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Gefährliche Keime an Uniklinik Leipzig

Die Uniklinik Leipzig ist in die Schlagzeilen geraten, weil sie den Ausbruch eines multiresistenten Darmkeims lange verschwiegen hat. Mittlerweile sind 30 Patienten, bei denen der Keim nachgewiesen wurde, gestorben.
Keimbefall an Uniklinik Leipzig

Keimbefall an Uniklinik Leipzig

Nicht nur die Frühchenstation des Klinikums Bremen kämpft gegen hartnäckige Keime. Das Universitätsklinikum Leipzig (UKL) erlebt derzeit den grössten für Deutschland je dokumentierten Ausbruch eines gefährlichen Darmkeims. 63 Patienten haben sich in den vergangenen zwei Jahren mit dem antibiotika-resistenten Keim KPC infiziert, einem Erreger der Lungenentzündung. 30 Betroffene sind inzwischen verstorben. Ob ihr Tod allerdings direkt auf den Keim zurückzuführen ist, sei unklar, so der Medizinische Vorstand des Universitätsklinikums Leipzig (UKL), Wolfgang Fleig.

Die Klinik war in die Kritik geraten, weil sie das gehäufte Auftreten der gefährlichen Keime dem Gesundheitsamt erst sehr spät gemeldet hatte. Der Vorstand kündigte nun an, dass ein Expertenteam unter Leitung des Robert-Koch-Instituts die Vorfälle noch einmal kritisch unter die Lupe nehmen werde. Derweil weitet das UKL seine Hygienemassnahmen aus. Alle Patienten, die in die Notaufnahme oder die Intensivstation kommen, sollen jetzt auf den KPC-Keim untersucht werden. Mit den Keimen befallene Patienten werden isoliert. Zudem sollen Stuhlproben von allen Mitarbeitern genommen werden, die mit infizierten Patienten Kontakt hatten.

Antibiotika-resistente Keime nehmen zu

Problematisch ist der KPC-Keim vor allem, weil gängige Antibiotika gegen ihn nicht mehr wirken. Eingeschleppt wurde der Keim offenbar schon im Juli 2010 von einem deutschen Patienten, der zuvor in einem Krankenhaus auf der griechischen Insel Rhodos war. Er litt an einer schweren Lungenentzündung, an der er auch starb. Ob der jetzige Keimbefall immer noch von dieser Quelle herrührt, ist unbekannt. Nach Angaben der Klinikleitung ist der Patient damals sofort isoliert worden, und alle notwendigen Schutzmassnahmen wurden eingeleitet. Dennoch kam es mit einer Zeitverzögerung von drei Monaten zu einem gehäuften Auftreten des Keims auf mehreren Stationen. Erst nachdem im Februar 2011 bereits 30 Patienten betroffen waren, hat die Uniklinik das Gesundheitsamt informiert. "Diese Meldung hätte aus heutiger Sicht sicher früher erfolgen können", so Fleig.

Multiresistente Keime werden in Deutschland zu einem immer grösseren Problem. Mittlerweile sind schon zwischen 15 und 20 Prozent der Staphylokokken, Klebsiellen und Coli-Bakterien zu resistenten Typen mutiert. KPC ist ein Abkömmling des an sich harmlosen Bakteriums Klebsiella pneumoniae, das in der Darmflora und im Mund aller Menschen vorkommt. Der Keim hat allerdings das Enzym Carbapenemase erworben, durch das er nun resistent gegen Antibiotika geworden ist. Dass die Anzahl multiresistenter Keime in den letzten Jahren so drastisch gestiegen ist, liegt nach der Meinung von Experten daran, dass Ärzte zu häufig Antibiotika verschreiben. Aber auch der Einsatz von Antibiotika in der Tierzucht gilt als eine der Ursachen des Problems.

Bild: AOK-Mediendienst

 
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