Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 
24.01.2013

G-BA definiert Problemfelder

Nicht immer verläuft die medizinische Versorgung optimal. Der G-BA hat sich nun Prioritäten gesetzt und will die Versorgungsqualität vor allem bei fünf Indikationen verbessern.
Amputationen bei Diabetes

Bei Diabetikern werden 20.000 Amputationen pro Jahr vorgenommen.

Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) hat in seiner jüngsten Sitzung fünf Handlungsfelder benannt, die er in Zukunft mit besonderer Priorität unter die Lupe nehmen will, da es hier nach Meinung vieler Experten mit der Qualität der Versorgung am meisten hapert. Die Auswahlkriterien für die Indikationen waren die Krankheitshäufigkeit, die Anzahl der Neuerkrankungen pro Jahr, das vermutete Verbesserungspotenzial und der Versorgungsbedarf. Zu großen Teilen betreffen die benannten Problemfelder auch die hausärztliche Versorgung.

Folgende Indikationen wurden vom G-BA als besonders verbesserungsfähig benannt:

  • Diabetischer Fuß: Jährlich müssen bei Typ-2-Diabetikern insgesamt 20.000 Amputationen vorgenommen werden. Diese Zahl bezeichnete Dr. Regina Klakow-Franck, unparteiisches Mitglied des G-BA und Vorsitzende des zuständigen Unterausschusses Qualitätssicherung, als „erschreckend“. Nach Meinung von Experten würde sich die Häufigkeit von Amputationen bei verbesserter Versorgung der Patienten drastisch senken lassen.
  • Schlaganfall: Besonders die Frühversorgung ist entscheidend für die Prognose eines Patienten nach einem Schlaganfall. Durch eine möglichst schnelle Behandlung lassen sich Sterblichkeit und andauernde Pflegebedürftigkeit verringern. Dennoch erhält bisher nur jeder vierte Schlaganfall-Patient eine optimale Frühversorgung.
  • Minimalinvasive Herzklappen-Eingriffe: Hier bezeichnete der G-BA eine schwer überschaubare Methodenvielfalt als besonderes Problem.
  • Entlassmanagement: Bisher wurden dafür keine Standards entwickelt, obwohl in den Krankenhäusern ein Entlassmanagement gesetzlich vorgeschrieben ist. Gerade aufgrund der durch den Kostendruck weiter sinkenden Verweildauer im Krankenhaus wird der Übergang zwischen stationärer Behandlung und ambulanter Versorgung beziehungsweise Rehabilitation immer wichtiger.
  • Tonsillektomie: Für die Mandelentfernung ist die Häufigkeit der Indikation regional bisher sehr unterschiedlich.

Qualitätsziele klar definieren

2012 hatte der G-BA eine Übersicht für die Prozessschritte und Ergebnisse für das Themenfindungs- und Priorisierungsverfahren (TuP-Verfahren) verabschiedet, das einer Verbesserung der Qualität in der medizinischen Versorgung dienen soll. „Das TuP-Verfahren leistet einen wertvollen Beitrag auf dem Weg zu einem lernenden Versorgungssystem. Erkenntnisse aus Epidemiologie und Versorgungsforschung fließen nunmehr systematisch in die Auswahl von Qualitätssicherungsthemen ein“, erklärt Klakow-Franck.

„Zu den weiteren Vorteilen des TuP-Verfahrens zählt, dass Qualitätsverbesserungspotenziale und angestrebte Qualitätsziele des beantragten neuen Qualitätssicherungsverfahrens klar definiert und wissenschaftlich untermauert sein sollen“, so Klakow-Franck weiter. „Zusätzlich sind Machbarkeitsgesichtspunkte sowie das Aufwand-Nutzen-Verhältnis zu beachten."

Foto: Peter Mazlen – Fotolia. com

 
Autor:
Hauptkategorien: Gesundheitspolitik , Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Qualitätssicherung , Herzklappe , Diabetischer Fuss , Tonsillektomie , Schlaganfall
 

Weitere Nachrichten zum Thema Qualitätssicherung

 

Aktuelle Nachrichten

 
Weitere Nachrichten

Kopfbälle gehören zu den coolsten Spieltechniken im Fußball – doch sie haben ihren Preis. Eine Studie aus Schottland zeigt: Das Risiko für Profifußballer, später an neurodegenerativen Erkrankungen wie Parkinson, Alzheimer oder Demenz zu erkranken, ist dreieinhalb mal so hoch wie bei der Allgemeinbevölkerung. Ein Spielertyp ist besonders in Gefahr.

 
Interviews
Aducanumab ist das erste in den USA zugelassene Medikament, das die Alzheimer typischen Amyloid-Plaques zum Verschwinden bringt. Aber kann der neue monoklonale Antikörper mit dem Handelsnamen Aduhelm auch den Gedächtnisverlust stoppen? Und warum ist die Notfallzulassung in den USA durch die US-Food and Drug Administration (FDA) so umstritten? Darüber hat Gesundheitsstadt Berlin mit dem Neurologen und Alzheimer-Experten Prof. Johannes Levin vom LMU Klinikum München gesprochen.

Chronische Fatigue gehört zu den häufigen Langzeitfolgen einer Covid-Infektion. Oft bessert sich der zermürbende Erschöpfungszustand nach einigen Wochen oder Monaten von allein. Doch einige Patienten entwickeln das Vollbild einer myalgischen Enzephalopathie/ Chronisches Fatigue Syndrom (ME/CFS). Gesundheitsstadt Berlin hat mit Professor Carmen Scheibenbogen von der Charité über die Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten des schweren Krankheitsbilds gesprochen.

Logo Gesundheitsstadt Berlin