Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 

Frühere Infektion mit harmlosen Coronaviren wappnet auch gegen Sars-CoV-2

Donnerstag, 25. November 2021 – Autor:
Das derzeit wütende „neuartige Coronavirus Sars-CoV-2“ kennt jeder – schließlich ist es Ursache für eine Pandemie. Aber es ist keineswegs das erste und einzige. Ein Kontakt zu harmloseren Coronaviren, von denen manche bloß eine einfache Erkältung auslösen, kann bei der Immunabwehr gegen das gefährlichere aktuellere aber behilflich sein, zeigt eine Studie aus der Schweiz.
Grafik: Erdkugel im All mit Coronavirus-Stacheln (Spike-Proteine).)

Seit mindestens 60 Jahren sind Coronaviren auf der Welt aktiv. Manche lösen lediglich einfache Erkältungen aus. Doch auch der Kontakt zu diesen harmlosen Coronaviren kann bei der Immunabwehr gegen die derzeit grassierende Covid-19-Krankheit hilfreich sein. – Foto: AdobeStock_321840095/peterschreiber.media

Coronaviren sind gar nicht neu. Sie wurden erstmals schon Mitte der 1960er-Jahre beschrieben, also vor über einem halben Jahrhundert. Bei allen vier Klassen von Landwirbeltieren – Säugetiere, Vögel, Reptilien, Amphibien – können sie Infektionskrankheiten hervorrufen. Beim Menschen sind sieben Arten von Coronaviren von Bedeutung. Das Spektrum der Krankheiten, die sie auslösen können, ist weit: Es reicht von leichten Atemwegsinfektionen (Erkältung, Grippaler Infekt) bis hin zum „Schweren akuten Atemwegssyndrom“ (engl.: Severe acute respiratory syndrome, Abkürzung: Sars), das seit Beginn der laufenden Pandemie allein in Deutschland mehr als 100.000 Tote gefordert hat.

Impfung und Genesung: Stärkster Schutz vor Covid-19

Entscheidend für die Bewältigung der Covid-19-Pandemie ist der Immunschutz der Bevölkerung gegen das innerhalb der Coronaviren-Familie besonders gefährliche Sars-CoV-2. Auf zweierlei Arten kann er aufgebaut werden: entweder durch eine Impfung; oder durch eine Ansteckung und eine glücklich durchgemachte Infektion.

 

Kontakt zu anderen Coronaviren: Dritte Art von Immunität

Ein Forschungsteam unter der Leitung der Universität Zürich (UZH) hat nun eine weitere Komponente identifiziert, die zur Sars-CoV-2-Immunität beiträgt: bestehende Antikörperreaktionen gegen andere, harmlose Coronaviren, mit denen man früher schon einmal in Kontakt gekommen ist. Das wichtigste Ergebnis vorab in einem Satz: „Personen, die ausgeprägte Immunantworten gegen menschliche Coronaviren haben, sind bis zu einem gewissen Grad auch vor einer Infektion mit Sars-CoV-2 geschützt», sagt Alexandra Trkola, Leiterin des Instituts für Medizinische Virologie der UZH.

Bei ihrem Coronavirus-Projekt analysierten die Forschenden mit einem eigens entwickelten Testverfahren zwei Dinge: Erstens die Menge an unterschiedlichen Antikörpern gegen die vier anderen gegenwärtig zirkulierenden menschlichen Coronaviren. Dafür untersuchten sie das Blutserum von 825 Spendern aus der Zeit von vor dem Auftreten von Sars-CoV-2. Zweitens analysierten sie 389 Proben von Spendern, die sich im Lauf der Pandemie mit Sars-CoV-2 infiziert hatten. „Kombiniert mit computergestützten Modellierungen ermöglicht diese Analyse präzise Vorhersagen, wie gut die Antikörper an eindringende Viren binden und sie neutralisieren“, heißt es dazu in einer Mitteilung der Universität Zürich.

Antikörper gegen harmlose Coronaviren schützen vor schweren Fälle und Krankenhaus

Die Forschenden konnten zeigen: Diejenigen Probanden, die sich mit Covid-19 ansteckten, hatten im Blut nur geringere Mengen an Antikörpern gegen die Erkältungs-Coronaviren – also weniger Kontakt zu ihnen in der Zeit davor. Zweitens zeigte sich: Covid-19-Patienten, die hohe Antikörperwerten gegen die harmlosen Coronaviren besaßen, mussten nicht so oft im Krankenhaus behandelt werden.

