiotikaverbrauchs sei ein wichtiger Schritt im Kampf gegen die resistenten Erreger, aber bei weitem nicht alles. "Derzeit sind keine neuen Antibiotika-Substanzen in der Pipeline, um die neuen Angreifer zu bekämpfen. Wenn wir an unserem Wohlstand festhalten wollen, müssen wir mehr in die Erforschung von Infektionskrankheiten und Impfstoffen investieren", forderte Prof. Norbert Suttorp, Lehrstuhlinhaber für Infektiologie an der Charité, Universitätsmedizin Berlin.

Auch Impfungen könnten nützliche Helfer sein, um das Problem der Resistenzentwicklung in den Griff zu bekommen, meinten die Experten in Berlin. "Impfungen gehören zu den wirksamsten und kostengünstigsten Massnahmen zur Prävention von Infektionskrankheiten", sagte Suttorp. Man dürfe nicht vergessen, welchen Segen Vakzine für die Menschheit gebracht haben und nicht nur über Gefahren reden. Dass es gelungen sei, innerhalb von nur sechs Monaten einen Impfstoff gegen das Neue Grippe Virus A/H1N1 zu entwickeln, werteten die Fachleute als grossen Erfolg. Impfung sei der beste Schutz, um die Gefahr der Verbreitung und Mutation des Virus einzudämmen.

Doch längst gibt es nicht gegen alle Infektionskrankheiten eine Impfung. Seit Jahrzehnten wird an Impfstoffen gegen HIV, Tuberkulose, Malaria und Hepatitis C geforscht, bislang aber fehlt der erhoffte Durchbruch. So wäre etwa im Kampf gegen AIDS - vor dem Hintergrund von 2,5 Millionen HIV-Neuinfektionen pro Jahr - eine Impfung das einzige probate Präventionsmittel, sagte Dr. Claudia Schmitt von IAVI, einer Organisation, die HIV-Impfstoffe erforscht. Aber bislang sei es nicht gelungen, neutralisierende Antikörper zu entwickeln. Nur in der Malaria-Forschung sieht es etwas viel versprechender aus. Ein neuer Impfstoff hatte in den ersten beiden Testphasen erstaunliche Ergebnisse verzeichnet. Bei Malaria, sagte Prof. Reinhard Kurth vom Robert Koch-Institut, sei das Licht am Ende des Tunnels endlich in Sicht.

 

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