. Infektionskrankheiten

Gefährliche Tigermücke bald in Deuschland heimisch?

Die gefährliche Tigermücke wird sich aufgrund des globalen Klimawandels weiter in den Norden Europas ausbreiten und könnte damit auch in Deutschland heimisch werden.
Tigermücke

Die aus Asien stammenden Tigermücke überträgt unter anderen Zika- und Dengue-Viren

Das sagen zumindest Frankfurter Wissenschaftler voraus. Der Stich der Tigermücke kann gefährliche Infektionskrankheiten auslösen. Eine verwandte Art, die Asiatische Buschmücke ist bereits in Deutschland heimisch. Auch diese Mückenart gilt als Überträger von verschiedenen Viren. „Die Tigermücke (Aedes albopictus) und die Asiatische Buschmücke (Aedes japonicus) sind potentielle Überträger sogenannter Vektoren, einer Reihe von Infektionskrankheiten auslösenden Viren. Dazu zählen Zika-, Dengue-, West-Nil- oder Chikungunya-Viren“, erklärt Prof. Sven Klimpel vom Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrum und der Goethe-Universität Frankfurt.

„Wir haben untersucht, welche Lebensräume sich zukünftig klimatisch für diese beiden invasiven Arten eignen“, so Klimpel. Dazu nutzten sie Klimamodelle. Ursprünglich aus subtropischen und tropischen Regionen Asiens stammend, haben sich Tiger- und Buschmücken durch Reisende und Warentransporte im Zuge der Globalisierung sehr schnell in Europa ausgebreitet. "Wir haben gerade in der jüngeren Vergangenheit mit dem drastischen Auswirkungen von Zika gesehen, dass sich die Welt auf einige seltene, aber besonders gefährliche Erreger, die über Vektoren verbreitet werden, besser vorbereiten muss", sagt der Wissenschaftler.

Gefährliche Tigermücke in Deutschland

Tigermücken gibt es bereits seit mehreren Jahrzehnten im Mittelmeerraum. In Deutschland wurde die Asiatische Tigermücke bereits in Baden-Württemberg und Thüringen nach­ge­wiesen. Die Asiatische Buschmücke wurde bislang in Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Niedersachsen, Baden-Württemberg, Bayern und Thüringen gefunden.

Klimpel erläutert: „Dass potentielle Verbreitungsgebiet der Tigermücke in Europa wird sich durch den Klimawandel nach Norden und Nordosten ausdehnen.“ In Nord- und Osteuropa ist die die Temperatur während der Wintermonate, der limitierende Faktor für die Tigermücke. Die Mücken sind bis zu einem gewissen Grad an kältere Temperaturen angepasst. Liegen die Temperaturen aber unter der kritischen Grenze überleben ihre Eier nicht.

 

Mildere Winter lassen Mücken-Eier überleben

„Durch den projizierten Klimawandel werden sich die Grenzen der potentiellen Verbreitungsgebiete aufgrund milderer Winter weiter nach Norden verschieben“, so Klimpel. „In Südeuropa werden wir die Tigermücke dagegen aufgrund der zunehmenden Sommertrockenheit nicht mehr so häufig antreffen, denn die Tiere sind für ihre Fortpflanzung auf stehende Gewässer angewiesen.“

Das Verbreitungsgebiet der Die Buschmücke, die an kühlere Bedingungen besser angepasst ist, wird  sich hingegen im Zuge des Klimawandels verkleinern und in kühlere Gebiete zurückziehen. „Dieser Mücken-Art wird es bei uns zukünftig schlicht zu warm“, fügt Klimpel hinzu.

Mückenatlas bittet um Stechmücken-Funde

Wann, wo und mit welchen Arten die Mücken in Deutschland vorkommen, kartiert mit Hilfe interessierter Bürger der Mückenatlas – ein Projekt vom Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) und vom Friedrich-Loeffler-Institut (FLI), dem Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit. Dr. Doreen Walther vom ZALF bittet um Mithilfe und die Einsendung von Stechmücken-Funden. Nähere Informationen dazu finden sich unter www.mueckenatlas.de.

Derweil arbeiten Forscheer gerade an einem Wirkstoff, der gegen die von einer anderen Mückenart übertragene Malaria schützen soll. Die Infektionskrankheit kostet jährlich immer noch hundertausende Todesopfer.

Foto: Jürgen Fälchle/fotolia.com

Autor: bab
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Infektionskrankheiten
 

Weitere Nachrichten zum Thema Stechmücken

 
 

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

 
. Weitere Nachrichten
Antikörper, die körpereigene Strukturen angreifen, können Autoimmunerkrankungen auslösen. Nun haben Forscher jedoch noch eine andere Funktion entdeckt. Offenbar kann ein bestimmter Autoantikörper, der nach Hirnverletzungen oder chronischem Stress gebildet wird, wie ein körpereigenes Antidepressivum wirken.
Gäbe es bereits ausgereifte Robotersysteme in Medizin und Pflege, würde das Corona-Infektionsrisiko für Ärzte und Pfleger sinken. Über den Stand der Entwicklung intelligenter Roboterwerkzeuge, den Schub für Digitalisierung und Robotik durch den EU-Aufbaufonds nach der Coronakrise und die internationale Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands bei intelligenten und sichereren Assistenzrobotern hat Gesundheitsstadt Berlin mit Prof. Dr. Sami Haddadin, Direktor der Munich School of Robotics and Machine Intelligence an der TU München, einen Podcast durchgeführt.
 
 
. Kliniken
. Interviews
Noch müssen Ärzte in Deutschland keine Triagierung von COVID-19-Patienten vornehmen. Doch was wenn, die Intensivkapazitäten auch hier zu Lande nicht reichen? Gesundheitsstadt Berlin hat über das bedrückende Thema mit Prof. Dr. Elisabeth Steinhagen-Thiessen gesprochen. Die Charité-Medizinerin befasst sich als Mitglied des Deutschen Ethikrats und einer soeben eingerichteten Task Force des Berliner Senats intensiv mit dem Worst-Case-Szenario „Triagierung“.
Work-Life-Balance, geregelte Arbeitszeiten – in altersgemischten Stationsteams prallen Welten aufeinander. Wie sich der Generationenkonflikt im Krankenhaus lösen lässt, weiß Professor Wolfgang Kölfen, Chefarzt und Kommunikationsberater aus Mönchengladbach.