„Kreuzreaktion“: Immunität gegen ein Virus kann auch vor einem anderen schützen

„Laut unseren Ergebnissen führt eine stärkere Antikörperreaktion gegen humane Coronaviren auch zu höheren Antikörpermengen gegen Sars-CoV-2“, sagt Mikrobiologin Trkola. „Eine Person, die gegen harmlose Coronaviren eine Immunität hat, ist somit auch besser vor schweren Verläufen im Fall einer Sars-CoV-2-Infektion geschützt.“ In der Wissenschaft wird dies als „Kreuzreaktion“ bezeichnet. Diese tritt auch bei der Immunreaktion von T-Zellen auf, dem zweiten Pfeiler des menschlichen Immunsystems.

Verkürzter Krankheitsverlauf, mildere Symptomatik

Wie sind die aktuellen Erkenntnisse aus der Schweiz zur Corona-Immunität nun einzuordnen? Den besten Schutz gegen Sars-CoV-2 besitzen Menschen direkt nach einer durchgemachten Infektion oder nach einer wirksamen Impfung. Dann sind die Antikörpermengen gegen das Virus noch sehr hoch. Sinkt mit der Zeit ihre Konzentration, wird eine Infektion zwar nicht mehr verhindert, aber die Gedächtniszellen reaktivieren das Abwehrsystem rasch wieder – und zwar sowohl die Antikörperproduktion als auch die T-Zellabwehr. „Spezifisch gegen Sars-CoV-2 gerichtete Immunreaktionen, die von Gedächtniszellen ausgehen, sind natürlich weit wirksamer als kreuzreaktive“, sagt Virologin Trkola. „Aber obwohl der Schutz nicht komplett ist, verkürzen Kreuzreaktionen den Krankheitsverlauf und mildern dessen Schwere. Und genau das erreichen wir ja auch mit den Impfungen, nur viel, viel effizienter.“

Hauptkategorie: Corona
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Immunsystem , Infektionskrankheiten , Coronavirus
 

Weitere Nachrichten zum Thema „Covid-19-Immunität“

Das Uniklinikum Freiburg gilt als Forschungsschwerpunkt für Immunantworten des Körpers auf Infektionskrankheiten. Ein Forscherteam des Klinikums, das COVID-19-Patienten behandelt und nach überstandener Krankheit weiter betreut, kommt jetzt zu dem Schluss: Das Immungedächtnis schützt die Mehrheit der Menschen, die mit dem Coronavirus infiziert waren, vor einer Neuinfektion.

 

Aktuelle Nachrichten

 
Weitere Nachrichten
Mit einem sogenannten CRP-Schnelltest können Ärzte in wenigen Minuten einen viralen von einem bakteriellen Infekt unterscheiden. Zahlen der AOK Sachsen-Anhalt zeigen, dass durch den Test deutlich weniger Antibiotika verordnet werden.


Nach fast zwei Jahren Pandemie liegen die Nerven im Gesundheitswesen blank. Tausende Pflegekräfte haben in den vergangenen Monaten ihren Job verlassen. Wie kommen wir aus der Krise heraus und vor allem: Wie geht es danach weiter? Der 15. Nationale Qualitätskongresses Gesundheit versucht, Antworten zu finden.
 
Interviews
Aducanumab ist das erste in den USA zugelassene Medikament, das die Alzheimer typischen Amyloid-Plaques zum Verschwinden bringt. Aber kann der neue monoklonale Antikörper mit dem Handelsnamen Aduhelm auch den Gedächtnisverlust stoppen? Und warum ist die Notfallzulassung in den USA durch die US-Food and Drug Administration (FDA) so umstritten? Darüber hat Gesundheitsstadt Berlin mit dem Neurologen und Alzheimer-Experten Prof. Johannes Levin vom LMU Klinikum München gesprochen.

Chronische Fatigue gehört zu den häufigen Langzeitfolgen einer Covid-Infektion. Oft bessert sich der zermürbende Erschöpfungszustand nach einigen Wochen oder Monaten von allein. Doch einige Patienten entwickeln das Vollbild einer myalgischen Enzephalopathie/ Chronisches Fatigue Syndrom (ME/CFS). Gesundheitsstadt Berlin hat mit Professor Carmen Scheibenbogen von der Charité über die Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten des schweren Krankheitsbilds gesprochen.

Logo Gesundheitsstadt Berlin