. Studie der Universität Lübeck

Frühstück: Körper verbrennt doppelt so viel Energie wie beim Abendessen

Wann, was, wie viel? Frühstücken ist ein Streitthema für Normalverbraucher und Wissenschaftler gleichermaßen. Forscher der Universität Lübeck haben die Debatte versachlicht und können jedenfalls eines bestätigen: Beim Essen morgens verbrennt der Körper 2,5-mal so viel Energie wie bei Mahlzeiten, die man abends einnimmt.
Bunte Frühstücksparade mit Frischkäsebrotscheiben mit Granatapfel, Avocado, Brombeeren, Feigen, Cherrytomaten

Beim Frühstück darf man's krachen lassen: Wenn man morgens so viel isst wie abends, schlägt das wegen der dann intensiveren Energieverbrennung nur halb so stark zu Buche.

Man soll frühstücken wie ein Kaiser, mittagessen wie ein König und abendessen wie ein Bettler: Das klingt nach strenger Oma und Volksmedizin – aber ein Großteil der Bevölkerung hat das im Blut. Der Ernährungswissenschaftler würde zumindest sagen: Wenn der Körper mit einem gesunden Frühstück die richtigen Kohlenhydrate bekommt, die langsam ins Blut gehen (Vollkorn statt Weißmehl), Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente, dann ist das ein gutes Sprungbrett für einen erfolgreichen Tag. Wir sind körperlich fitter, geistig leistungsfähiger und können uns besser konzentrieren. Wichtig ist es aber, daraus kein Dogma zu machen und es jedem freizustellen, auf die eigenen Bedürfnisse zu hören und dem individuellen Ess-Rhythmus zu folgen. Schließlich gibt es auch Menschen, die morgens nichts runterkriegen, auch ohne Frühstück fit und leistungsfähig sind, und lieber erst später am Vormittag etwas essen.

Ein Punkt, der auch in der Wissenschaft seit Jahren kontrovers diskutiert wird, ist: Welche Bedeutung hat die Tageszeit für die Verbrennung der bei der jeweiligen Mahlzeit verzehrten Kalorien? Die Sektion für Psychoneurobiologie der Uni Lübeck hat in einer aktuellen Studie untersucht, ob die Kalorienverwertung (Fachgriff: nahrungsinduzierte Thermogenese (NIT)) bei identischen Mahlzeiten tageszeitlich variiert und ob bei dieser Regulation auch eine Rolle spielt, wie kalorienreich oder -arm die jeweilige Mahlzeit war.

Frühstück: Sogar 2,5-fache Kalorienverbrennung wie beim Abendessen

„Die Ergebnisse zeigen, dass eine identische Kalorienzufuhr sowohl nach hoch- als auch nach niederkalorischen Mahlzeiten zu einer 2,5-fach höheren NIT am Morgen im Vergleich zum Abend führt“, sagt die Ernährungswissenschaftlerin und Studienleiterin Juliane Richter. Die Kalorienverbrennung nach dem Essen ist der Lübecker Studie zufolge am Morgen deutlich höher als am Abend. Dieser genetische Tagesrhythmus bleibt auch bei niederkalorischer Ernährung, zum Beispiel während einer Diät um abzunehmen, erhalten.

 

Gut gegen Übergewicht und hohen Blutzucker bei Diabetes

Die Empfehlung, die die Wissenschaftler daraus ableiten: Ein ausgiebiges Frühstück sollte einem üppigen Abendessen vorgezogen werden, um Übergewicht zu vermeiden oder – bei Diabetes – Blutzuckerspitzen. Denn im Anschluss an das Abendessen, so heißt es in der Studie, steigen Glukose- und Insulinspiegel im Blut deutlich stärker an als nach dem Frühstück. Eine andere aktuelle Studie der Uni Potsdam sieht auch einen Zusammenhang zwischen Essenszeit und dem Fettstoffwechsel im Körper.

Kalorienarmes Frühstück = Lust auf Süßes am Tag

In der Laborstudie untersuchte das Lübecker Forscherteam unter Leitung von Professorin Kerstin Oltmanns die Energieverbrennung bei 16 normalgewichtigen Männern. Diese erhielten ein üppiges Frühstück, aber ein kalorienarmes Abendessen – in einer weiteren Runde war es dann umgekehrt. Die nahrungsinduzierte Thermogenese wurde mittels indirekter Kalorimetrie gemessen; bestimmt wurden auch Parameter des Glukosestoffwechsels. Darüber hinaus wurden Hungergefühle und Appetit auf Süßigkeiten in den beiden Bedingungen miteinander verglichen. In der Studie kam so auch heraus, dass ein niederkalorisches Frühstück bei den Probanden zu verstärkten Hungergefühlen führt – und zwar den ganzen Tag hindurch. Das Verlangen beim „Snacking zwischendurch" richtete sich insbesondere auf Süßigkeiten.

Folgestudie: Gleichviel essen, nur früher - und so von selbst abnehmen?

In einer Folgestudie soll nun das Ergebnis der Studie im Hinblick auf die Gewichtsabnahme bei Übergewichtigen untersucht werden. „Unsere Studie zeigt, dass der menschliche Energieumsatz morgens grundsätzlich höher ist als abends. Das ist genetisch bedingt und bei jedem so“, sagt Kerstin Oltmanns, die Leiterin der Sektion für Psychoneurobiologie an der Uni Lübeck.

Übergewichtige lassen oft das Frühstück weg - ein Irrtum

„Übergewichtige lassen häufig das Frühstück weg, weil sie abnehmen möchten, und essen abends eine große Hauptmahlzeit, wenn der Hunger übermächtig wird. Wir möchten nun nachweisen, dass es schon zu einer Gewichtsabnahme kommt, wenn man dieselbe Kalorienmenge hauptsächlich in der ersten Tageshälfte zu sich nimmt.“ Schon vor einigen Jahren hat Oltmanns eine preisgekrönte App fürs Smartphone entwickelt, die Übergewichtigen bei einem langsamen, aber nachhaltigen Abnehmen helfen soll.

Foto: AdobeStock/sveta_zarzamora

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Hauptkategorie: Umwelt und Ernährung
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