. Hoffnung für MS-Kranke

Fumarsäure gegen Multiple Sklerose

Wissenschaftler haben herausgefunden: Fumarsäure, die seit Jahren zur Behandlung von Schuppenflechte eingesetzt wird, hilft auch bei Multipler Sklerose. Der Wirkstoff könnte ein Durchbruch in der MS-Therapie sein.
Rainer Sturm/pixelio

Rainer Sturm/pixelio

Grosse Hoffnung für Patienten mit Multipler Sklerose (MS) machen die Ergebnisse einer grossen internationalen Studie. Sie zeigen, dass der Wirkstoff Fumarsäure offenbar die Schubrate bei der Multiplen Sklerose annähernd halbieren und auch die MS-typischen Schädigungen des Gehirns deutlich reduzieren kann. In der DEFINE-Studie wurde das Fumarsäure-Präparat "BG-12" an 1 234 Patienten mit schubförmiger MS und leichten bis mittelschweren Behinderungen getestet. Die Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft rechnet mit einem Durchbruch in der MS-Therapie.

Fumarsäure-Präparat erfolgreich getestet

Studienleiter Professor Ralf Gold, Direktor der Neurologischen Universitätsklinik in Bochum und Vorstandsmitglied des Ärztlichen Beirates der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft schliesst aus den Studienergebnissen, dass BG-12 eine therapeutische Option für Patienten mit schubförmiger MS sein könnte, mit ordentlicher Wirksamkeit und guter Verträglichkeit. "Insbesondere die Kombination aus hoher Wirksamkeit und Sicherheit machen das Medikament zu einer interessanten Behandlungsoption", erklärte Professor Ralf Gold. Das erfolgreich getestete Fumarsäure-Präparat "BG-12" sei aber noch nicht für die Behandlung der Multiplen Sklerose zugelassen, stellte Gold klar. Der Neurologe rechnet aber bereits im kommenden Jahr mit einer Zulassung. Dann könnten MS-Patienten ein wirksames Präparat als Pille schlucken. Bislang müssen die meisten MS-Medikamente gespritzt werden.

Wie Fumarsäure bei Multiple Sklerose wirkt

Die Multiple Sklerose ist eine entzündliche Erkrankung des Nervensystems. Genau wie die Schuppenflechte ist die MS eine Autoimmunkrankheit, bei der sich die Immunabwehr gegen körpereigene Zellen richtet. Bei MS wird die die "Isolierschicht" der Nervenzellen zerstört. Mit dem Wirkstoff Fumarsäure wird die Schuppenflechte schon seit mehr als zehn Jahren behandelt. Offenbar kann der Wirkstoff das Immunsystem auf raffinierte Weise gegen die Krankheit stark machen. Er wirkt auf die dendritischen Zellen ein, die bei der körpereigenen Immunabwehr eine zentrale Rolle spielen. Wissenschaftler konnten jetzt nachweisen, dass Fumarsäure die dendritischen Zellen umerziehen kann - und zwar zu dem Typ, der entzündungshemmend wirkt und so überschiessenden Entzündungsprozessen entgegenwirkt.

Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Multiple Sklerose , Autoimmunerkrankungen , Neurologie

Anzeige
 

Weitere Nachrichten zum Thema Multiple Sklerose

| Viele Multiple-Sklerose-Patienten leiden unter der Sommerhitze besonders stark. Sie fühlen sich schlapper und müder als sonst und klagen zum Teil über eine Verstärkung ihrer Symptome. Bezeichnet wird dies als Uhthoff-Phänomen. Etwa 80 Prozent aller MS-Patienten sollen darunter leiden.
| Da die Nebenwirkungen des vom Markt genommenen MS-Medikaments Daclizumab noch lange Zeit nach der Behandlung anhalten können, sollten Neurologen ihre Patienten genau beobachten. Das Krankheitsbezogene Kompetenznetz Multiple Sklerose (KKNMS) gibt nun Tipps, welche Symptome typisch sein können.
| Fatigue, eine erhöhte Grundmüdigkeit und schnelle Erschöpfbarkeit, ist eines der am häufigsten auftretenden Symptome bei Multipler Sklerose (MS). Über 80 Prozent der Patienten sollen daran leiden. Die Ursachen sind noch weitgehend unbekannt, doch Forscher konnten nun die betroffenen Hirnareale im MRT sichtbar machen.

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

. Weitere Nachrichten
Keine Altersgruppe wächst so schnell wie die der Hochbetagten. Viele, die auf die 100-Jahre-Marke zusteuern, verfügen über eigene Ideen und Strategien für ein gutes Altern. Die Wissenschaft, kritisiert jetzt eine der wenigen Altersforscherinnen, habe dies bisher aber so gut wie übersehen.
Autismus ist eine neurologische Entwicklungsstörung. Betroffene haben unter anderem Schwierigkeiten mit der sozialen Interaktion und neigen zu stereotypen Verhaltensmustern. Nun hat eine Studie gezeigt, dass der Einsatz von Neurofeedback dazu beitragen kann, die Symptome zu lindern.
. Fortbildungen Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender

Evangelisches Geriatriezentrum Berlin gGmbH, Reinickendorfer Straße 61, 13347 Berlin

Anzeige
 

. Termine Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender

St. Joseph Krankenhaus Berlin-Tempelhof, Wüsthoffstraße 15, 12101 Berlin, Konferenzraum1
. Interviews
Dr. Iris Hauth, Chefärztin des Alexianer St. Joseph-Krankenhauses für Neurologie, Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik in Berlin-Weißensee, berichtet in Ihrem Buch "Keine Angst!" über Ursachen und Behandlung von Depressionen - und wie man sich davor schützen kann.
Prof. Dr. Andreas Michalsen, Chefarzt am Immanuel Krankenhaus Berlin und Professor für Klinische Naturheilkunde an der Charité, über die Grenzen der Schulmedizin, den Wildwuchs in der Naturheilkunde und warum sich beide Disziplinen gerade näherkommen.
Noch zu wenige Versicherte nehmen die Darmkrebsvorsorge wahr. Die AOK Nordost geht deshalb neue Wege. Stefanie Stoff-Ahnis, Mitglied der Geschäftsleitung der AOK Nordost und verantwortlich für das Ressort Versorgung, erläutert das Engagement, das soeben mit dem Felix Burda Award ausgezeichnet wurde.