Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 

Frühkindliche Ernährung beeinflusst Gesundheit lebenslang

Donnerstag, 27. Oktober 2016 – Autor: Anne Volkmann
Die Ernährung in den ersten Lebensjahren bestimmt den Stoffwechsel und die Gesundheit ein Leben lang. Forscher haben herausgefunden, wie groß der Einfluss tatsächlich ist, und geben Empfehlungen für eine gesunde Ernährung von Schwangeren und Kindern.
Ernährung in der frühen Kindheit wichtig für spätere Gesundheit

Schon während der Schwangerschaft und frühen Kindheit werden die Weichen für die spätere Gesundheit gelegt – Foto: S.Kobold - Fotolia

Die Ernährung der Mutter während, aber auch schon vor der Schwangerschaft sowie die Ernährung des Kindes in den ersten Lebensjahren beeinflussen den Stoffwechsel und die Gesundheit ein Leben lang. Unter der Koordination von Professor Berthold Koletzko von der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) hat nun ein internationales Forscherteam mehrere Jahre lang die Folgen frühkindlicher Ernährung für die lebenslange Gesundheit untersucht. Im Projekt „Early Nutrition“ konnten sie unter anderem zeigen, dass sich das Risiko eines Kindes, im Erwachsenenalter adipös zu werden, verdoppelt, wenn die Mutter zu Beginn der Schwangerschaft übergewichtig ist.

Übergewicht in der Schwangerschaft erhöht Insulinausschüttung beim Kind

Auch die Insulin-Ausschüttung wird durch das Gewicht der Mutter und die frühkindliche Ernährung geprägt. Starkes Übergewicht der Mutter führte in den Untersuchungen bereits beim ungeborenen Kind zu erhöhten Blutzucker- und Insulinwerten. Das wiederum fördert schon intrauterin die Fettgewebsbildung und erhöht das Risiko für spätere Adipositas. Über diese und andere Mechanismen können so schon in der Schwangerschaft und der frühen Kindheit Anlagen für späteres Übergewicht, aber auch für Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen gelegt werden.

Koletzko, der die Abteilung Stoffwechsel und Ernährungsmedizin am Dr. von Haunerschen Kinderspital des LMU Klinikums leitet, betont, wie wichtig die metabolische Programmierung im frühen Lebensalter für die Gesundheit der Bevölkerung ist: „Wir werden in der ganzen Welt von einer Welle von Übergewicht und Adipositas überrollt, die die Lebenserwartung der Betroffenen und das Gesundheitssystem belastet. In Europa machen Diabetes-Therapien inzwischen acht Prozent aller Gesundheitskosten aus, mit stark wachsender Tendenz.“

 

Für zwei denken, aber nicht für zwei essen

Die Forscher im Early-Nutrition-Projekt haben daher verschiedene präventive Strategien entwickelt, um unter anderem den Eiweißgehalt von Säuglingsnahrung zu senken, der bislang meist zu hoch ist. Zudem geben sie insbesondere Schwangeren Empfehlungen: „Während der Schwangerschaft steigt der Bedarf an kritischen Nährstoffen viel stärker an als der Energiebedarf“, so Koletzko. Am Ende einer Schwangerschaft brauche eine Schwangere im Schnitt nur zehn Prozent mehr Energie als vor der Schwangerschaft. Werdende Mütter sollten also nicht für zwei essen, aber für zwei denken. Zudem sollten die Frauen schon vor dem Eintreten der Schwangerschaft auf eine ausgewogene Ernährung achten, die möglichst reich an Gemüse und Fisch sein sollte. Auch sollten sie Präparate mit Folsäure einnehmen und – falls sie keinen Fisch essen – als Ergänzung die Omega-3-Fettsäure DHA einnehmen.

Foto: © S.Kobold - Fotolia.com

Hauptkategorie: Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Kinder , Adipositas , Übergewicht , Ernährung , Schwangerschaft
 

Weitere Nachrichten zum Thema Übergewicht bei Kindern

 

Aktuelle Nachrichten

 
Weitere Nachrichten
Die Wirkungen und Nebenwirkungen der Schutzmaßnahmen in der Corona-Krise seien kaum zu beurteilen. Das erklärte Prof. Hendrik Streeck am Freitag in Berlin. Der Virologe gehört zu der Sachverständigenkommission, die diese evaluieren sollte.

Hunde haben einen außergewöhnlichen Geruchssinn. In Studien wurde bereits gezeigt, dass sie eine akute Covid-19-Infektion erkennen können. Jetzt wurde das auch für Long-Covid gezeigt. Über das Phänomen berichtet die Tierärztliche Hochschule Hannover.

 
Interviews
Zöliakie kann in jedem Lebensalter auftreten und ein buntes Bild an Beschwerden machen. Bislang ist das wirksamste Gegenmittel eine glutenfreie Ernährung. Gesundheitsstadt Berlin hat mit PD Dr. Michael Schumann über die Auslöser und Folgen der Autoimmunerkrankung gesprochen. Der Gastroenterologe von der Charité hat an der aktuellen S2K-Leitinie „Zöliakie“ mitgewirkt und weiß, wodurch sich die Zöliakie von anderen Glutenunverträglichkeiten unterscheidet.

Aducanumab ist das erste in den USA zugelassene Medikament, das die Alzheimer typischen Amyloid-Plaques zum Verschwinden bringt. Aber kann der neue monoklonale Antikörper mit dem Handelsnamen Aduhelm auch den Gedächtnisverlust stoppen? Und warum ist die Notfallzulassung in den USA durch die US-Food and Drug Administration (FDA) so umstritten? Darüber hat Gesundheitsstadt Berlin mit dem Neurologen und Alzheimer-Experten Prof. Johannes Levin vom LMU Klinikum München gesprochen.

Chronische Fatigue gehört zu den häufigen Langzeitfolgen einer Covid-Infektion. Oft bessert sich der zermürbende Erschöpfungszustand nach einigen Wochen oder Monaten von allein. Doch einige Patienten entwickeln das Vollbild einer myalgischen Enzephalopathie/ Chronisches Fatigue Syndrom (ME/CFS). Gesundheitsstadt Berlin hat mit Professor Carmen Scheibenbogen von der Charité über die Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten des schweren Krankheitsbilds gesprochen.
Logo Gesundheitsstadt Berlin