. Nahrungsmittelallergien

Frühe Exposition kann Allergien verhindern

Lange war man der Meinung, dass die Vermeidung von allergenen Nahrungsmitteln Allergien bei Säuglingen verhindern könnte. Doch neue Studien zeigen, dass eine frühe Fütterung mit Erdnüssen und Co. keine Allergien auslöst und diesen sogar verbeugen kann.
Frühe Zufütterung von Allergenen kann Allergien verhindern

Eine frühe Zufütterung von Allergenen scheint Nahrungsmittelallergien vorzubeugen

Über Jahrzehnte hinweg empfahlen Allergologen, bei der Fütterung von Säuglingen hoch allergie­aus­lösende Nahrungsmittel wie Erdnüsse, Weizen oder Hühnereiweiß zu vermeiden, um späteren Nahrungsmittelallergien vorzubeugen – vor allem wenn die Kinder ein erhöhtes Allergierisiko hatten. Doch im vergangenen Jahr wurde eine britische Studie (LEAP) veröffentlicht, die zur Überraschung der meisten Experten zeigte, dass die Einführung von Erdnüssen in die Säuglingsernährung zwischen dem vollendeten vierten und elften Lebensmonat die Zahl der späteren Erdnussallergien um 86 Prozent senkte. Und in der Anschlussstudie LEAP-On konnte sogar gezeigt werden, dass diese Toleranz anhält, auch wenn nach der frühen Zufütterung wieder auf Ednüsse verzichtet wird.

Kinder, die eine frühe Zufütterung erhielten, entwickelten weniger Allergien

In einer weiteren Untersuchung, der EAT-Studie, haben dieselben Forscher nun untersucht, ob diese Toleranzentwicklung auch für andere häufige Allergene gilt. Für ihre Studie beobachteten die Wissenschaftler um Gideon Lack vom King’s College in London mehr als 1.300 Säuglinge, die drei Monate ausschließlich gestillt worden waren und dann weitere sechs Monate allergene Nahrungsmittel zugefüttert bekamen oder aber voll weitergestillt wurden.

In der anschließenden „per-protocol“-Analyse, die nur Kinder berücksichtigt, bei denen die strengen Fütterungsregeln eingehalten worden waren, zeigte sich, dass 7,3 Prozent der Kinder, die voll weitergestillt worden waren, später Nahrungsmittelallergien entwickelten. Bei den Kindern, die gezielt hochallergene Nahrungsmittel zugefüttert bekommen hatten, waren es nur 2,4 Prozent. Der Unterschied war damit signifikant. Besonders effektiv war die frühe Zufütterung bei Erdnüssen und Eiern; bei der Zufütterung von Milch, Sesam, Fisch und Weizen konnte hingegen kein signifikanter Unterschied festgestellt werden. Die Forscher vermuten, der Grund dafür könne das insgesamt eher seltene Auftreten dieser Nahrungsmittel-Allergien sein.

 

Toleranz gegenüber Allergenen bleibt auch nach einem Jahr erhalten

Die Beweiskraft der Studie ist dennoch als relativ gering einzustufen, weil sich viele Mütter, nämlich über die Hälfte, nicht an die Fütterungsregeln hielten. Dennoch bleiben zumindest die Ergebnisse der LEAP-Studie aus dem vergangenen Jahr bedeutsam. Sie wurden zudem durch die Fortsetzungsstudie LEAP-On bestätigt und erweitert. Dafür baten die Wissenschaftler die Teilnehmer der LEAP-Studie, für die nächsten 12 Monate auf Erdnüsse zu verzichten. Danach wurde in beiden Gruppen ein oraler Provokationstest durchgeführt. Sowohl bei den Kindern, denen früh Erdnüsse zugefüttert wurden, als auch bei den anderen kam es zu drei zusätzlichen Allergien. Nach Ansicht der Forscher ist das ein Beweis dafür, dass die in den ersten Lebensjahren entwickelte Toleranz erhalten bleibt.

Foto: © Oksana Kuzmina - Fotolia.com

Autor: red
Hauptkategorien: Prävention und Reha , Medizin
 

Weitere Nachrichten zum Thema Allergien

| Hohe Salzmengen können zu einer Umprogrammierung von Immunzellen führen, was wiederum die Entstehung von Allergien und Neurodermitis begünstigt. Das haben Forscher in neuen Untersuchungen herausgefunden. Was das konkret für die Praxis bedeutet, ist allerdings noch unklar.
 
 

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

 
. Weitere Nachrichten
Etwa jeder Dritte in Deutschland hat Schilddrüsenknoten. Meist sind sie harmlos. Müssen sie behandelt werden, weil sie Beschwerden hervorrufen oder der Verdacht auf Bösartigkeit besteht, gibt es mehrere Therapie-Optionen.
Immer mehr Menschen kommen mit einer schweren Lungenembolie ins Krankenhaus. Doch nur jeder vierte bekommt eine Thrombus-auflösende Therapie. Dass ein Blutgerinnungshemmer indiziert ist, zeigt nun eine aktuelle Studie der Universität Mainz.
Wenn Profi- oder Amateursportler gewinnen wollen, muss die Mundhygiene hohe Priorität haben. Karies oder Zahnfleischerkrankungen können Entzündungen im gesamten Körper auslösen – und die sportliche Leistungsfähigkeit herabsetzen.
. Fortbildungen Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender
 
. Termine Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender
 
. Kliniken
. Interviews
Mit der Digitalisierung des Gesundheitswesens sind viele Chancen verbunden. Bei manchen Bürgern löst das Thema aber auch Ängste und Sorgen aus. Gesundheitsstadt Berlin hat mit Prof. Dr. Erwin Böttinger, einem der weltweit führenden Forscher im Bereich Digital Health, über die elektronische Patientenakte und andere digitale Lösungen gesprochen.