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Gefäßkatheter-Eingriff: Ballon genauso gut wie Stent

Mit einem Gefäßkatheter können Ärzte heute selbst feine verstopfte Blutgefäße wieder öffnen. Meist werden dabei Stents implantiert. Doch medikamentenschichtete Ballons bringen die gleichen Resultate - auch drei Jahre nach dem Eingriff. Das zeigt jetzt eine im „Lancet“ veröffentlichte Studie.
Schweizer Studie: Gefäßverstopfungen lassen sich mit einem Ballon ebenso gut behandeln wie mit einem Stent

Schweizer Studie: Gefäßverstopfungen lassen sich mit einem Ballon ebenso gut behandeln wie mit einem Stent

Wenn Blutgefäße durch Ablagerungen verstopfen, drohen Herzinfarkt und Schlaganfall. Um dem vorzubeugen, werden Gefäßkatheter in die betroffenen Gefäße vorgeschoben. Bei dem minimalinvasiven Eingriff werden standardmäßig Stents implantiert, die das Gefäß offenhalten sollen. Die kleinen Metallgitter geben außerdem Medikamente ab. So soll eine erneute Verstopfung verhindert werden. Alternativ kann der Eingriff auch mit einem medikamentenbeschichteten Ballon durchgeführt werden. Im Gegensatz zum Stent verbleibt der Ballon aber nicht im Blutgefäß.

Nach drei Jahren die gleichen Resultate

Aus früheren Untersuchungen ist bereits bekannt, dass Stent und Ballon im ersten Jahr nach dem Eingriff mit gleichem Erfolg Todesfälle, Herzinfarkte und Wiederverschlüsse des Blutgefäßes verhindern. Nun zeigt eine Studie der Universität Basel, dass die Behandlung mit Ballon auch drei Jahre nach dem Eingriff noch gleich wirksam wie die Stent-Behandlung ist.

In der Studie wurden zwischen 2012 und 2012 insgesamt 758 Patienten mit Gefäßverstopfungen randomisiert. Das heißt, sie wurden entweder nach dem Zufallsprinzip entweder mit einem medikamentenbeschichteten Ballon oder einem medikamentenfreisetzenden Stent behandelt. Nach drei Jahren Nachbeobachtung zeigte sich zwischen beiden Gruppen kein Unterschied. Die Raten an Todesfällen, Herzinfarkten und Wiederverschlüssen des Blutgefäßes war gleich hoch.

 

Ballon bleibt nicht als Implantat im Körper

Studienleiter Prof. Dr. Raban Jeger vom Universitätsklinikum Basel, hält die Ergebnisse für wichtig: „Die Behandlung mit dem Ballon hat den Vorteil, dass kein Implantat in das Blutgefäß eingesetzt werden muss, was das Risiko von unerwünschten Nebenwirkungen reduziert“, sagt er.

Lebensgefährliche Herz-Kreislauf-Ereignisse wie Herzinfarkt und Schlaganfall entstehen, wenn sich Blutgefässe durch Ablagerungen an der Innenhaut verdicken. Die Verdickung kann den Blutfluss behindern oder ganz unterbrechen, was zum Absterben von Teilen des Herzmuskels, des Gehirns oder anderer Organe führen kann. Bluthochdruck, Diabetes und ungesunde Blutfettwerte sind wichtige Risikofaktoren für solche lebensgefährlichen Gefäßverstopfungen.

Die Studie” Long-term efficacy and safety of drug-coated balloons versus drug-eluting stents for small coronary artery disease (BASKET-SMALL 2): 3-year follow-up of a randomised, non-inferiority trial” wurde jetzt im Fachmagazin “The Lancet” veröffentlicht.

Foto: © Adobe Stock/Christoph Burgstedt

Autor: ham
Hauptkategorie: Medizin
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