. US-Studie

Frontotemporale Demenz: Bildungsniveau beeinflusst Überlebenszeit

Die Frontotemporale Demenz (FTD) tritt meist vor dem 60. Lebensjahr ein, die Betroffenen werden kaum älter als 70. Amerikanische Wissenschaftler konnten nun zeigen, dass FTD-Patienten, die einmal einem anspruchsvollen Beruf nachgingen, deutlich länger leben als Patienten mit einfachen Berufen.
Frontotemporale Demenz trifft Menschen mitten im Berufsleben. Kognitive Reserven verzögern offenbar den Krankheitsverlauf

Frontotemporale Demenz trifft Menschen mitten im Berufsleben. Kognitive Reserven verzögern offenbar den Krankheitsverlauf

Frontotemporale Demenz ist eine neurodegenerative Erkrankung, bei der vor allem Nervenzellen im Stirnhirn und den Schläfenlappen untergehen. Anders als bei der Alzheimer-Erkrankung gibt es bislang keine Medikamente und Betroffene erkranken in der Regel schon zwischen dem 50. und 60. Lebensjahr, also mitten im Berufsleben. Während Studien inzwischen belegen, dass Bildung und Gehirntraining eine Zeitlang vor Demenz und Alzheimer schützen können, war das von der seltenen Frontotemporalen Demenz so bislang nicht bekannt.

Handwerker sterben im Schnitt drei Jahre früher als Anwälte

Forscher der Universität Pennsylvania in Philadelphia (USA) sind deshalb der Frage nachgegangen, ob geistig anspruchsvolle Berufe die Überlebensdauer nach der FTD-Diagnose verlängern können. In der Studie zeigte sich, dass die vormalige Berufstätigkeit einen großen Unterschied macht: Im Mittel überlebten die Patienten mit FTD knapp sieben Jahre, nachdem Angehörige bei ihnen erstmals ein dauerhaft ungewöhnliches Verhalten beobachtet hatten. In der Gruppe mit dem niedrigsten Beschäftigungsstatus wie etwa Arbeiter oder Handwerker waren es jedoch durchschnittlich nur sechs Jahre und in der am höchsten qualifizierten Gruppe wie etwa Anwälte oder Ärzte waren es über neun Jahre. Damit überlebten die hoch Qualifizierten bis zu drei Jahre länger als Patienten mit weniger anspruchsvollen Berufen.

 

Erste Studie, die den Berufs-Effekt bei Frontotemporale Demenz zeigt

„Die aktuelle Studie zeigt erstmals, dass der berufliche Status die Lebenserwartung von Patienten mit FTD nach Diagnosestellung möglicherweise signifikant positiv beeinflusst“, kommentiert Prof. Gereon Fink, Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Neurologie und Direktor der Klinik für Neurologie der Uniklinik Köln das Studienergebnis. „Möglicherweise führt eine berufslebenslange geistig stimulierende und fordernde Betätigung zur Ausbildung einer echten geistigen Reserve des Gehirns“, vermutet der Experte.

Offenbar kann ein gut trainiertes Gehirn kognitive Einbußen besser kompensieren als ein weniger gut trainiertes. Frühere Studien hatten diesen Effekt schon bei der Alzheimer-Krankheit gezeigt: Menschen mit einem niedrigen Bildungsniveau haben demnach ein höheres Risiko, an der Alzheimer-Krankheit zu erkranken, und verlieren auch schneller ihre geistigen Fähigkeiten als Menschen mit einem hohen Bildungsniveau.

In der nun im Fachmagazin "Neurology" veröffentlichten US-Studie wurden die Daten von 83 Personen verglichen, die entweder an der Alzheimer-Krankheit verstorben waren oder an einer Frontotemporalen Demenz.Neurologe Fink hält die Teilnehmerzahl für zu klein und meint, die Ergebnisse müssten nun in weiteren Studien erhärtet werden. Dennoch sieht der Neurologe das Bildungsniveau sowie die berufliche Betätigung schon jetzt als potenziellen Prognosefaktor bei FTD an.

Bei Frontotemporaler Demenz geht die soziale Kontrolle verloren

In Deutschland leiden schätzungsweise 42.000 Menschen an Frontotemporaler Demenz. Die Erkrankung beginnt mit Veränderungen der Persönlichkeit und des zwischenmenschlichen Verhaltens, wie Aggressivität, Taktlosigkeit und Verlust der sozialen Kontrolle. Im Verlauf der Erkrankung entwickeln sich Sprachstörungen. Vergesslichkeit ist in den ersten Jahren nicht so deutlich ausgeprägt wie bei der Alzheimer-Krankheit, im Spätstadium vergessen Patienten mit Frontotemporaler Demenz aber so gut wie alles.

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