. Trier und Leipzig

Gefährliche Keime auf Frühchen-Stationen

Nach der Entdeckung eines gefährlichen Keims auf einer Frühchen-Station in Trier sind jetzt auch auf der Neonatologie des Leipziger Universitätsklinikums multiresistente ESBL-Keime aufgetaucht. Bislang ist aber kein Kind erkrankt.
In Trier und Leipzig sind derzeit Neugeborene mit gefährlichen Keimen besiedelt, aber nicht erkrankt

In Trier und Leipzig sind derzeit Neugeborene mit gefährlichen Keimen besiedelt, aber nicht erkrankt

Am 20. Oktober war auf der Kinder-Intensivstation des Klinikums Mutterhaus der Borromäerinnen in Trier der Keim Serratia marcescens festgestellt worden. Inzwischen sollen zwölf Frühgeborene mit dem Keim besiedelt sein, aber keines der Kinder ist offenbar erkrankt. Das Klinikum teilte gestern mit, man habe die Situation im Griff. Die Kinderintensivstation ist seither für Neuaufnahmen gesperrt. Chefarzt Wolfgang Günther, geht davon aus, dass das letzte Kind die betroffene Station erst Anfang des kommenden Jahres verlassen kann. Die ebenfalls vorsorglich gesperrte, benachbarte Früh- und Neugeborenenstation, auf der zu keinem Zeitpunkt die Besiedlung eines Kindes stattfand, werde voraussichtlich am Ende dieser Woche ohne Patienten sein. Der Keim Serratia ist vor allem im Darmtrakt von Menschen und Tieren zu finden und kann bei Patienten mit schweren Grunderkrankungen oder geschwächter Infektabwehr zu Infektionen führen, die schwer verlaufen können.

Ohne Screening wären die Keime wahrscheinlich nie entdeckt worden

Keim-Alarm hat es am Dienstag auch auf der Frühchen-Station am Leipziger Uniklinikum gegeben. Bei Routine Screenings wurde die Besiedlung mehrerer Kinder mit ESBL-Keimen festgestellt. Keines der Neugeborenen sei durch die Besiedlung erkrankt, drei Kinder konnten bereits als gesund nach Hause entlassen werden, heißt es in einer Mitteilung des Leipziger Universitätsklinikums. 

Bei ESBL-Erregern handelt es sich um Bakterien der Darmflora. Für Gesunde sind sie ungefährlich. Auf Neugeborenen Stationen haben sie allerdings nichts zu suchen. „Durch unsere umfangreichen Screeningmaßnahmen können wir frühzeitig Gefährdungen erkennen und rechtzeitig reagieren, so wie jetzt geschehen“, erklärt Prof. Wolfgang E. Fleig, Medizinischer Vorstand des Universitätsklinikums Leipzig. Obwohl ESBL-Bakterien zu den multiresistenten Bakterien gehörten, seien hier mehrere Antibiotika wirksam und könnten zur Behandlung eingesetzt werden.

Um weitere Besiedelungen zu verhindern, nimmt das Leipziger Klinikum seit Dienstag keine Risiko-Schwangeren mehr auf. Eine Notfallversorgung sei aber weiterhin sichergestellt.

Foto: © beerkoff - Fotolia.com

Hauptkategorien: Gesundheitspolitik , Medizin
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