. Autoimmunerkrankung

„Gedächtniszellen“ lösen Schübe bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen aus

Bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen wie Morbus Crohn oder Colitis Ulcerosa kommt es immer wieder zu Krankheitsschüben. Forscher aus Erlangen haben jetzt Gedächtniszellen des Immunsystems als Auslöser identifiziert.
Schübe, chronisch entzündliche Darmerkrankungen

Sebastian Zundler (re) konnte zeigen, dass "Gedächtnis T-Zellen“ Schübe bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen auslösen

Chronisch entzündliche Darmerkrankungen (CED) wie Morbus Crohn oder Colitis Ulcerosa sind Autoimmunerkrankungen, bei denen sich das Abwehrsystem gegen körpereigenes Gewebe richtet. Die Ursache ist weitgehend unklar, jedoch scheinen verschiedene Einflüsse und Faktoren eine Rolle zu spielen. Unter Verdacht stehen unter anderem im Gewebe ansässige „Gedächtnis T-Zellen“ (TRM-Zellen). Deren Rolle hat nun ein Team um Dr. Sebastian Zundler vom Universitätsklinikum Erlangen näher untersucht.

TRM-Zellen steuern Entzündung

An Gewebeproben von CED-Patienten konnten die Forscher zeigen, dass bestimmte Subgruppen von TRM-Zellen im Vergleich zu Kontrollpatienten gehäufter vorkommen. Durch anschließende Versuche mit Mäusen wurde klar, dass genau diese Zellen die Entzündungen im Darm steuern. „Wir haben eine Schaltstelle gefunden, die neue Krankheitsschübe auslöst“, erklärt Sebastian Zundler, Assistenzarzt und Clinician Scientist am Universitätsklinikum Erlangen. „Die Erkrankung schwächte sich deutlich ab, wenn die TRM-Transkriptionsfaktoren „Hobit“ und „Blimp-1“ fehlten“, so Zundler weiter.

Die Forscher setzten außerdem zwei neuartige Modelle zur Ausschaltung von TRM-Zellen ein. Waren die Zellen ausgeschaltet, führte dies zu einem deutlich milderen Krankheitsverlauf. Die Ergebnisse sind kürzlich im Fachmagazin „Nature Immunology” erschienen.

 

Ansatz soll neue Therapien gegen chronisch entzündliche Darmerkrankungen hervorbringen

Da die Arbeit entscheidend zu einem innovativen therapeutischen Ansatz in der Behandlung von chronisch entzündlichen Darmerkrankungen beitragen wird, bekam Zundler am Donnerstag den Innovationspreis der Deutschen Hochschulmedizin verliehen.

Der Preis ist mit 10.000 Euro dotiert und würdigt herausragende innovative wissenschaftliche Arbeiten von Nachwuchswissenschaftlern. Ziel ist die Stärkung der Forschung in der Universitätsmedizin am Wissenschaftsstandort Deutschland.„Die hervorragende wissenschaftliche Arbeit eröffnet neue immun-therapeutische Ansätze für die chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen“, sagte Professor  Ingo Autenrieth, Vizepräsident des Medizinischen Fakultätentages (MFT) und Jury-Vorsitzender des Innovationspreises.

In Deutschland leiden rund 400 von 100.000 Menschen unter chronisch entzündlichen Darmerkrankungen. Die häufigsten Formen sind Morbus Crohn und Colitis Ulcerosa. Symptome sind starker Durchfall, anhaltende Bauchkrämpfe und Fatigue. 

Foto: VUD

Autor: ham
Hauptkategorie: Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Chronisch entzündliche Darmerkrankungen , Morbus Chron , Autoimmunerkrankungen , Immunzellen
 

Weitere Nachrichten zum Thema Chronisch entzündliche Darmerkrankungen

 
 

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

 
. Weitere Nachrichten
Immer öfter klagen Verbraucher nach dem Verzehr von Produkten aus Weizenmehl über gesundheitliche Probleme. Kurios dabei ist: Manche vertragen die Brötchen vom einen Bäcker nicht, die vom anderen schon. Viele haben Probleme mit Weizen, aber nicht mit Dinkel – dabei sind beide Getreide eng verwandt. Ein Forschungsprojekt der Uni Hohenheim liefert neue Erkenntnisse darüber, warum.
Müdigkeit ist in der Regel ein normales, gesundes Gefühl, das uns darauf aufmerksam macht, dass wir Erholung brauchen. Doch manche Menschen fühlen sich immer müde, auch wenn sie ausreichend schlafen. Dann können ernsthafte Erkrankungen dahinterstecken.
Psychedelische Substanzen wie LSD oder Ketamin sind illegale Drogen. Doch Menschen mit schwer behandelbaren Depressionen können die Psychedelika (eng. Psychedelics) mitunter helfen. Der Psychiater Prof. Bernhard Baune vom Universitätsklinikum Münster fasst den aktuellen Stand der Forschung zusammen.
 
 
. Kliniken
. Interviews
Der klassische Medikationsprozess im Krankenhaus ist fehleranfällig. Untersuchungen untermauern das. Dabei könnte die Digitalisierung die Arzneimitteltherapie wesentlich sicherer machen. Das Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf (UKE) hat schon vor Jahren auf ein Closed Loop Medication Management umgestellt. Gesundheitsstadt Berlin hat mit UKE-Krankenhausapothekerin PD Dr. Claudia Langebrake über die Vorteile des digitalen Medikationsprozesses gesprochen.
Hitzewellen sind eine reale Gefahr für die Gesundheit und lassen die Mortalitätsrate ansteigen. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem wissenschaftlichen Leiter des Zentrums für Medizin-Meteorologische Forschung des Deutschen Wetterdienstes (DWD) in Freiburg, Prof. Dr. Andreas Matzarakis, über Hitzewarnsysteme und die Auswirkungen von Hitzewellen auf unsere Gesundheit gesprochen.
Das Essen in deutschen Krankenhäusern hat keinen besonders guten Ruf. Dabei lässt sich mit wenig Mehraufwand viel erreichen. Der Internist und Ernährungsmediziner Prof. Dr. Christian Löser erklärt die medizinischen und ökomischen Effekte einer gesunden Ernährung im Krankenhaus.